Als Frau in einer Männerdomäne

Die Geisenfelderin Sarah Berger ist seit zehn Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr

06.03.2020 | Stand 02.12.2020, 11:48 Uhr
Sarah Berger in ihrer Schutzausrüstung: Sie ist eine von fünf aktiven Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Geisenfeld. −Foto: Obster

Geisenfeld - An diesem Sonntag ist Weltfrauentag.

 

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren schon Einiges getan hat: Frauen in der Feuerwehr sind noch immer nicht selbstverständlich. Bayernweit gibt es derzeit 320000 Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren (FFW). Nur acht Prozent davon sind weiblich. Sarah Berger ist eine von ihnen. Seit zehn Jahren gehört sie der FFW in Geisenfeld (Landkreis Pfaffenhofen) an. Dort sind momentan fünf Frauen im Einsatz, bei insgesamt rund 60 aktiven Mitgliedern. Besser sieht es bei der Jugendfeuerwehr aus: Von den 20 Jugendlichen sei bereits die Hälfte weiblich, erzählt Berger. "Die Nachfrage steigt also. " Mitmachen kann man in Geisenfeld ab 12 Jahren, bei Einsätzen mitfahren darf man allerdings erst ab 18.

Berger liebt ihr Ehrenamt. "Bei keinem anderen Hobby lernt man so viel Eigenverantwortung und erfährt so viele Nützliches fürs ganze Leben wie bei der Feuerwehr", ist die 24-Jährige überzeugt. "Wie kann ich bei einem Autounfall helfen? Wie löscht man einen Fettbrand? Wie gehe ich mit verschiedenen Geräten um? ", nennt sie nur einige Beispiele. Damit könne sie nicht nur anderen Menschen das Leben retten - auch für sich selbst sei es beruhigend, zu wissen, wie man sich etwa nach einem Verkehrsunfall, bei dem man vielleicht über Kopf im Auto hängt, aus dem Sicherheitsgurt befreien kann. "Außerdem werde ich Lehrerin. Schon allein deshalb ist es super, dass ich regelmäßig meine ,Erste Hilfe' auffrischen kann", sagt die Referendarin.

Zur Feuerwehr kam sie über ihre zwei älteren Brüder. Jeden Freitag treffen sich die Mitglieder zur wöchentlichen Übung oder zu Vorträgen. "Dabei lernt man zum Beispiel, wie man nach Unwetterschäden Bäume zersägt, nach Verkehrsunfällen Autos zerschneidet oder wie eine Unfallstelle abgesichert wird", zählt Berger auf. Beigebracht werde einem auch, wie bei einem Brand die Wasserversorgung sichergestellt wird, ein Löschaufbau auszusehen hat oder wie die Feuerwehrleiter funktioniert - alles praktische Dinge, die bei einem Einsatz sitzen müssen.

Denn wenn der "Piepser" losgeht, den jedes aktive Mitglied bei sich trägt, muss es schnell gehen. Dann eilt jeder, der kann, zum Feuerwehrhaus. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit. "Bei uns haben sich alle schon im Schlafanzug gesehen", erzählt Berger lachend. Darüber gefeixt werde aber erst nach dem Einsatz. Im Feuerwehrhaus schlüpft jeder in seine Schutzausrüstung und seine Stiefel, und läuft zum Löschfahrzeug. Dort wird auf Zuruf und mit wenigen Worten ausgemacht, wer bei dem Einsatz welche Aufgabe übernimmt. Ist ein Fahrzeug voll, fährt es sofort los, und das nächste wird besetzt.

Auch wenn alles fix gehen muss - Hektik ist fehl am Platz. "Sonst besteht die Gefahr, dass man irgendwas vergisst, zum Beispiel, bei einem Autounfall die Aids-Handschuhe anzuziehen. " Deshalb sei es auch so wichtig, dass sich bei den Übungen Routine entwickelt. Auch gute Kameradschaft zahlt sich hier aus. "Wir kennen uns alle, und jeder weiß, was der jeweils andere kann. " Somit sieht sich die 24-Jährige als Frau keinesfalls benachteiligt, wenn sie mal körperlich etwas nicht schafft. "Es gibt wirklich nur sehr wenig, was ich kräfte- oder größenmäßig nicht kann", sagt sie. "Und falls es wirklich mal was gibt, dann hilft mir halt jemand. " Gearbeitet werde bei den Einsätzen ohnehin immer in Zweiergruppen. Abgesehen davon sei es oft auch von Vorteil, eine Frau zu sein. "Man braucht ja auch kleinere Leute, die beispielsweise bei einem Unfall durchs Autofenster klettern können. " Gerade dieses Teamwork ist es auch, das Berger bei ihrem Ehrenamt so genießt. "Wir verstehen uns alle gut, setzen uns zum Watten oder Schafkopfen zusammen und haben zum Beispiel auch ein Sommerfest. Fast jeden Monat ist irgendeine Veranstaltung. Mir macht das so großen Spaß. "

Das gleiche auch die schlimmeren Situationen aus, die man bei der Feuerwehr unvermeidlich miterlebt. Wenn etwa vor den Augen der Bewohner das Haus abbrennt und ihre ganze Existenz in Trümmern liegt. Oder Bergers Auftrag "Crash-Rettung" lautet, was bedeutet, dass für eine schonende Rettung des Opfers keine Zeit bleibt und dafür auch Verletzungen in Kauf genommen werden. "Das nimmt einen schon mit", sagt die 24-Jährige . "Aber darauf muss man sich einstellen: Man holt nicht nur Katzen von den Bäumen, sondern sieht auch Tote und Verletzte. "

Unsere Serie "Mein Ehrenamt" erscheint im Vorfeld der im Juni startenden Ehrenamtswochen der Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt.

DK

 

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