Ingolstadt

Hitzewelle: Ab 14 Uhr ist Pflastern unmöglich

Material kann nicht mehr verarbeitet werden - 1. Abschnitt der Fußgängerzone soll dennoch bis zum Winterzauber fertig sein

03.08.2018 | Stand 02.12.2020, 15:56 Uhr
Nur mit Einschränkungen kann bei der anhaltenden Hitze in der Fußgängerzone gearbeitet werden (oben). Im östlichenTeil sind bereits das Pflaster und die Metallintarsien mit wichtigen Daten der Stadtgeschichte verlegt. Tiefbauamt, Baureferent und IN-City informierten am Freitag an Ort und Stelle. −Foto: Fotos: Hauser

Ingolstadt (DK) Die erste Phase der Umgestaltung der Fußgängerzone ist beendet. Das Tiefbauamt, Baureferent und IN-City informierten am Freitag an Ort und Stelle darüber, wie es weitergeht. Denn bei Temperaturen von 30 Grad und mehr ist das Verfugen des Pflasters ab 14 Uhr technisch nicht mehr möglich.

35 Kilo. So viel wiegt einer der Pflastersteine, die in der Fußgängerzone verlegt werden. Und das bei Temperaturen von anhaltend 30 Grad und mehr. "Das ist wirklich kein Spaß", sagt Walter Hoferer, Leiter des Tiefbauamts, am Freitag bei einem gemeinsamen Termin seines Amts und des Innenstadtvereins IN-City auf dem bereits neu verlegten östlichen Teil der Fußgängerzone.

Jedoch kämpfen nicht nur die Bauarbeiter mit der extrem langen Hitzewelle. Auch die Bauphysik stößt an ihre Grenzen. Denn der Bettungsmörtel, auf dem der Flossenbürger Granit verlegt wird, sorgt zwar dafür, dass das Pflaster absolut eben wird, kann aber bei Temperaturen über 30 Grad nicht verarbeitet werden. Andernfalls wird keine Gewährleistung bei dadurch verursachten Schäden übernommen. Nach drei Tagen ohne jede Belastung darf verfugt werden. Die Stadt verzichtet jedoch hier auf das klassische Sanden, sondern nimmt ein spezielles, dauerhaftes Material. Doch auch der Einbau dieses bis zu einem gewissen Grad wasserdurchlässigen Fugenmaterials ist bei dieser extremen Hitze sehr schwierig. Die Konsequenz: "Ab 14 Uhr ist das Pflastern nicht mehr möglich", so Baureferent Alexander Ring.

"Der technische Ablauf ist fast wie geplant, derzeit haben wir keine Verzögerung", sagt Ring. Damit das auch so bleibt, sollen künftig eventuell zwei Kolonnen arbeiten: eine fürs Pflastern, eine fürs Verfugen - falls die Firmen, die allesamt ausgelastet sind, Personal finden. Denn wie Hoferer und Ring bekräftigen, dauert es 28 Tage, bis eine ausreichende Festigkeit des Untergrunds erreicht wird. Bis dahin muss das Pflaster von jeglicher Belastung freigehalten werden. Erst nach frühestens vier Wochen kann der entsprechende Abschnitt für den Verkehr freigegeben werden. Dies kann natürlich den Eindruck erwecken, als würde auf der Baustelle Fußgängerzone nicht mehr weitergearbeitet und nichts vorangehen.

In den nächsten Wochen ist geplant, vom Paradeplatz bis hin zur Hall- beziehungsweise Georg-Oberhäuser-Straße fertig zu pflastern. Zu Beginn der Vorweihnachtszeit ruhen dann die Arbeiten wie bereits im vergangenen Jahr. 2019 wollen sich die Tiefbauer dann wie auch bisher halbseitig bis zur Mauthstraße vorarbeiten, um die Zugänglichkeit der Geschäfte zu gewährleisten. Im Jahr 2020 ruhen die Arbeiten. "Die Gäste der Landesgartenschau sollen in der Fußgängerzone keine Baustelle vorfinden", betont Hoferer. Insgesamt sind fünf Bauabschnitte geplant: Nummer drei geht dann bis zum Schliffelmarkt, Nummer vier ist der Schliffelmarkt selber und Nummer fünf die östliche Theresienstraße. Ende 2022 sollen die Arbeiten beendet sein.

IN-City Vorsitzender Thomas Deiser ist zuversichtlich, dass zu Beginn des Winterzaubers in der Innenstadt Ende November die neue Fläche des ersten Bauabschnitts zur Verfügung steht. Geplant ist auch ein Straßenfest, um die Kunden wieder verstärkt in diesen Bereich der Innenstadt zu locken. "Die Kundenwege ändern sich bei Baustellen", weiß Deiser, und in der Fußgängerzone wird jetzt schon über eineinhalb Jahre gearbeitet. Für die Geschäfte bedeutet dies natürlich eine enorme Belastung, Deiser spricht von Umsatzeinbußen "im zweistelligen Bereich". Es habe bereits mehrere Gesprächsrunden deswegen gegeben. Dennoch verteidigt Deiser die Sanierung nach über 40 Jahren und weiß die Geschäftsleute auf seiner Seite: "Ich habe noch keinen getroffen, der sagt: ?Hätten wir das bloß nicht gemacht.'"

Der helle Granit wird übrigens etwas nachdunkeln - auf eine Versiegelung hat man bewusst verzichtet, da dieses Verfahren dann regelmäßig wiederholt werden müsste. In der Mitte der Fußgängerzone ist schon das bespielbare Band in der Mitte zu sehen, wo Buden aufgestellt werden können oder Aktionen stattfinden. Die grauen Querstreifen nehmen die Häusergrenzen auf und verweisen zugleich auf den "Code der Stadt": Wichtige Ereignisse sind in Form von metallenen Intarsien im Boden eingelassen.
 

Bernhard Pehl

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