Allersberg

Stundentakt erst 2028

Kreisausschuss empört über Antwort des Ministeriums zu München-Nürnberg-Express

13.11.2020 | Stand 16.11.2020, 3:33 Uhr

Allersberg/Roth - Die Empörung war groß als Bernd Krämer, Verkehrsexperte im Landratsamt, die Antwort aus dem bayerischen Verkehrsministerium am Freitag im Kreisausschuss verkündete.

Immer wieder hatte Landrat Eckstein (SPD) in München auf eine Taktverdichtung des München-Nürnberg-Expresses, der auch in Allersberg haltmacht, gedrängt.

Jetzt kam die ernüchternde Stellungnahme aus dem Verkehrsministerium. Zwar soll der Takt am Wochenende verdichtet werden, so dass stündlich ein Zug verkehrt, allerdings erst ab Dezember 2022. Noch weiter in die Zukunft vertröstet Ministerin Kerstin Schreyer (CSU) den Landkreis, wenn es um einen Ein-Stunden-Takt unter der Woche geht. Dafür gebe es nicht genügend Fahrzeuggarnituren und eine zusätzliche Beschaffung wäre zu teuer, lautete die Antwort aus München. Deswegen würde man die Taktverdichtung bei der Neuausschreibung des Netzes einführen - im Dezember 2028.

"Das glaube ich einfach nicht", empörte sich Geburtstagskind Udo Weingart (CSU). "Wenn wir in so einem Schneckentempo weitermachen, funktioniert Mobilität nicht. " Für Helmut Bauz, Bürgermeister von Büchenbach (Freie Wähler), sind "acht Jahre nicht akzeptabel". Vor 25 Jahren seien die Deutsche Bahn regionalisiert und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gegründet worden. "Da müsste man doch einen Ansprechpartner haben", schimpfte Bauz.

"Das können wir nicht akzeptieren", assistierte Michael Kreichauf (CSU), "es geht ja hier nicht um den Bau einer neuen Strecke. " Es müssten doch lediglich neue Zuggarnituren beschafft werden, das könne doch nicht so schwierig sein.

Die neuen Züge hätten bereits die nötige Zulassung und neue Garnituren müssten in einem halben, spätestens in einem Jahr, beschafft werden können, erklärte Wolfgang Scharpff (Grüne). "Mal wieder eine unmögliche Antwort", kritisierte Felix Erbe die Stellungnahme aus dem Ministerium. Er wollte von Bernd Krämer wissen, ob denn wenigstens durch den Allersberg-Express, der zeitversetzt auf der gleichen Strecke verkehrt, den Takt verbessere. Der Nürnberg-München-Express verkehrt derzeit von Montag bis Freitag nur von 5 bis 7 Uhr morgens im Stundentakt, am Samstag von 17 bis 19 Uhr und sonntags von 15 bis 19 Uhr. Ergänzt werde dieses Angebot vom Allersberg-Express, wie Krämer erklärte: "Wir können froh sein, dass wir den Allersberg-Express haben. Die Kindinger haben den nicht. " Die Gredinger natürlich auch nicht.

Georgensgmünds Bürgermeister Ben Schwarz (SPD) kritisierte das Verkehrsministerium scharf: "Das sind Termine, die einen vor den Kopf stoßen. Es wird Zeit verschlafen. " Er forderte alle Kollegen auf im Kreistag und in den Kommunen auf, Druck auf das Ministerium zu machen. "Wir sollten alle politischen Kanäle auf allen Ebenen nutzen", forderte er.

"Wir müssen das zur Kenntnis nehmen", sagte Walter Schnell (FW), stellvertretender Landrat, der am Freitag Landrat Herbert Eckstein vertrat, der seit Dienstag in Quarantäne ist. Schnell schlug vor, ein Fachgespräch im Landratsamt anzusetzen, zu dem auch Vertreter der BEG, von DB-Regio und ein Vertreter des bayerischen Verkehrsministeriums eingeladen werden sollen. Man sei ja nicht der einzige Landkreis, der betroffen sei, sagte Schnell. Auch Eichstätt hätte großes Interesse an einer Taktverdichtung. Der Kreisausschuss stand einstimmig hinter dieser Idee. "Steter Tropfen höhlt den Stein", hofft nun Schnell.

HK

Robert Kofer

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