Fachkunde statt Idealismus

15.03.2021 | Stand 20.05.2021, 3:34 Uhr
Die Baumfällungen für den Kreiselbau an der Schlaghauser Mühle in Wolnzach hatten einen Protest zur Folge. −Foto: Trouboukis

Zum Bericht "Drei Fachleute, zwei Ansichten" über die Baumfällungen für den Bau eines Kreisverkehrs in Wolnzach (WZ vom 9. März):Meiner Meinung nach kann Frau Annette Hartmanns Erfahrung nicht mit den anderen Fachkräften verglichen werden.

 

Als Baum-Aktivistin vertritt sie einen gewissen Idealismus und ist informiert, jedoch würde ich dies nicht mit einem studierten oder ausgebildeten Spezialisten gleichsetzen. Eine langjährige Ausbildung sollte nicht mit kurzen Kursen verglichen werden. In dem Artikel kommen sowohl eine ausgebildete Mitarbeiterin des Bauamts sowie ein Forstfachmann zu Wort. Ich arbeite selbst seit über 35 Jahren in dem Gebiet, habe drei Jahre lang an der Universität of Central Lancashire mein Diplom in Arboristik absolviert und bin geprüfter Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Generell rede ich sehr gerne mit Leuten, die Bäumen positiv gestimmt sind, und diese nicht nur als "Laubverursacher" sehen. Durch meine Arbeit kam ich bereits selbst mit Frau Hartmann in Kontakt, und mir scheint, es geht ihr oft auch um Selbstdarstellung, nicht nur um die Bäume und deren Gesamtwert. Oft muss eben das Gesamtbild betrachtet werden, und nicht nur ein Aspekt (in diesem Fall zum Beispiel Klimaschutz). Dass sich Frau Hartmann für Bäume bezüglich Klimaschutz engagiert, finde ich generell sehr gut. Leider versucht sie in diesem Landkreis stets Fachkräfte, zum Beispiel des Bauamts, Umweltamts oder Wasserwirtschaftsamt, sowie deren Kompetenzen zu hinterfragen. In der Realität "hauen diese Mitarbeiter nicht einfach gerne Bäume weg", es müssen Straßenverkehrsordnungen gewahrt und die Verkehrssicherheit gewährleistet werden - Aufgabengebiete, in denen sich die Spezialisten gut auskennen. Mich überrascht es beispielsweise, wie sehr der unglaublich hohe ökologische Wert von Totholz von Frau Hartmann verworfen und mit einer rosa Plüschdecke verglichen wird. Obwohl eine Aufforstung uns sehr wohl bezüglich Klimaschutz weiterhelfen wird, sollten hier nicht einzelne Stadtbäume unter die Lupe genommen werden. Innerhalb der Kommunen sind viele unterschiedliche Bausteine nötig, um unsere Treibhausgase zu reduzieren, die Erhaltung jeden Baumes ist jedoch weder die Lösung, noch realistisch. Frau Hartmann setzt sich ja selbst sehr für das klimafreundliche Radfahren ein, hat aber ebenso Bücher über das Lkw fahren geschrieben, und sollte deshalb einschätzen können, dass man je nach Situation das richtige Werkzeug/Verfahren oder Fahrzeug benötigt, um im privaten, aber auch in den Gemeinden voranzukommen.
Alan Whittaker
Rohrbach

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