Kelheim

Phantastische Kunst erobert Europa

Biburger Maler Angerer der Ältere stellt in Frankreich aus - Fahrzeuggetriebe auf der Leinwand

20.01.2020 | Stand 02.12.2020, 12:10 Uhr
"In einem fernen Land" lautet der Titel dieses Gemäldes von Ludwig Angerer dem Älteren nach der Gralserzählung aus der Oper "Lohengrin" von Richard Wagner, das er beim Phantastensalon in der französischen Auvergne ausstellen wird. −Foto: Atelier Angerer

Biburg - Zum 13. Mal ist Ludwig Angerer der Ältere zum großen Phantastensalon in die Auvergne in Frankreich eingeladen. Bei dieser Ausstellung ist es Tradition, den Künstlern ein Thema vorzugeben, das sie nach ihren Ideen gestalten können. Das Leitmotiv der diesjährigen Präsentation vom 8. Februar bis zum 6. März ist überschrieben mit "Licht und Schatten". Dazu passt Angerers Gemälde "In einem fernen Land", das im vergangenen Jahr entstand.



Zu seinem Bild mit dem thematischen Hintergrund der Gralserzählung aus der Oper "Lohengrin" von Richard Wagner verrät der in Biburg lebende und arbeitende Künstler noch ein interessantes, ganz gegenständliches Detail: So ist die Burg als Grundmodell nichts anderes als ein Audi-Getriebe. Es wurde also nichts verändert und das Getriebe nur bemalt. Ergibt sich daraus nicht eine phantastische Architektur, möchte man fragen. Sind nicht die zu haltenden Kräfte letztlich dieselben? Bei einem Fahrzeuggetriebe und bei einer wehrhaften Burg?

In 15 Jahren hat die Europäische Phantastische Kunstmesse von Le Mont-Dore, eine Ausstellung von Gemälden der Erben Salvadore Dalís (1904 bis 1989) in der zauberhaften Umgebung eines Bergferienortes in Zentralfrankreich, gut 100 Maler aus ganz Europa zusammengebracht. Alle großen Namen der phantastischen Bewegung sind schon in die einladende Winteratmosphäre der Auvergne gekommen, um ihr kreatives Werk bei dieser lohnenden Veranstaltung auszustellen, die von der Stadt Le Mont-Dore mit Hilfe der Héritiers de Dalí (Dalís Erben) ins Leben gerufen wurde. Bereits zwölf Mal dabei war auch der 81-jährige Kunstmaler, Architekt, Bildhauer und Autor Ludwig Angerer der Ältere.

Die im Jahr 2004 von Roger Erasmy gegründete Erneuerungsbewegung hat 27 internationale Ausstellungen im Sancy Resort, das längst zur Heimatbasis des Kollektivs geworden ist, und in den großen europäischen Hauptstädten Brüssel, München, Wien, Barcelona und Paris präsentiert. Auch in bayerischen Regionen wurden diese Ausstellungen gezeigt, wie zum Beispiel in Wolnzach im dortigen Hopfenmuseum, in Eggenfelden oder Viechtach.

Angerer der Ältere lernte Roger Erasmy vor vielen Jahren bei einer Ausstellung nahe Paris kennen. Seit dieser Zeit arbeiteten Künstler und Kurator intensiv zusammen, um die phantastische Kunst einem breiten, kunstinteressierten Publikum näher zu bringen. Inzwischen breitete sich diese kreative Bewegung in ganz Europa aus. Viele Künstler, die sich der phantastischen Kunst verschrieben haben, konnten gewonnen werden, und so hat sich ein europäisches Netzwerk Gleichgesinnter etabliert.

Leider und viel zu früh starb Roger Erasmy im November 2015, seine Initiative jedoch lebt jedes Jahr in Le Mont-Dore wieder auf. Zwei Künstler der Bewegung, Bruno Altmayer und Michel Barthélemy, übernahmen die organisatorische Aufgabe in Zusammenarbeit mit der Stadt Le Mont-Dore, um diese europäische Kulturbewegung am Leben zu erhalten.

Jedes Jahr haben die Besucher der Ausstellung die Möglichkeit, einen Publikumspreis zu bestimmen. Das beste Werk erhält darüber hinaus den "Trophée Apokalypse Dore", ausgewählt von einer internationalen Jury und verliehen von Louis Giscard d'Estaing, dem Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten Frankreichs, Valery Giscard d'Estaing. Angerer der Ältere hat diesen Preis im zurückliegenden Jahrzehnt bereits zweimal und außerdem einmal den Publikumspreis gewonnen.

DK



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