Für 600.000 Beschäftigte
Sieben Prozent mehr Lohn und die Wahl zwischen Zeit und Geld: IG Metall startet Verhandlungen

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 16:34 Uhr |

Mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Lohn geht die IG Metall in Bayern im September in die Tarifverhandlungen. − Foto: dpa

Die IG Metall Bayern fordert für rund 600.000 Beschäftigte der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sieben Prozent mehr Lohn. Für die unteren Entgeltgruppen soll es eine soziale Komponente geben, für die Azubis verlangt die Gewerkschaft 170 Euro, wie sie am Freitag mitteilte.



Außerdem will sie mehr Auswahl zwischen Zeit und Geld durchsetzen. Damit folgt die Tarifkommission der IG Metall Bayern der Forderungsempfehlung des Bundesvorstands der IG Metall vom Montag. Die Vertragslaufzeit soll zwölf Monate betragen.

IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott sagte: „Die Inflationsausgleichsprämie 2022 war ein einmaliger Effekt, die Lebenshaltungskosten aber bleiben hoch und steigen weiter.“ Die wirtschaftliche Lage der Betriebe ermögliche eine Tabellenerhöhung in dieser Größenordnung. Die Heterogenität in der Branche werde berücksichtigt.

600.000 Beschäftigte betroffen

In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie arbeiten etwa 873.000 Beschäftigte. Rund 600.000 arbeiten in Unternehmen, für die der Flächentarifvertrag gilt oder die ihn weitgehend übernehmen.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in Bayern beginnen am 11. September in München. Die regionalen Entgelt-Tarifverträge laufen bundesweit zum 30. September aus. Die Friedenspflicht endet am 28. Oktober, Warnstreiks sind ab 29. Oktober möglich. In aller Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart, dessen Abschluss dann die übrigen Regionen übernehmen. Meist ist das ein Bezirk, in dem es wirtschaftlich relativ gut läuft.



Bei einer IG-Metall-Umfrage, an der sich in Bayern 66.000 Beschäftigte beteiligt hatten, nannten 80 Prozent mehr individuelle Wahlmöglichkeiten zwischen Zeit und Geld als wichtig genannt. Mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit bezeichneten demnach sogar 86 Prozent der Befragten als sehr wichtig oder wichtig. Eine deutliche Lohnerhöhung ist für 70 Prozent besonders wichtig.

Arbeitgeber warnen vor zu hohen Erwartungen

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie hatte bereits vor zu hohen Erwartungen gewarnt. „Die Produktion sinkt, und die Auftragseingänge sind im freien Fall“, hatte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt gesagt. Bundesweit sind 3,9 Millionen Menschen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie beschäftigt.

− dpa