Karlskron

Ingolstädter Schüler nach Karlskron?

Gemeinde-Bürgermeister Stefan Kumpf will gemeinsamen Verbund für Mittelschulen gründen - und blickt nach Zuchering

30.07.2019 | Stand 02.12.2020, 13:23 Uhr
Zu wenig Schüler: An der Karlskroner Schule wird es im kommenden Schuljahr keine 5. Klasse mehr geben. −Foto: Eberl

Karlskron/Ingolstadt (DK) Für manche Ingolstädter Eltern mag es eine etwas befremdliche Vorstellung sein, ihre Kinder nach Karlskron zu schicken.

Doch für Stefan Kumpf, Rathauschef der ältesten Gemeinde im Donaumoos, wäre dies die beste Lösung für sein Schulproblem. Denn langfristig, so der Bürgermeister, sei der Mittelschulstandort Karlskron im Bestand gefährdet. Deshalb will er heute den Schulverbund mit Karlshuld kündigen - und in wenigen Tagen mit Ingolstadts Kulturreferent Gabriel Engert ein Gespräch über eine neue Partnerschaft führen.

Im kommenden Schuljahr wird in Karlskron bereits keine 5. Klasse mehr gebildet werden können. Ein Dutzend Schüler, so Kumpf in der Gemeinderatssitzung am Montagabend, sind dafür zu wenig. Und in der kurzen Zeit sei es auch nicht gelungen, weitere Schüler für den Eintritt in die Mittelstufe in Karlskron zu bewegen. Im Ergebnis müssen ab September die Karlskroner Fünftklässler nach Karlshuld fahren. Daran konnte auch der Protest der Eltern und ein Gespräch der Schulleiter nichts ändern.

Mit der Nachbargemeinde im Donaumoos besteht seit nunmehr acht Jahren ein Schulverbund, dem sich auch Weichering angeschlossen hat. Während Karlshuld damit im kommenden Schuljahr zwei 5. Klassen hat, geht Karlskron leer aus. "Der Schulverbund ist eher eine Zwangsehe", so Kumpf in der Sitzung. Teilweise müssten die Schüler dann schon um 6.40 Uhr mit dem Bus wegfahren, seien aber schon kurz nach 7 Uhr in der Karlshulder Schule.

"Die Fünftklässler sind aber nur der Anfang", warnte Kumpf die Räte. Er fürchtet dauerhafte Probleme und eine Gefahr für den Schulstandort Karlskron. Und hier kommt die Option Ingolstadt ins Spiel. Der Karlskroner Bürgermeister würde am liebsten einen eigenen Schulverbund mit der benachbarten Großstadt gründen, was aus seiner Sicht auch geografisch Sinn machen würde. Denn der Verbund mit Karlshuld erstreckt sich vom Karlskroner Ortsteil Brautlach an der B16 über mehr als 30 Kilometer bis nach Klingsmoos an der Grenze zum Landkreis Aichach-Friedberg. Ein Verbund mit Ingolstadt wäre dagegen viel kompakter.

Das Schulzentrum Südwest leide unter großer Raummangel und die Schüler aus dem Süden von Ingolstadt, vor allem aus Zuchering, müssen laut Kumpf ab der 5. Klasse ohnehin fahren, da es in diesem Stadtteil nur eine Grundschule gibt. Diese Mittelschüler könnten künftig dann genauso gut nach Karlskron fahren - die Entfernung wäre auch nicht recht viel größer und die Busse verkehren ja schon. Für den CSU-Politiker ergäbe sich so eine Win-Win-Situation: Die Karlskroner würden ihre Mittelstufe dauerhaft erhalten, und die Ingolstädter würden entlastet.

Gabriel Engert sagt voerst gar nichts, sondern will sich die Vorschläge aus Karlskron erst mal in aller Ruhe anhören. Der Kulturreferent verweist auf das Gespräch, das er in wenigen Tagen mit Kumpf führen will.

Kumpf hat jedoch noch eine zweite Option: ein Schulverbund mit Reichertshofen, wo früher die Kinder aus den Ortsteilen Adelshausen und Walding zur Schule gingen. Der Markt ist derzeit im Schulverbund mit Hohenwart. "Ich könnte mir gut vorstellen, mit Karlskron über einen Beitritt zum Verbund zu reden", sagt Bürgermeister Michael Franken, der daran erinnert, dass es schon bei der Gründung intensive Gespräche gegeben hat. "Aber den Verbund mit Hohenwart werde ich auf keinen Fall in Frage stellen", betont er. Dieser sei ein Gewinn für den Markt, da sich beide Gemeinden den Mittlere-Reife-Zug teilen.

Wie ernst die Lage für Karlskron ist, bestätigt auch Renate Waldhauser-Mair. "Die Schülerzahlen der Grundschule sind niedrig, es sind Probleme für die Mittelstufe zu befürchten", sagt die Schulleiterin, die von einem "problematischen Standort" spricht, für den sie seit Jahren kämpfe. Die Karlskroner Schule werden ab September 189 Grundschüler in neun Klassen sowie 65 Mittelschüler der Klassen 6 bis 9 besuchen. Im abgelaufenen Schuljahr war die Zahl der Grundschüler fast gleich, während mit 100 Mittelschülern je eine Klasse der Stufen 5 bis 9 gebildet werden konnte.

Doch auch wenn die Entscheidung über die Kündigung in der Schulverbandsversammlung einstimmig (mit Weichering) getroffen wurde, will sich Kumpf noch ein Hintertürchen offen halten. "Wenn ein gutes Angebot aus Karlshuld kommt, wird es wieder Gespräche geben. "

Bernhard Pehl

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