Höchste Zeit für ein Happy End

25.09.2018 | Stand 02.12.2020, 15:36 Uhr
Sind Bio-Hendl bei Volksfesten zu teuer? Wohl kaum, schreibt unsere Leserin Annette Hartmann aus Geisenfeld. Beim Oktoberfest sei der Geflügelkonsum trotz stetig steigender Preise schließlich über Jahre hinweg gleich geblieben. −Foto: Rebl

Zum Artikel "Weniger Plastik, mehr fürs Tierwohl" (PK vom 18. September): Das ist wirklich ganz großes Kino: Festwirt Stiftl klagt im Jahr 2018, er bekäme nicht genug Bio-Hendl aus regionaler Erzeugung.

Blicken wir zurück: Pfaffenhofen erhielt seinen ersten Nachhaltigkeitspreis 2013 und nennt sich seitdem "Stadt der Nachhaltigkeit". Bereits seit 2012 wissen Stadt und Landratsamt von den Erweiterungsplänen des Hühnermästers Höckmeier in Eschelbach, Gemeinde Wolnzach, Landkreis Pfaffenhofen - Erweiterung wohlgemerkt nur um Masse, nicht um Klasse. Seither mauserte sich der Zank um Bayerns größte Hühnermastanlage zu einem der langwierigsten Dramen unserer Region. Die Baugenehmigung wurde 2016 vorschnell erteilt, inzwischen steht der Stall. Aber er bleibt leer, denn die Naturschützer haben einen Betriebsstop gegen die konventionelle Anlage erwirkt und nun?fehlen die hochwertigen Hühner. Sechs Jahre später fällt den Herrschaften plötzlich auf, dass Bio-Huhn aus der Region Mangelware ist! Toll!
Und man hat sogar schon gemerkt, dass es eine Nachfrage danach gibt. Doch oh Schreck, der Aufpreis von ?fünf Euro könne den Gästen nicht zugemutet werden? Herr Stiftl wagt es erst gar nicht, den schwindelerregenden Endpreis zu nennen. Dann schauen wir eben nach München: Auf der Wiesn 2017 kostete das halbe Bio-Hendl ? 13,20 Euro und damit nur wenig mehr als das halbe Mast-Hendl mit bis zu 11,90 Euro, übrigens ein ähnlicher Preis wie eine Maß Bier.

Zu teuer? Wohl kaum: Der Geflügelkonsum auf dem Fest blieb über Jahre hinweg gleich, trotz stetig steigender Preise. (Quelle: https://de. statista. com/statistik/daten/studie/38391/umfrage/anzahl-der-verkauften-brathendl-auf-dem-oktoberfest-seit-1980/).

Sieht man sich die nur halb abgenagten Hühnerknochen auf den abgeräumten Tellern an, ist das Fleisch immer noch nicht teuer genug. Immerhin, die Schweine, die für das Pfaffenhofener Volksfest dran glauben müssen, haben vorher noch ein halbwegs schweinisches Leben gehabt. Nur die armen Hühner, die haben bei uns immer noch nichts zu lachen. Wie wäre es, wenn wenigstens jetzt die Akteure auf der lokalen Bühne miteinander reden würden? Für mehr hochwertiges regionales Hühnerfleisch und für ein nachhaltiges Pfaffenhofener Volksfest mit Bio-Hendl im Jahr 2019! Es wird doch wirklich höchste Zeit für ein Happy End.
Annette Hartmann

Geisenfeld

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