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Josef Köcher, Leiter des Airbus-Werks Manching, über aktuelle Herausforderungen, Investitionen und Personalaufbau

"Wir sind gut aufgestellt"

Manching
erstellt am 16.03.2018 um 20:23 Uhr
aktualisiert am 31.03.2018 um 03:35 Uhr | x gelesen
Manching (DK) Josef Köcher, Leiter des Airbus-Werkes in Manching, spricht im Interview über aktuelle Herausforderungen der Branche, geplante Investitionen und Personalaufbau.
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Herr: "Wir sind gut aufgestellt"
Seit November 2017 Leiter des Airbus-Werks Manching: Josef Köcher. Seine Karriere begann 1998 in der Programmplanung für Militärflugzeuge (Eurofighter) - bei der DASA in Ottobrunn. - Foto: Airbus
Manching
Herr Köcher, das Programm des Militärtransportfliegers A 400 M verzögert sich. Inwieweit ist davon der Airbus-Standort Manching betroffen?

Josef Köcher: Der Standort Manching ist davon nicht betroffen. Wir haben keine Produktionsaktivitäten bei der A 400 M oder der A 380. Wir machen aber für den deutschen Kunden die Wartung für die A 400 M. Dafür haben wir ein erstes Wartungsdock hier in Manching aufgebaut, ein zweites Wartungsdock geht Mitte des Jahres in Betrieb. Dann können wir dort zwei Flugzeuge parallel bearbeiten. Wir setzen alles daran, für unseren Kunden hier die beste Dienstleistung abzuliefern.

 

Wie viele Mitarbeiter sind denn in diesen beiden Wartungsdocks mit dem A 400 M beschäftigt?

Köcher: Wir decken hier in Manching die ganze Wertschöpfungskette ab. Das heißt wir entwickeln, produzieren, warten und unterstützen sowohl bemannte Flugzeuge und auch Aktivitäten in den unbemannten Bereichen. Viele Mitarbeiter werden querschnittlich eingesetzt. Eine exakte Zahl zu nennen ist deshalb schwierig. Tatsache ist aber, dass wir hier in den nächsten Jahren weiter aufbauen.

 

Wann wird denn die erste Transportmaschine erwartet?

Köcher: Die war schon da. Und die haben wir auch schon direkt ausgeliefert. Die zweite steht gerade bereit zur Auslieferung. Wenn alles gut geht, werden wir die noch im März an den Kunden ausliefern. Dann werden wir sukzessive eine Zuführung von Maschinen haben, die wir entsprechend warten und dann wieder ausliefern.

 

Die Verzögerungen beim A 400 M und die Probleme mit dem Passagierflugzeug A 380 zwingen Airbus dazu, rund 3700 Stellen abzubauen oder zu verlagern - unter anderem bei Premium Aerotec in Augsburg. Inwiefern können dort betroffene Beschäftigte von Manching übernommen werden?

Köcher: Ich kann dazu generell sagen: Wir suchen hier derzeit etwa 250 Mitarbeiter. Wir sind ja eine Gruppe und unterstützen uns gegenseitig. Wenn es also Bedarf gibt, steht Manching zur Verfügung.

 

Zu einem anderen Flugzeug: Das Emirat Katar hat jetzt 24 Eurofighter - ihr Kernprodukt - bestellt. Wie viele Arbeitsplätze sind damit für welchen Zeitraum gesichert?

Köcher: Im Moment haben wir hier noch eine laufende Endfertigung der letzten Flugzeug-Tranche für Deutschland und hoffen, dass da auch noch etwas nachkommt. Aber was für uns auch wichtig ist, das ist die exklusive Fertigung der Rumpfmittelteile hier in Manching - mit Zulieferungen von Premium Aerotec übrigens. Diese Fertigung läuft aufgrund der Exportaufträge jetzt wieder an und kontinuierlich hoch. Wir hoffen natürlich auf weitere Aufträge nicht nur aus dem Export, sondern auch auf Nachbestellungen von unserem deutschen Kunden.

 

Noch einmal: Wie viele Arbeitsplätze sichert der Auftrag und für wie lange?

Köcher: Wir haben hier am Standort etwa 4800 Mitarbeiter, ein großer Teil davon ist natürlich mit solchen Aufträgen verbunden. Neben der Produktion, die dadurch aktuell bis in die 20er-Jahre geht, sind viele Mitarbeiter auch im Servicebereich oder im Engineering-Bereich eingesetzt. Diese Tätigkeiten sind über den gesamten Lebenszyklus eines Flugzeugs, also 30 bis 40 Jahre, gefragt.

 

Sie haben gesagt, dass gerade die letzten Eurofighter für Deutschland gebaut werden. Wie ist das genau zu verstehen?

Köcher: Wir sind derzeit in der Endmontage der letzten von insgesamt 143 Maschinen. Die werden bis 2019 ausgeliefert. Wir hoffen, dass es dann weitergeht. Die Fertigungsanlagen hier bleiben bestehen.

 

Und das bedeutet für die Flugzeugwartung auch wieder ein Plus?

Köcher: Ja, das gehört dazu. Das ist auch wichtig für unseren Kunden, weil wir ihm damit wieder die Flugstunden zur Verfügung stellen, die er benötigt, um die Piloten im Einsatz zu halten. Da können wir aber auch noch viel tun. Wir müssen etwa die Durchlaufzeiten der Maschinen reduzieren und an der Logistikkette arbeiten. Airbus ist ja seit Ende 2016 auch für Ersatzteilversorgung des Eurofighters zuständig. Deshalb bauen wir dafür auch ein Logistikzentrum auf, das sogenannte Military AirSpares Center (MASC) -, ein sehr großes Investment von mehr als 50 Millionen Euro. Damit verbessern wir die Logistikkette, führen die Lager zusammen und konsolidieren diese, um die Teile für unseren Wartungsprozess so schnell wie möglich an Ort und Stelle bringen zu können.
 

Um wie viele Flugzeuge geht es derzeit im Wartungsbereich hier in Manching?

Köcher: Wir werden dieses Jahr 80 Kampf- und Großflugzeuge ausliefern. Etwa 30 davon sind Eurofighter, die wir durch die Wartung laufen lassen. Das ist eine Herausforderung, aber wir arbeiten daran - durchaus in dem Bewusstsein, dass wir da auch noch einige Hausaufgaben zu erledigen haben.

 

Was sind das denn zum Beispiel für Hausaufgaben?

Köcher: Wir müssen die Durchá †laufzeiten der Flieger weiter nach unten bringen. Wir müssen die Versorgungskette verbessern, so etwa die Ersatzteilversorgung - zusammen mit der Bundeswehr. Hinzu kommen neue IT-Systeme, die wir zusammenführen müssen. Dabei ist wichtig, dass wir Nachhaltigkeit generieren. Kosten und Qualität im Griff zu haben, das ist das Prädikat, das wir als Industrie sicherstellen müssen. Das MASC soll Ende 2019 in Betrieb gehen, und derzeit ist das Projekt voll im Zeitplan.
 

Sie hatten weitere Aufträge angesprochen. Dabei geht es wohl auch um den Ersatz für das in die Jahre gekommene Kampfflugzeug Tornado. Wie ist hier der Sachstand?

Köcher: Wir bewerben uns mit dem Eurofighter natürlich für diesen Auftrag. Das Flugzeug ist ein eingeführtes System, es garantiert unsere europäische Souveränität. Und es erhält auch die Kompetenzen und die Arbeitsplätze hier in Deutschland - auch der Zulieferer. Wir denken, dass der Eurofighter den Tornado mittelfristig voll ersetzen kann. Wir sprechen da von 90 bis 100 Flugzeugen - was für Manching extreme Bedeutung hat und auch eine Signalwirkung für den Export hat.

 

Ein zunehmend wichtiges Thema ist das unbemannte Fliegen (UAS). Da gab es in den vergangenen Jahren - Stichwort: Euro-Hawk - einige Verwirrung und Querelen mit der Politik. Wie ist hier der Sachstand?

Köcher: Eines vorneweg: Die Programmleitung für unbemannte Flugzeuge sitzt in Manching. Wir haben hier zurzeit ein Plateau zusammen mit den Firmen Dassault und Leonardo für die Arbeit an der Eurodrohne. Zudem arbeiten wir an dem Waffensystem der nächsten Generation. Die Betonung liegt auf System, denn das wird nicht nur ein Kampfflugzeug sein, sondern ein Verbund unterschiedlicher Systeme wie etwa Drohnen und Satelliten. Es wird also ein vernetztes System sein.

 

Wie sieht das denn nun konkret aus mit der Eurodrohne?

Köcher: Wir haben derzeit die Aufgabe, ein Konzept zu erarbeiten und rechnen damit, in der zweiten Jahreshälfte eine Angebotsanfrage unserer Kunden zu bekommen. Diese werden wir beantworten. Und dann hoffen wir, dass es auch bald losgeht.

 

Rechnen Sie dann auch mit einem Fertigungsauftrag für die Eurodrohne?

Köcher: Das hoffen wir. Wir haben die Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen hier in Manching. Wir stehen jedenfalls bereit.

 

Sie bauen wieder Personal auf. Was ist konkret geplant?

Köcher: Ja, wir bauen hier in Manching auf. Wir werden bis zum Ende des Jahres über die Zahl von 5000 Mitarbeitern gehen - um die 5100 zusammen mit den etwa 90 Auszubildenden und den ungefähr 80 dualen Studenten. Zurzeit haben wir bei rund 4850 Beschäftigten 245 Stellen offen - davon für 80 Ingenieure. Wir haben dann noch rund 800 Personen etwa von der Bundeswehr, von Dienstleistern und Fremdfirmen am Standort - also insgesamt um die 6000 Menschen, die direkt mit Airbus hier zu tun haben.

 

Was ist denn über die 50 Millionen Euro für das MASC hinaus noch an Investitionen am Standort Manching geplant?

Köcher: Wir investieren natürlich laufend in die Infrastruktur. Ein großes Investment neben dem Logistikzentrum MASC ist eine Lärmschutzhalle für Triebwerkstests. Da geht es um rund acht Millionen Euro. Das soll bis 2019 umgesetzt werden. Und mit dem geplanten Aufwuchs müssen wir mittelfristig auch für die nötigen Büro- und Parkplatzflächen sorgen.

 

Sie sind also optimistisch, was die Zukunft des Standortes Manching anbelangt?

Köcher: Ja, absolut. Wir sind ja gut aufgestellt. Stichworte: Logistikzentrum im Aufbau, Eurofighter als etabliertes System, Plateau UAS aufgesetzt. Ich habe bereits gesagt, woran wir noch arbeiten müssen. Aber wir machen unsere Hausaufgaben. Wir haben viel in diese Themen investiert, damit wir unseren Kunden dann auch gute Lösungen anbieten können. ‹ŒDK

 

Das Interview führte Carsten Rost.

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