Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Vorwürfe Erich Kellerhals' an Unternehmenschef Pieter Haas sollen geklärt werden Urteil wohl Mitte September

Letzte Runde im Machtkampf bei Media-Saturn?

Ingolstadt
erstellt am 29.06.2016 um 09:15 Uhr
aktualisiert am 22.07.2016 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es könnte der letzte Akt eines Schauspiels sein, das sich schon lange hinzieht - für manchen Beobachter zu lange. Seit gestern läuft am Landgericht Ingolstadt die Hauptverhandlung zwischen der Media-Saturn-Holding und der Convergenta Invest, über die Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals seine Anteile am Ingolstädter Handelsriesen hält.
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Es geht um Macht und Einfluss. Im Zentrum steht Pieter Haas (Foto unten), Vorsitzender Geschäftsführer der Media-Saturn-Holding. Das Urteil wird für den 20. September erwartet.

Die Vorgeschichte: Kellerhals hat es Haas nie verziehen, dass er zur Konzernmutter Metro gewechselt war, um dort einen lukrativen Posten im Vorstand anzunehmen. 2014 kehrte Haas zu Media-Saturn zurück und übernahm die Leitung des Unternehmens. Seither versucht Kellerhals alles juristisch Mögliche, um Haas von der Spitze zu vertreiben: Haas verletze seine Pflichten und schädige das Unternehmen.

An dieser Stelle kommt der Vorsitzende Richter Konrad Kliegl ins Spiel. Er erläuterte gestern zum Auftakt der Verhandlung die Vorwürfe gegen Haas. Unter anderem bemängelt die Convergenta Invest, Media-Saturn sei seiner Pflicht, einen Konzernabschluss vorzulegen, nicht nachgekommen. Darin sieht sie einen Verstoß von Haas. Kliegl hielt sich mit seiner Meinung nicht lang zurück und verwies darauf, dass es seit Jahren Praxis sein, dass der Abschluss von Media-Saturn in jenem der Metro aufginge. Dies sei inzwischen Normalität. "Damit ist es sehr schwierig, einen Pflichtverstoß von Herrn Haas zu konstruieren", sagte Kliegl in Richtung der Klägerbank. Die Vertreter von Erich Kellerhals protestierten prompt. Früher habe Media-Saturn auch noch mit der Convergenta kommuniziert. Dies sei heute nicht mehr der Fall. Man habe mehrfach die Fertigung eines Abschlusses gefordert. Haas, im Vergleich zu Kellerhals anwesend, zog es vor zu schweigen.

Auch die weiteren Vorwürfe der Convergenta Invest - darunter die Weiterbeschäftigung der eigentlich ausgeschiedenen Manager Ralph Spangenberg und Sergio Klaus-Peter Voigt sowie ein Beleidigungsvorwurf an die Adresse von Pieter Haas - wurden teils hitzig und ausschweifend debattiert. Man stand sich gewohnt unversöhnlich gegenüber. Überhaupt ist der Streit der Gesellschafter und zwischen Kellerhals und Haas bereits mehrfach unappetitlich geworden. Aus dem Ruder laufende Versammlungen der Gesellschafter und laute Gerichtstermine gehören oft zur Tagesordnung.

Vorsitzender Richter Konrad Kliegl kennt das alles schon, leitete er doch unzählige gerichtliche Termine der streitenden Parteien. "Die Frequenz, in der wir uns hier treffen, hat zugenommen", stellte er gestern mit neckischem und doch resignierendem Tonfall fest. Deutlich ernster wurde der Vorsitzende, als er die Wogen zu glätten versuchte. "Im Laufe der Auseinandersetzung sind bereits etliche Diffamierungen aufgetaucht - und das nicht nur schriftlich -, die uns nicht weiterbringen. Alle sollten sich jetzt zurücknehmen", mahnte Kliegl und schloss die Verhandlung.

Feierabend hatte er aber noch lange nicht. Da alle beisammen waren, wurde noch über die angebliche Verschwendung von 609 000 Euro verhandelt, die die Convergenta ebenfalls in letzter Konsequenz Pieter Haas zur Last legt. Vereinfacht beschrieben, hatte eine russische Tochter der Media-Saturn-Holding mit einem russischen Start-up einen Beratervertrag geschlossen. Die Beratungskünste waren aber derart schlecht, dass diese Tochter immer neue Verluste einstrich und sich entschied, den Vertrag zu kündigen - und eine Vertragsstrafe von 609 000 Euro zahlte. Dem musste die Geschäftsführung in Ingolstadt zustimmen, weshalb Kellerhals' Convergenta Haas in der Verantwortung sieht. Man habe dieses Geld nie ausgeben müssen, da vereinbarte Boni für die Berater bei den schlechten Bilanzen nie fällig geworden wären und der Vertrag ohnehin bald ausgelaufen wäre.

Media-Saturn hingegen argumentiert, dass der Beschluss nach Konsultationen mit Experten des russischen Rechtssystems gefallen sei. Eine juristische Auseinandersetzung im Riesenreich wäre wesentlich teurer für die Tochter geworden und damit auch für Media-Saturn. Daher habe man sich entschieden, "sauber auseinanderzugehen und diese Summe zu zahlen", wie es hieß. Haas habe mit seinem Team sogar Schaden abgewendet, da der Verlust der Tochtergesellschaft aufgrund der schlechten Arbeit der Beraterfirma noch höher ausgefallen wäre. Auch in dieser Sache erging gestern kein Urteil. Es wird für den 9. August erwartet.

‹ŒFotos: Strisch, Oppenheimer

Von Christian Tamm
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