Manching

Im Segelflugzeug auf 23 Kilometer Höhe

Airbus-Ingenieur Lars Bensch erläutert beim Luftfahrtforum das faszinierende Perlan-II-Projekt

16.10.2018 | Stand 02.12.2020, 15:27 Uhr
Vor vollen Rängen erläuterte Airbus-Ingenieur Lars Bensch (links) das Perlan-Projekt. Organisiert werden die Vorträge des Manchinger Luftfahrtforums von Hans-Christoph Oelker. −Foto: Pehl

Manching (DK) Die perfekte Welle ist nicht nur ein Traum für Surfer.

Auch Segelflieger sind auf der Suche nach ihr. Was das genau bedeutet, erläuterte Lars Bensch, Flugversuchsingenieur bei Airbus Hamburg, beim jüngsten Manchinger Luftfahrtforum. Der Titel der wie immer sehr gut besuchten Veranstaltung lautete: "Die perfekte Welle - Höhenrekord mit dem Segelflugzeug Perlan II in der Stratosphäre. "

Die Geschichte reicht zurück in die 80er-Jahre, als Einar Enevoldson, der Begründer des Perlan-Projekts, auf einem Bild zufällig eine starke atmosphärische Welle über einem Gebirgszug entdeckte, die bis 23 Kilometer Höhe reichte, also bis in die Stratosphäre. Diese Wellen entstehen aber nur an wenigen Orten und unter ganz besonderen Bedingungen auf der Welt.

Der frühere Testpilot der Nasa war fasziniert, und über die Jahre reifte daraus das Perlan-Projekt, dessen Name auf die perlenartige Farbe zurückzuführen ist, die die Wolken, welche bei dieser Art der Wellen entstehen, aufgrund der Lichtbrechung der Eiskristalle annehmen. Im August 2006 erreichten Enevoldson und der später verunglückte Steve Fosset mit dem Segelflugzeug Perlan I die damalige Rekordhöhe von über 15 Kilometern.

2014 wurde Airbus Sponsor der Mission Perlan II mit dem Ziel, einen neuen Höhenweltrekord für Segelflugzeuge aufzustellen sowie diese Wellen in der Stratosphäre und deren Einfluss auf das Klima zu erforschen. Am 2. September 2018 erreichten die beiden Piloten Jim Payne und Tim Gardner in Argentinien eine Höhe von 76124 Fuß, umgerechnet gut 23 Kilometer. Dieser Flug gilt damit als der höchste jemals erreichte, bemannte Unterschallflug. Damit flog Perlan II (Gewicht 680 Kilo, Länge zehn Meter, Flügelspannweite 25 Meter) höher als die U2.

Jeder Flug der Perlan II ist aufgrund der extremen Bedingungen in dieser Höhe ein Testflug, den nur speziell ausgebildete Piloten in Druckluftanzügen absolvieren können. Jeder Flug dauert mehrere Stunden, die Temperaturen sinken auf minus 50 Grad. Dabei werden bestimmte Testpunkte angeflogen. Werden die gemeistert, kommt der nächste, noch höhere Testpunkt. Dabei werden auch etliche wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen. Doch das Ende der Fahnenstange ist wohl noch nicht erreicht. Das Airbus-Team ist zuversichtlich, noch höher fliegen zu können.

Bernhard Pehl

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