Donnerstag, 21. Juni 2018
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Nach Fertigungsstopp für wichtige Diesel-Modelle

Audi-Chef Stadler schließt weitere Rückrufe nicht aus

Berlin
erstellt am 26.05.2018 um 16:24 Uhr
aktualisiert am 20.06.2018 um 21:24 Uhr | x gelesen
Berlin (AFP) Volkswagen muss nach Medieninformationen ein Software-Update für den 2.0-TDI-Motor entwickeln, der in den Modellen Passat, Passat Variant und Arteon verbaut wurde. Konzernchef Herbert Diess habe einen Fertigungsstopp für die betroffenen Autos Passat und Passat Variant mit Frontantrieb und Siebengang-DSG sowie das Modell Arteon verhängt, berichtet die "Automobilwoche" laut Vorabmeldung vom Samstag in ihrer neuen Ausgabe
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"Fahrzeuge, die bereits produziert worden sind, können nicht mehr an Kunden oder Endabnehmer ausgeliefert werden", zitiert das Blatt aus internen Unterlagen. Das Unternehmen erwarte eine Lösung für das Problem nicht vor dem vierten Quartal 2018. Auf Anfrage der Branchenzeitung teilte VW mit, es könne "vorkommen, dass über die gelbe Motorkontrollleuchte auf ein Problem mit dem Abgasnachbehandlungssystem hingewiesen wird, obwohl tatsächlich kein derartiges Problem besteht".

Dem Bericht zufolge bietet VW nun für "den gesamten Bestellbestand (Kunden-, Lager- und Vorführfahrzeuge)" den Allradantrieb 4Motion an. Dies geschehe "kostenneutral" für die Käufer, den Mehrpreis von 2050 Euro brutto trage der Hersteller. "Mit dem gleichen Preisvorteil", heißt es laut "Automobilwoche" firmenintern, könnten Händler alternativ Diesel-Interessenten zu den entsprechenden Benziner-Varianten locken.

Derweil erwägt Volkswagen nach übereinstimmenden Medienberichten eine Rückkehr des früheren Cheflobbyisten Thomas Steg. Dieser war Ende Januar beurlaubt worden, weil er offenbar seit Jahren von Abgas-Versuchen an Affen in den USA wusste. Wie die "Bild"-Zeitung von Samstag und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichten, kam eine interne Kommission nun zu dem Schluss, dass kein konkretes Fehlverhalten Stegs festgestellt werden konnte. Auf Anfrage teilte der Konzern den Zeitungen mit, es gebe noch keine Entscheidung.

Audi-Chef Rupert Stadler schloss unterdessen weitere Rückrufe im Diesel-Abgasskandal nicht aus. "Die Diesel-Krise ist noch nicht vorbei", sagte der Vorstandschef des Ingolstädter Autobauers der "Augsburger Allgemeinen" von Samstag. "Durch eine maximal lückenlose Aufklärung, wie wir sie betreiben, stoßen wir immer noch auf Auffälligkeiten, die wir unverzüglich den Behörden melden." Neue Rückrufe seien nicht die Folge von Untätigkeit, "sondern im Gegenteil das Ergebnis konsequenter Aufklärung".

Stadler forderte in der Debatte um Fahrverbote eine bundeseinheitliche Regelung: "Wir müssen verhindern, dass wir in Deutschland einen Flickenteppich an Regelungen bekommen, wo hier diese und dort jene Straße für bestimmte alte Diesel-Fahrzeuge gesperrt ist", sagte der Audi-Chef.

Dagegen kritisierte der parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), die Autohersteller: "Es sollte nicht so ein, dass immer wieder erst durch Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamts Missstände bekannt werden", sagte Bilger der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Vielmehr müssten die Hersteller von sich aus offenlegen, wo noch Nachbesserungen erforderlich sind.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bekräftigte die Forderung nach einer Hardware-Umrüstung von Dieselfahrzeugen. "Wer denkt, mit Software-Updates und Förderprogrammen sei alles gelöst, riskiert weitere Fahrverbote", sagte Schulze der "Passauer Neuen Presse" von Samstag. Hardware-Nachrüstungen seien "kein Hexenwerk". Es gebe sie für Busse und auch für manche Diesel-PKW seien sie bereits verfügbar.
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