Eglofsdorf

"Wir funken dazwischen"

In Eglofsdorf formiert sich der Widerstand gegen eine nahe am Ort geplante Mobilfunkanlage

14.06.2019 | Stand 02.12.2020, 13:44 Uhr
In Sorge um die "Lebensqualität" in ihrem Heimatort sind momentan zahlreiche Eglofsdorfer Bürger. Bei einer Versammlung am Donnerstagabend wurden große Bedenken gegen die Errichtung eines Mobilfunkmastes nahe am Ortsrand vorgebracht. −Foto: F. Rieger

Eglofsdorf (DK) Die Bürger im Beilngrieser Ortsteil Eglofsdorf sind in Aufruhr. Der geplante Bau einer Mobilfunkanlage in der Nähe ihres Dorfes bereitet ihnen Sorge. Das wurde am Donnerstagabend bei einer ausgesprochen gut besuchten Ortsversammlung deutlich. Am Ende stand sogar die Gründung einer Bürgerinitiative mit dem Namen "Wir funken dazwischen".


Es geht um einen Bauantrag der Firma Vodafone, der eigentlich schon bei der Stadtratssitzung vor einer guten Woche hätte behandelt werden sollen. Auf Wunsch des Eglofsdorfer Stadtrats und Ortssprechers Josef Schneider (BL/FW) war der Tagesordnungspunkt aber verschoben worden. Schneider konnte an diesem Tag nicht im Gremium anwesend sein. Er hatte um Aufschub gebeten, um bei diesem Thema auch mitdiskutieren zu können.

Die im Bauantrag angegeben Grunddaten sind bereits bekannt. Die Anlage soll im Außenbereich errichtet und 35,20 Meter hoch werden. Die Breite ist mit 3,84 mal 3,84 Metern angegeben, die Maße der Bodenplatte mit 9,60 mal 9,60 Metern. Zum Standort heißt es: "Die Abstandsflächen werden eingehalten. "

Für die Eglofsdorfer Bürger steht allerdings fest: Der Mast soll viel zu nah an der Wohnbebauung errichtet werden. Der Abstand zum letzten Gebäude am Ortsrand betrage nur 130 Meter. Das sei viel zu wenig, betonten Ortssprecher Schneider, Franz Schmidtner, Karl Waffler und Maria Braun bei ihren Erläuterungen. Verärgert ist man im Ort darüber, vorab nicht über die Thematik informiert worden zu sein. Wäre der Tagesordnungspunkt vor Wochenfrist nicht abgesetzt worden, gäbe es inzwischen schon einen - möglicherweise zustimmenden - Stadtratsbeschluss, wie bei der Versammlung kritisiert wurde.

Inzwischen habe man in Erfahrung gebracht, dass ein Privatmann einen langfristigen Pachtvertrag für das Grundstück mit Vodafone abgeschlossen hat. Zudem ist der Informationsstand der Eglofsdorfer folgender: Es soll sich nicht einfach nur um einen Mast handeln, der die seit Langem geforderte Mobilfunk-Aufwertung für die teilweise bis heute noch kaum für die Handynutzung erschlossenen Nachbarorte auf dem Altmühlberg sicherstellt. Vielmehr werde eine Basisstation für die moderne 5G-Technologie errichtet. Man sehe sich hier als "Versuchskaninchen", beklagt Maria Braun. Die Angst vor gesundheitlichen Gefahren durch die Strahlung - nicht zuletzt ein erhöhtes Krebsrisiko - ist nun groß in Eglofsdorf.

Daher will man sich auf die Hinterfüße stellen und versuchen, den Bau der Anlage - zumindest an diesem Standort - zu verhindern. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen solche Mast. Aber wir wollen geschützt werden, der Abstand zur Wohnbebauung muss deutlich größer sein", fasste Maria Braun zusammen.

Am Ende der rund zweistündigen Debatte entschied man sich, eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen. Ihr Name lautet "Wir funken dazwischen". 34 Unterschriften wurden vor Ort bereits unter die Ziele der Gruppierung gesetzt, und das soll erst der Anfang sein. Die zentrale Forderung besteht darin, dass kein Mobilfunkmast nah an der Eglofsdorfer Wohnbebauung errichtet wird. Allerdings dürften solche Anträge künftig auch auf andere Dörfer in der Gemeinde zukommen, so Schmidtners Überzeugung. "Wir sind nur der Anfang. " Daher sollten sich alle Bürger der Großgemeinde angesprochen fühlen, betonte er. Die Bürgerinitiative fordert, dass bei der nächsten Stadtratssitzung ein Mobilfunkkonzept beschlossen wird, mit dem die Kommune - ähnlich der Konzentrationsflächenplanung für Windkraftanlagen - Standorte im Gemeindegebiet ausweist, auf denen man sich Mobilfunkmasten grundsätzlich vorstellen kann. Um diese Ziele durchzusetzen, will die Bürgerinitiative nun schleunigst den direkten Kontakt zu Stadträten, Bürgermeister und auch Landratsamt suchen.

Unsere Zeitung hat Bürgermeister Alexander Anetsberger (CSU) am Freitag zu der Thematik befragt. Er werde dem Wunsch der Bürgerinitiative nach einem Gespräch nachkommen und sich die Argumente gerne anhören, kündigte er an. Allerdings verwies Anetsberger auch darauf, dass es sich um ein von privater Seite angestrebtes, privilegiertes Vorhaben handle. Um einem solchen das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern und anschließend nicht vom Landratsamt überstimmt zu werden, müsse man schon sehr gute Argumente vorbringen. Und da keine gesetzlichen Mindestabstände unterschritten würden, sei es wohl nicht zielführend, bei der Ablehnung auf einen zu geringen Abstand zu verweisen.

Zum Prozedere teilte Anetsberger außerdem mit, dass der Mobilfunkbetreiber der Kommune in solchen Fällen vorab einen Suchkreis melde. Man habe bei dieser Anfrage aber nur städtische Flächen anbieten können, die außerhalb des Radius liegen. Also habe sich das Unternehmen eigenständig mit Grundbesitzern in besagtem Suchkreis in Verbindung gesetzt. Der im Mai eingereichte Bauantrag müsse nun innerhalb von zwei Monaten im Stadtrat behandelt werden, daher wird dies bei der nächsten Sitzung am 4. Juli definitiv der Fall sein. Die Information, dass es sich um eine Anlage für 5G handle, könne er nach allem, was man als Kommune wisse, nicht bestätigen, so Anetsberger. Allerdings habe man nur über die Errichtung eines Mastes, also die Infrastruktur, zu befinden. Ein solcher Mast könne später auch anderweitig genutzt - oder an andere Anbieter vermietet - werden.

 

STELLUNGNAHME DER FIRMA

Im Nachgang zur Ortsversammlung hat unsere Zeitung dem Unternehmen diverse Fragen zu dem Vorhaben in Eglofsdorf gestellt. Vodafone-Sprecher Volker Petendorf teilte in einer schriftlichen Stellungnahme mit, dass es sich bei den Plänen um einen 35 Meter hohen LTE-Mast handelt, der "zunächst das vorhandene LTE-Funkloch beseitigen" werde. Petendorf fügt hinzu: "Perspektivisch werden wir dort aber auch Antennen für die nächste Mobilfunkgeneration 5G installieren. " Zu den Gründen für den geplanten Bau des Mastes teilt das Unternehmen mit: "Von dem Neubau profitieren vor allem die Anwohner und Gäste im Umkreis von etwa fünf Kilometern. Zudem haben künftig auch die Verkehrsteilnehmer auf den nahegelegenen Straßen inklusive der Bundesstraße 299 eine Mobilfunkverbindung. " Als Investitionskosten werden rund 200000 Euro angegeben.

Zur Frage unserer Zeitung, ob man den Mast aus Rücksicht auf die Bürger nicht weiter von der Wohnbebauung entfernt errichten könne, lautet die Antwort: "Mit einem Abstand von mehr als 100 Metern zur nächsten Wohnbebauung wurde nach intensiver Suche ein optimaler Standort gefunden. Der neue Mast stellt kein optisches Hindernis dar. Hinzu kommt, dass Mobilfunk nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine sichere Sache ist. Die meisten Mobilfunkstationen in Deutschland befinden sich direkt auf den Dächern von Gebäuden (Wohnhäuser, Bürogebäude, Rathaustürme, Kirchtürme). Bei dieser neuen Station haben wir sogar einen deutlichen Abstand zum nächsten Wohngebäude. Die Realisierung der neuen Mobilfunkstation - von der Planung über Bau und Anbindung bis zur Inbetriebnahme - erfolgt in enger Abstimmung mit allen relevanten Behörden. "

Fabian Rieger

URL: https://www.donaukurier.de/archiv/wir-funken-dazwischen-2561319
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