Ingolstadt

Fundgrube für Ahnenforscher

Heuer werden die letzten von 330000 Karteikarten digitalisiert

08.06.2021 | Stand 12.06.2021, 3:33 Uhr
Die Karteikarten im Stadtarchiv werden im Laufe dieses Jahres einschließlich der eingemeindeten Orte digitalisiert. Sie sind eine unersetzliche Quelle für das Bürgeramt, aber auch für Erbenermittler und Familienforscher. −Foto: Stadtarchiv

Ingolstadt - 6,5 Kilometer Schriftgut verwaltet derzeit das Stadtarchiv Ingolstadt: Urkunden und Protokolle genauso wie Akten, Pläne, Grafiken und Fotos.

All diese historisch einmaligen Quellen müssen natürlich konserviert werden, da auch sie altern. Ein Weg zur Schonung der Originale und zum Erhalt der Informationen ist die Digitalisierung.

Fast abgeschlossen ist die Digitalisierung der Einwohnermeldekartei (Ewoka) mit ihren 310000 Karteikarten (1918 - 1978). Auch die ständigen Nutzer der Karteikarten, vor allem das Bürgeramt und das Stadtarchiv, profitieren durch einen einfacheren und schnelleren Rückgriff. Denn die Karteikarten sind laut Archivarin Martina Pohl "die umfassendste Quelle über die Bürger der Stadt" - das Standesamt registriert nur die Menschen, die in Ingolstadt geboren wurden, gestorben sind oder hier geheiratet haben.

Dieses Verzeichnis aller Ingolstädter von 1918 bis 1978 ist im Archiv, die Fortführung im Bürgeramt. Der ältere Teil ist schon Archivgut, der neuere Teil unterliegt dem Melderecht. Die Bürger selber können persönlich keine Einsicht nehmen, aber Anfragen stellen, beispielsweise zu ihren Vorfahren. Denn nach den Erfahrungen von Martina Pohl machen Erbenermittler und Familienforscher rund die Hälfte der Anfragen aus, die teilweise bis aus Südamerika kommen (Auswanderer).

Die alten Ewoka-Karteikarten gibt es übrigens noch, sie werden nicht weggeschmissen. Die älteren Exemplare sind freilich extrem in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurden in engen Holzkisten verwahrt, wobei vor allem die Ränder gelitten haben - und genau oben stehen immer die Namen. Insgesamt zählt das Stadtarchiv rund 330000 Karteikarten - davon 21000 von eingemeindeten Orten, die heuer noch digitalisiert werden sollen.

Digitalisiert wird auch der älteste Bestand im Stadtarchiv, die Urkunden. Wo Schäden am Archivgut durch Alter und Nutzung entstanden sind, kann nur noch deren bestmögliche Behebung in Angriff genommen werden. In den vergangenen Jahren wurden bereits einzelne Ratsprotokolle durch Fachrestauratoren saniert, dies soll nun bis Ende 2021 ausgebaut und intensiviert werden.

Die Ratsbücher beinhalten die Beschlüsse des städtischen Magistrats bzw. des späteren Stadtrats von 1523 bis heute, sie sind eine unerschöpfliche Quelle zur Geschichte der Stadt. Der intensive Rückgriff vor allem auf die älteren Bände hat Spuren hinterlassen: Bindungen sind gelockert, Buchblöcke zum Teil stark verdrückt, Seitenränder eingerissen, Bandseiten weisen Fehlstellen und Verunreinigungen auf, Einbände fehlen zum Teil gänzlich. Durch fachgerechte restauratorische Maßnahmen können diese Mängel behoben und die Bände langfristig in ihrer Substanz gesichert werden.

DK

URL: https://www.donaukurier.de/archiv/fundgrube-fuer-ahnenforscher-1424991
© 2022 Donaukurier.de