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Crash-Tech-Kongress an der Technischen Hochschule Ingolstadt: 150 Fachleute tauschen sich über neue Prüfverfahren aus

Null Verkehrstote sind das Ziel

Ingolstadt
erstellt am 14.03.2018 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 28.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) An die 150 Experten für Verkehrssicherheit aus ganz Europa trafen sich für zwei Tage an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) zum Crash-Tech-Kongress. Alle arbeiten daran, Straßen und Verkehrsmittel so sicher zu machen, dass es eines Tages null Verkehrstote gibt: "Vision Zero".
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Ingolstadt: Null Verkehrstote sind das Ziel
Crashtest in der Carissma-Halle: Bei dieser Simulation wollten die Unfallforscher der THI den Kongressteilnehmern zeigen, wie aktive und passive Sicherheitssysteme miteinander wirken können. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Ingolstadt (DK) An die 150 Experten für Verkehrssicherheit aus ganz Europa trafen sich für zwei Tage an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) zum Crash-Tech-Kongress. Alle arbeiten daran, Straßen und Verkehrsmittel so sicher zu machen, dass es eines Tages null Verkehrstote gibt: Das ist die "Vision Zero".

 

THI-Präsident Walter Schober kündigte ihn als Vater von "Vision Zero" an: Der Schwede Claes Tingvall hatte gleich zu Beginn des 14. Crash-Tech-Kongresses seinen großen Auftritt. Der Professor für Verkehrssicherheit hat in seiner Heimat das Thema vorangebracht. Seit 1997 verfolgt die schwedische Regierung das Ziel, alle neuen Straßen nach diesem Prinzip zu gestalten und alte umzurüsten.

"Vision Zero" hat seinen Ursprung im Arbeitsschutz und wurde in Schweden erstmals auf den Straßenverkehr angewendet. Grundgedanke ist, dass Menschen Fehler machen. Daher müssen Verkehrssysteme und Verkehrsmittel so gestaltet werden, damit diese Fehler nicht zum Tod oder zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen. Die Europäische Union hat beschlossen, mit "Vision Zero" die Zahl der Verkehrstoten von 2009 bis 2020 zu halbieren. 2009 starben auf deutschen Straßen 3648 Menschen, im vorigen Jahr waren es 3177. Von einer Halbierung ist man also noch weit entfernt.

Eine Herausforderung auch für die Automobilhersteller - insbesondere mit Blick auf das assistierte und autonome Fahren. Bei dem Kongress demonstrierte THI-Präsident Schober stolz, was das 2016 auf dem Campus eröffnete Forschungs- und Testzentrum Carissma dazu beisteuern kann. Aktuell sind dort neben 13 THI-Professoren mehr als 60 wissenschaftliche Mitarbeiter im Einsatz. Ziel ist, aktive und passive Sicherheitssysteme, die bisher getrennt voneinander arbeiten, miteinander zu verschmelzen - zu einem integralen Sicherheitssystem.

Vor diesem Hintergrund beschäftigten sich die Experten bei dem Kongress auch mit neuen Test- und Simulationsmethoden - eine komplexe Materie. Die nötige Ausrüstung dafür liefert die in Krailling (Landkreis Starnberg) ansässige Firma Messring, die auch das THI-Forschungs- und Testzentrum Carissma mit modernster Technik ausgestattet hat - von Datenerfassungssystemen bis hin zu Hochgeschwindigkeitskameras und Beleuchtung. Autos müssen immer neuen Prüfungen standhalten - und die Versuche müssen sich anpassen. Heute würden Crashtests noch mit 50 oder 60 Stundenkilometern durchgeführt, erklärte THI-Professor Lothar Wech am Rande des Kongresses. Statistisch passieren bei dem Tempo die meisten Unfälle. "Aber die Geschwindigkeit wird sich mit den Assistenzsystemen reduzieren", so Wech. "Das führt zu neuen Verletzungsmustern: Ein Fußgänger schlägt dann beispielsweise nicht mehr auf der Scheibe auf, sondern auf der Motorhaube." Schutz sollen außen angebrachte Airbags bieten.

In E-Autos ohne Knautschzone müssen die Insassen, die in futuristischen Karossen ohne Lenkrad gern auch kreuz und quer sitzen, auch anders geschützt werden als bisher. Wenn der Fahrer gerade auf seinem Laptop eine E-Mail schreibt und quer zur Fahrtrichtung sitzt - was passiert dann im Falle einer Notbremsung? Wo müssen sich dann Airbags öffnen? "Mit integralen Sicherheitssystemen warnen Sensoren die Airbags schon vor dem Aufprall", erklärte Wech. "Dadurch gewinnt man Zeit: Airbags können sich langsamer öffnen als jetzt. Der Insasse wird nicht mehr heftig vor- und zurückgeschleudert, sondern fällt weich wie in ein Kissen."

Dass selbst die modernste Technik kein Garant ist, zeigte sich beim groß angekündigten Crashtest in der Carissma-Halle. Nach einem Ausweichmanöver sollte ein Passat abgebremst gegen eine Wand krachen. Stattdessen kam der Wagen ohne den gewünschten Aufprall knapp vorm Ziel zum Stillstand. Es lag vermutlich an der Programmierung. Das anwesende Fachpublikum konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Im zweiten Anlauf klappte es dann.

Von Suzanne Schattenhofer
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