Feinschluck

Almidyll in Feinschluck

Auf dem Hof von Familie Sollmann gibt es im März einen wahren Kälbersegen: Zehn Junge in drei Wochen

31.03.2021 | Stand 05.04.2021, 3:33 Uhr
Andreas Renner
Willkommen auf der Weide: Die älteren Geschwister aus dem vergangenen Jahr begrüßen neugierig die wenige Wochen alten Kälber. Für einige der Kleinen ist es der erste Freigang. −Foto: Renner

Feinschluck - Nein, per Zufall verschlägt es einen nicht ins kleine, beschauliche Feinschluck.

 

Der von Petra und Stephan Sollmann bewirtschaftete Bauernhof liegt, vor neugierigen Blicken versteckt, hinter einem bewaldeten Hügel. Nur eine kleine Straße führt hinter ins Tal, in dem man sich fast wie im Alpenvorland fühlt. Auf weiten, grünen Wiesen grasen bei strahlendem Sonnenschein die Limousin-Rinder der Sollmanns. Was sofort ins Auge sticht, sind die vielen Kälbchen, die zwischen ihren Müttern umhertollen. Nach Tagen voller Kälte, Regen und Schneefall können die Tiere endlich wieder auf die Weide, was sie sichtlich freut. Für manche der vor Kurzem geborenen Kälber ist es der erste Weidegang überhaupt.

Am 8. März ging es los mit dem Kälbchensegen. "Die erste Kuh brachte gleich Zwillinge zur Welt", erzählt Stephan Sollmann. Innerhalb einer Woche folgten vier weitere Kälber, bis Ende März wurden es zehn. Fünf weitere sind noch im Anmarsch und werden in den nächsten Tagen erwartet. "Da hat unser Deckbulle Herrmann ganze Arbeit geleistet", sagt Petra Sollmann und lacht. Am Vater der Kälber gibt es bei vielen schon rein optisch keinen Zweifel, erklärt sie. "Die meisten Kälbchen haben wie der Papa weiße Stellen auf dem Kopf. Da hat sich der Herrmann optisch durchgesetzt. " Bislang sind heuer auch alle Kälber durchgekommen, freuen sie sich. "Die ersten sieben Tage sind wichtig", weiß Stephan Sollmann. "Wenn die Kälber gut trinken und keine Krankheiten bekommen, sieht es nach der ersten Woche sehr gut aus. "

Seinen diesjährigen Nachwuchs konnte Bulle Herrmann allerdings nicht mehr in Augenschein nehmen. Er wurde für seinen anstrengenden Job zu alt und Familie Sollmann verkaufte ihn. Sein Nachfolger ist bereits gefunden und steht - noch separiert von den Kühen - im Stall. "Wir haben auf Social Media nach einem Namen für den neuen Bullen gefragt und herausgekommen ist Albert", sagt Petra Sollmann. Ab dem Sommer wird Albert zu seinem Harem hinzustoßen. Die müssten sich nach dem sanftmütigen Herrmann auf einen neuen Bullen mit deutlich mehr Temperament einstellen, so Stephan Sollmann. "Unsere Damen rücken den Jungbullen schon zurecht, wenn er erst mal bei der Herde ist", zeigt sich seine Frau überzeugt.

In normalen Zeiten betreibt Petra Sollmann neben der Landwirtschaft noch einen Erlebnisbauernhof. Doch selbst hier im ländlichen Idyll macht sich Corona bemerkbar. "Seit ziemlich genau einem Jahr geht praktisch nichts mehr", zeigt sich die Diplomingenieurin für Ernährung und Versorgungsmanagement enttäuscht. Dabei dürften Schulklassen nach wie vor kommen, nur traue man sich anscheinend nicht, erzählt sie.

 

So bleibt der Nebenerwerbslandwirtin mehr Zeit für andere Dinge. "Meine Eltern haben eine Wirtschaft in Thalmässing, da helfe ich regelmäßig aus, auch wenn dort momentan auch wenig los ist. " Und die Hilfe beschränkt sich nicht nur auf ihre Arbeitskraft. Seit einiger Zeit stehen Burger mit dem Rindfleisch ihrer Tiere auf der Speisekarte. Für die vegetarische Kundschaft will ihr Mann dieses Jahr Kichererbsen anbauen.

Doch bei Weitem nicht alle Erzeugnisse aus Feinschluck landen in der Küche der elterlichen Wirtschaft. Die Sollmanns sind Selbstvermarkter - und das mit Erfolg. "Neun Schlachtungen haben wir heuer. Bis in den Oktober ist das Fleisch bereits reserviert", erzählt Stephan Sollmann. 200 bis 300 Kilogramm pro Tier kommen da zusammen. Kalbfleisch gibt es nicht, die Tiere dürfen hier groß werden. Milch wird ebenfalls nicht vermarktet, "die Limousin-Kühe sind Fleischrinder und keine Milchkühe. " Der Stammkundenkreis wächst durch Mundpropaganda und Social Media immer weiter. Selbst für einen kleinen Hof wie ihren lohne sich ein guter Internetauftritt. Sorgen um ihren Lebensunterhalt muss sich die junge Familie, zu der auch noch die zwei kleinen Söhne Johann und Moritz gehören, nicht machen. "Wir sind Landwirte im Nebenerwerb und haben beide noch andere Arbeit", so Petra Sollmann. Auch wenn der Erlebnisbauernhof aktuell brach liege, kommen sie gut über die Runden.

Was ihrem Mann mehr Sorgen bereitet, ist die Rückkehr des Wolfs. Im benachbarten Landkreis Eichstätt seien sie regelmäßig gesehen worden; und auch in Feinschluck habe es vergangenes Jahr eine unheimliche Begegnung gegeben, erzählt Stephan Sollmann. "Mitten in der Nacht zwischen 2 und 3 Uhr sind unsere Kühe lautstark in den Stall gerannt. Als ich draußen nachgesehen habe, konnte ich in der Dunkelheit nur zwei leuchtende Augen sehen. " Ein Wolf in Mittelfranken? Der Diplom-Agraringenieur vermutet es. "Eine Woche lang wollten die Kühe nicht mehr aus dem Stall raus nach dieser Nacht. Irgendetwas hat sie nachdrücklich verängstigt. "

Für die Zukunft hoffen Petra und Stephan Sollmann, bald wieder Freunde, Verwandte und Schulklassen auf ihrem Hof begrüßen zu können. "2023 feiern wir zehnjähriges Hoffest. Bis dahin ist hoffentlich alles vorbei und wir können eine riesen Feier machen, zu der sie uns die Bude einrennen", zeigt sich Stephan Sollmann optimistisch.

HK

Andreas Renner

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