Ein Hoch auf den Brandschutz

28.12.2017 | Stand 02.12.2020, 17:01 Uhr

Wohlproportionierter Beton sieht anders aus: Am Pflegschloss wird gerade eine Haftungsfrage gelöst, auf Kosten eines der schönsten Flecken der Stadt. - Foto: Petry

Warum im Pflegschlosspark ein neuer Betonklotz entsteht und auf dem Lenbachplatz nicht.

Man könnte meinen, dass es um eine fast schon philosophische Frage geht, wenn Behörden auf einen umfassenden Brandschutz drängen: Was ist ein Leben wert? Wie viel muss der Gesellschaft ein Leben wert sein? Klingt schön, stimmt aber nicht. Beim Brandschutz geht es einzig und allein um die Haftungsfrage: Wer ist schuld, wenn was passiert?

Während in Düsseldorf der Loveparade-Prozess tobt, bei dem kein Bürgermeister auf der Anklagebank sitzt, erlebt man in Schrobenhausen, wie unterschiedlich die versicherungstechnische Haftungsfrage ausgelegt werden kann: Der Pflegschlosspark, einer der schönsten Flecken der Stadt, wird mit einem Zweckbau verschandelt. Da hat man sich nicht einmal wirklich Mühe gegeben, etwas Großartiges zu bauen, wie etwa beim Spargelmuseum. Dort hat der verdoppelte Rundbau eine gewisse Klasse, ist ein Hingucker; auch wenn es nicht jedem gefallen wird, kann man sehen: Hier hat sich jemand etwas dabei gedacht, es ist etwas versucht worden. Der Betonklotz im Pflegschlosspark ist das genaue Gegenteil. Man muss kein Architekt sein, um zu erkennen, dass die Proportionen zumindest fragwürdig sind. Und das Pflegschloss verfügt über drei ebenerdige Ausgänge und über ein Dutzend Fenster im Erdgeschoss - so viele Möglichkeiten, einem drohenden Flammeninferno zu entkommen!

Im Rathaus braucht's all das nicht. Hauptamtsleiter Christoph Gläßel hatte aufgezeigt, wie es in der Praxis laufen wird: Wahrscheinlich werden der Sitzungssaal und der Lenbachsaal im zweiten Stock nicht sehr häufig gleichzeitig in Betrieb sein - was wohl doch zulässig wäre, da standen ja zwischenzeitlich unterschiedliche Auffassungen im Raum. Fakt ist: Je Saal maximal 100 Personen sind zulässig. Wenn es im Treppenhaus brennt, können über die Drehleiter der Feuerwehr ein paar Leute aus einem der Säle gerettet werden, alle anderen verbrennen ordnungsgemäß.

Warum? Weil sich jemand gefunden hat, der dem Landratsamt die Haftungsfrage abnimmt. Ein Brandschutzgutachter hat alles unterschrieben, und schon hat sich der Brandschutz erledigt. Manchmal ist das Leben geradezu unheimlich einfach.

URL: https://www.donaukurier.de/archiv/ein-hoch-auf-den-brandschutz-3263958
© 2022 Donaukurier.de