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Gericht entscheidet erst Mitte August, ob es Kellerhals’ Antrag auf einstweilige Verfügung stattgibt

Haas bleibt vorerst Media-Saturn-Chef

Ingolstadt
erstellt am 22.07.2014 um 21:04 Uhr
aktualisiert am 30.06.2016 um 14:03 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Erich Kellerhals will Pieter Haas per einstweiliger Verfügung die Tätigkeit als Geschäftsführer der Media-Saturn-Holding (MSH) untersagen lassen. Doch auf die Schnelle schafft der MSH-Minderheitsgesellschafter das nicht. Das Gericht nimmt sich erst einmal vier Wochen Zeit für ein Urteil.
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Pieter Haas - Media Saturn
Pieter Haas auf der Terrasse des neuen Media-Saturn-Gebäudes in Ingolstadt.
Oppenheimer
Ingolstadt

Pieter Haas kann als stellvertretender Vorsitzender und Interimschef der Metro-Tochter Media-Saturn weitermachen – vorerst. Denn über die einstweilige Verfügung, mit der Media-Markt-Gründer und MSH-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals sowie seine Investmentfirma Convergenta Haas loswerden möchten, wird die für Handelssachen zuständige Kammer des Landgerichts Ingolstadt erst am 14. August entscheiden. Vorsitzender Richter Konrad Kliegl sagte gestern, in der anhängigen Sache gebe es „eine ganze Reihe von Punkten, über die ich noch intensiv nachdenken muss“.

Brüten will Kliegl unter anderem über zentrale Fragen wie diese: Wurde Haas’ fristlose Kündigung bei MSH im Januar 2013 überhaupt wirksam? Bestand dann für ihn noch ein Wettbewerbs- und Nebentätigkeitsverbot? Durfte Haas von der Metro – nach dem Rücktritt von MSH-Chef Horst Norberg – im Mai dieses Jahres überhaupt als Vize-Geschäftsführer und Interimschef nach Ingolstadt entsandt werden? Und ist die Bestellung zum Geschäftsführer für Kellerhals und seine Investmentfirma Convergenta unzumutbar, birgt sie sogar schwerwiegende Nachteile für den Minderheitsgesellschafter, was eine Unterlassungsverfügung begründen könnte?

Für Kliegl wird die Beantwortung dieser Fragen kein leichtes Unterfangen. Denn es geht dabei auch um die Lichtung eines Dickichts mündlicher wie schriftlicher Äußerungen der widerstreitenden Parteien vorrangig im Zusammenhang mit Haas’ Kündigung als Mitglied der MSH-Geschäftsführung Anfang 2013.

In einer eidesstattlichen Versicherung erklärte Convergenta-Geschäftsführer Henry Jaeger gestern, er habe während eines „Treffens beim Italiener“ von Haas erfahren, dass dieser bei MSH aufhören und in den Metro-Vorstand wechseln wolle. Er habe Haas’ Absicht sofort widersprochen, ihn zu halten versucht und deutlich gemacht, dass die Convergenta mit seinem Wechsel zur Metro „auf keinen Fall einverstanden sein könnte“. Rechtlich vorgegangen ist die Convergenta gegen Haas’ Schritt aber nicht. Auch Geld erhielt er dann ab März 2013 nicht mehr.

Für Kliegl spricht daher „einiges dafür, dass die fristlose Kündigung wirksam geworden ist und kein vertragliches Wettbewerbsverbot mehr bestand“. Haas habe also durchaus in den Vorstand des „Gegners“ Metro abwandern können. Auch habe der MSH-Mehrheitsgesellschafter durchaus das Recht, „einseitig einen Geschäftsführer zu bestellen – und das wiederholt“.

Haas schilderte dem Gericht in eindringlichen Worten die Situation, in der die MSH-Geschäftsführung seit 2009 wegen der Querschüsse von Kellerhals steckte: Eine Klage gegen Budgetbeschlüsse, kurz vor Vertragsabschluss zurückgezogene Zustimmungen zu Firmenübernahmen, Kompetenzstreitigkeiten bei Standortentscheidungen, Beschimpfungen und einiges mehr. Haas: „Ich konnte 2012 nicht mehr wissen, an welche Gesellschafterbeschlüsse ich mich halten sollte“.

Convergenta-Anwalt Martin Schottenhoff widersprach weitgehend den Darlegungen von Kliegl und Haas, sieht in Haas’ Wechsel zu Metro sogar eher die Befriedigung dessen Karrierewünsche. Unter anderem wegen laufender Verstöße gegen das Wettbewerbs- und Nebentätigkeitsverbot, des Beharrens auf der Zuständigkeit der MSH-Geschäftsführung für die Standortentwicklung, der Kontrolle von Firmeninformationen entstünden Kellerhals/Convergenta schwerwiegende Nachteile. „Wir wollen, dass Herr Haas vorläufig nicht als Geschäftsführer tätig ist.“

Da platzte Metro-Anwalt Franz Enderle der Kragen. Er sehe im aktuellen Verfahren nichts anderes als „einen weiteren Meilenstein in der Sabotage des Unternehmens durch den Minderheitsgesellschafter“, polterte er los. Kellerhals terrorisiere seit drei Jahren die MSH-Geschäftsführung, um „sein Störpotenzial zu demonstrieren für die eine Milliarde, die er nicht bekommen hat.“ Mittlerweile zieht die Metro angeblich auch den Verkauf ihrer MSH-Beteiligung wieder ins Kalkül.

Von Carsten Rost
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