Ingolstadt

Audi in der DTM: Eine Ära geht zu Ende

06.11.2020 | Stand 02.12.2020, 10:16 Uhr
Der deutsche DTM-Fahrer Martin Tomczyk vom Team Audi Sport Team Phoenix überquert am Sonntag (02.10.2011) die Zielline auf der Rennstrecke Ricardo Tomo im spanischen Valencia. Beim Sieg seines Marken-Kollegen Ekström reichte Tomczyk beim vorletzten Saisonlauf in Valencia ein dritter Platz, um seine erste Meisterschaft perfekt zu machen. Foto: Jürgen Tap / ITR (ACHTUNG: nur zur redaktionellen Verwendung) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit −Foto: Foto: Itr / Juergen Tap (ITR / Juergen Tap)

Ingolstadt - Nach 24 Jahren verabschiedet sich Audi an diesem Wochenende aus der DTM.

Beim Rennen am Hockenheimring wird einer der drei Audi-Piloten René Rast, Nico Müller oder Robin Frijns den Fahrertitel gewinnen. Es wäre der zwölfte in der ruhmreichen Historie der Ingolstädter in der Tourenwagenserie. Ein Zahlen-Potpourri zum Abschied. 

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24 Jahre fuhr Audi in der DTM und wird nach diesem Wochenende insgesamt 330 Rennen absolviert haben. 1984 nahm die Serie als Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ihren Ursprung. Audi stieg zum ersten Mal 1990 ein. Doch nach einem Streit mit den Konkurrenten BMW und Mercedes über die Regelkonformität einer Kurbelwelle verließen die Ingolstädter die Serie Mitte der Saison 1992. 1995 wurde die Meisterschaft eingestampft, 2000 als DTM wiederbelebt, und Teamchef Hans-Jürgen Abt ging mit einem Audi-Privatteam an den Start.

Vier Jahre später folgte der Wiedereinstieg der Ingolstädter als Werksteam. Nun entschied sich Audi für den Abschied, der Fokus liegt künftig auf der Formel E. Die DTM macht 2021 ohne Werksteams, ohne teure, komplizierte Class-One-Fahrzeuge, dafür mit erschwinglichen GT3-Autos weiter. René Rast wird die bisherigen DTM-Boliden vermissen. „Die waren wirklich das Nonplusultra. Reine Prototypen, geiler Sound, schnelle Autos“, sagt der Titelverteidiger.

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Fünf unterschiedliche Fahrzeugtypen setzte Audi in 24 Jahren in der DTM ein. Los ging es spektakulär mit dem wuchtigen V8 quattro (2 Meistertitel), mit dem Hans-Joachim Stuck 1990 gleich im ersten Jahr der Ingolstädter in der Tourenwagenserie den Meistertitel holte. Die „Chauffeurs-Limousine“ war 4,87 Meter lang und 1230 Kilogramm schwer. Mit dem TT-R (1 Meistertitel) wagte Teamchef Hans-Jürgen Abt ab 2000 als Privatteam das Comeback in der DTM.

Abt entwickelte das Auto in nur 100 Tagen. 2004 kehrte Audi mit dem A4 (5 Meistertitel) als Werksteam in die DTM zurück und gewann sogleich den Titel in der Fahrer-, Team- und Herstellerwertung. Im Jahr 2012 ging Audi mit dem A5 an den Start. Den Titel-Hattrick von 2004 konnten die Ingolstädter 2017, 2019 und 2020 mit dem RS5 wiederholen, der seit 2013 (4 Titel) im Einsatz ist und seit 2019 über einen Turbomotor verfügt. 

123

123-mal startete ein Audi von Startplatz eins in ein DTM-Rennen. Am häufigsten stellte Mattias Ekström (20) seinen Audi auf die Pole-Position. Nur Mercedes-Idol Bernd Schneider (25) raste öfter an die Spitze der Startaufstellung. In diesem Jahr stellte Audi mit der 15. Pole-Position einen Rekord auf: Nie zuvor hatte ein Hersteller in einer DTM-Saison mehr als 14 Pole-Positions geholt. 

21

Insgesamt gab es 21 verschiedene Meister in der DTM. Rekordtitelträger ist Mercedes-Legende Bernd Schneider, der sich fünfmal zum Champion kürte. Es folgt Klaus Ludwig, der  mit drei Titeln den zweiten Rang in der Bestenliste innehat. Mit der Tourenwagen-Legende könnte René Rast, der die Gesamtwertung anführt, an diesem Wochenende gleichziehen, wenn er seinen dritten Titel holt. Der Mindener würde damit auch zum erfolgreichsten Audi-Piloten in der DTM-Geschichte aufsteigen. Zudem wäre Rast der erste Pilot seit Timo Scheider in der Saison 2009, dem es gelänge, einen DTM-Titel zu verteidigen.

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Erfolgreich in die DTM-Rente: Audi hat in seinem letzten Jahr in der DTM den einzig verbliebenen Konkurrenten BMW weit hinter sich gelassen. Die Ingolstädter holten vorzeitig alle drei Meistertitel in der Hersteller-, Team- und Fahrerwertung, gewannen bisher 14 von 16 Rennen und erzielten 39 von 48 möglichen Podiumsplatzierungen.

„Unser Ziel war es, uns mit einer starken letzten Saison würdig aus der DTM zu verabschieden“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Die Ergebnisse haben unsere eigenen Erwartungen bei Weitem übertroffen. Wir haben im Motorsport einmal mehr ‚Vorsprung durch Technik‘ bewiesen. Zum Abschluss dieser faszinierenden Ära freue ich mich jetzt auf ein spannendes Finale in Hockenheim.“

130

130 Siege verzeichnet Audi bisher in der DTM. Seit dem vergangenen Rennwochenende in Zolder hat René Rast 23 Siege auf seinem Konto und damit den bisher besten Audi-Piloten Mattias Ekström eingeholt. Auch der ehemalige  Mercedes-Pilot Gary Paffett hat so häufig gewonnen, die beiden Tourenwagen-Ikonen Bernd Schneider (43) und Klaus Ludwig (37) führen die Liste an.

Doch Rasts Siegquote ist selbst von den DTM-Größen unerreicht: Schneider ging 236-mal an den Start, Ludwig war 219-mal dabei. Rast fuhr seine Erfolge in gerade mal 77 Rennen ein. Insgesamt standen bisher 15 verschiedene Audi-Piloten auf dem obersten Podesttreppchen. In dieser Saison erzielte Audi mit zwölf Siegen in Folge einen neuen Rekord. Ein Jahr und 13 Tage waren die Ingolstädter saisonübergreifend in der DTM ungeschlagen.

11

Elfmal hat Audi bisher den Fahrertitel gewonnen: René Rast, Mattias Ekström und Timo Scheider triumphierten jeweils zweimal, zudem holten Hans-Joachim Stuck, Frank Biela, Laurent Aïello, Martin Tomczyk und Mike Rockenfeller die Meisterschaft für die Ingolstädter. Allerdings ist Titel Nummer 12 bereits sicher – denn an diesem Wochenende werden die drei Audi-Piloten Rast, Nico Müller und Robin Frijns die Entscheidung am Hockenheimring unter sich ausmachen.

 

Serie

Am Ende dieser Saison verabschiedet sich Audi aus der DTM.  Damit endet eine Ära – in 23 Jahren in der Rennserie gewannen die Ingolstädter elf Fahrer- und fünf Herstellertitel.  Wir blicken an jedem der neun Rennwochenenden in diesem Jahr auf  die Audi-Historie der DTM zurück. Alle Episoden der Serie finden Sie hier.

Julia Pickl

URL: https://www.donaukurier.de/archiv/audi-in-der-dtm-eine-aera-geht-zu-ende-1754124
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