Kelheim

Die Dunkelziffer an Infektionen ist hoch

Mitglieder des Kreisausschusses informieren sich über Bekämpfung der Pandemie

16.06.2020 | Stand 02.12.2020, 11:10 Uhr
Den bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie im Kreis Kelheim zeigt diese jetzt vom Landratsamt veröffentlichte Grafik. Nach dem Anstieg der Infizierten-Zahlen (blau) ab Ende März flachte sich die Kurve ab Mitte Mai ab. Die Quote der Genesenen (orange) liegt bei 92 Prozent. Das Virus forderte 34 Todesopfer. −Foto: Landratsamt

Kelheim - "Die Verwaltung hat die Corona-Krise gut bewältigt." Dieser Meinung ist Michael Welnhofer, der Abteilungsleitung für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. Dem Kreisausschuss erstattete er am Montag einen ausführlichen Bericht, was in Sachen Covid-19 in den vergangenen gut drei Monaten geschehen ist. Seine wichtigste Aussage: "Der Landkreis Kelheim war nie ein Corona-Hotspot, und wir tun alles dafür, dass es so bleibt."

 

Die ersten beiden Infektionen mit SARS-CoV-2 bestätigten sich am 9. März. Und dann ging alles blitzschnell. Etwa zehn Tage später begann die Kurve der Fallzahlen exponentiell zu steigen. Die ersten beiden Todesfälle an beziehungsweise wegen Corona datieren vom 20. März. Aktuell registriert der Landkreis Kelheim 451 Infektionen, 416 Genesene und 34 Personen, die an oder mit dem Virus gestorben sind (Stand 15. Juni). Damit liegt die Quote der Genesenen bei 92 Prozent.

Mitte März hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wegen der Pandemie den Katastrophenfall für ganz Bayern ausgerufen. "Dafür gab es keine Blaupause, normalerweise beziehen sich Katastrophenfälle auf lokal begrenzte Ereignisse wie zum Beispiel ein Hochwasser", erläuterte Welnhofer. Die daraufhin auf Kreisebene eingerichtete Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) trat täglich zu einer Lagebesprechung zusammen. Laut Welnhofer ging es anfangs vor allem um Fragen der Beschaffung von dringend benötigter medizinischer Schutzausrüstung, die nur schwer zu bekommen war. Aber auch dieses Problem habe man in den Griff bekommen.

Weil der Katastrophenfall für ganz Bayern gilt, hofft man in Kelheim wie in allen bayerischen Landkreisen auf einen Landeszuschuss von 80 Prozent für alle Bestellungen. Einer im Kreisausschuss teilte diesen Optimismus allerdings nicht: Abensbergs Bürgermeister und Präsident des Bayerischen Gemeindetages, Uwe Brandl (SLU), glaubt, der Landkreis werde am Ende auf den gesamten Kosten für alle selbst in Auftrag gegebenen Beschaffungen sitzenbleiben.

Welnhofer verteidigte die Entscheidung des Landratsamtes - anders als andere Landkreise - die Corona-Zahlen nicht bis auf Gemeindeebene herunterzubrechen. "Wir haben uns das gut überlegt und abgewogen, sind aber zu der Erkenntnis gekommen, solche Statistiken nicht zu veröffentlichen", erklärte der Jurist. Auch über die Herkunft der Todesopfer gab und gibt die Kreisbehörde keine Auskunft. Welnhofer deutete in seinem Bericht vor dem Kreisausschuss allerdings an, dass es sich bei den Gestorbenen um "Personen im hohen Alter und/oder mit Vorerkrankungen" handelt. Die Zahl der Todesfälle weise keine statistischen Auffälligkeiten auf.

Wie von den Virologen prognostiziert, stiegen auch im Kreis Kelheim die Fallzahlen ab Ende März exponentiell an. "Das machte die Krise so herausfordernd", sagte Welnhofer. Der Verlauf der sich abflachenden Kurven (siehe Diagramm) beweise aber, dass die ergriffenen Maßnahmen gewirkt haben. "Wir haben vieles richtig gemacht, das gilt aber auch für die Bevölkerung, die ihr Verhalten angepasst hat", lautete die Einschätzung des Juristen am Landratsamt.

Dennoch gibt es nach wie vor Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, vor allem über die tatsächliche Verbreitung des Virus. So ist nach Aussage von Welnhofer die Bereitschaft, sich testen zu lassen, vor dem Hintergrund einer drohenden mehrtägigen Quarantäne gesunken. "Das legt die Vermutung nahe, dass es nach wie vor eine hohe Dunkelziffer an Infektionen gibt."

Ein Zwischenfazit wollte der oberste Koordinator im Kampf gegen das Coronavirus zwischen Altmühltal und Hallertau nicht ziehen. "Das wäre noch zu früh, weil man über dieses neuartige Virus nach wie vor viel zu wenig weiß." Und selbst führende Virologen könnten eine zweite Welle nicht mit Sicherheit ausschließen, wie Landratsamtspressesprecher Thomas Stadler, der die Zahlen für die Sitzung des Kreisausschusses aufbereitet hatte, ergänzte.

Auch Landrat Martin Neumeyer (CSU) ist mit Prognosen vorsichtig. "Diese Art von Pandemie gab es bislang noch nicht, aber auf eine zweite Welle sind wir gut vorbereitet", sagte er vor seinen Kollegen im Kreisausschuss. Der Dank des Kreischefs richtete sich an die Hilfsorganisationen und vor allem an das Personal in den beiden Krankenhäuser, die sich innerhalb kürzester Zeit auf die kritische Lage eingestellt hätten.

DK

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