Einstieg ist relativ einfach
Vermögensaufbau mit ETFs: Worauf Anleger achten sollten

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 18:07 Uhr |

ETFs sind vor allem für den langfristigen Vermögensaufbau attraktiv, der Einstieg ist relativ einfach. Foto: Sommer, dpa-Archiv

Immer mehr Anleger sparen mit ETFs. Die Indexfonds sind beliebt, denn sie sind einfach aufgebaut, vergleichsweise kostengünstig und bei fast jeder Bank zu haben. Per Sparplan sind ETFs auch für Anfänger gut geeignet. Wer Schritt für Schritt vorgeht, kann fast nichts falsch machen.



Was ist ein ETF? Exchange Traded Funds sind Fonds, die einen bestimmten Börsenindex kopieren, zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (Dax). ETFs werden an der Börse gehandelt, ihre Wertentwicklung ist leicht nachvollziehbar, denn sie verläuft analog zum Index. ETF-Sparen ist kostengünstig und sehr flexibel. Man kann jederzeit ETF-Anteile kaufen und verkaufen oder im Sparplan-Modus seine Sparrate ändern oder unterbrechen. Die Stiftung Warentest favorisiert ETF-Sparpläne als „Königsweg des Fondssparens“. Da ETFs typischen Börsenschwankungen unterliegen, empfiehlt sich ein langfristiger Anlagehorizont mit flexiblem Sparende.

Wie kauft man einen ETF? Als Einsteiger benötigt man zunächst ein Depot, in dem die ETF-Anteile verwahrt werden. Das gibt es bei jeder Bank, die Wertpapiere handelt, sowie bei Onlinebrokern und Investmentgesellschaften. Empfehlenswert sind Anbieter mit kostenfreien Depots, denn das spart renditebelastende Kosten. Tipp: Im Sparplanmodus verzichten fast alle Direktbanken und Onlinebroker auf Depotgebühren. Als Käufer sollte man zudem auf günstige Orderkosten achten. Der Onlinebroker Flatex offeriert zum Beispiel alle ETFs zum Nulltarif, die ING bietet über 1000 ETF-Sparpläne ohne Kaufgebühr. Bei der Consorsbank können Neukunden 1700 ETFs zwölf Monate lang kostenfrei besparen. Für ausgefallene Anlagewünsche empfiehlt sich eine Bank mit breitem ETF-Spektrum. Scalable, Traders Place und Trade Rebublic bieten hier mit jeweils 2500 ETFs eine sehr große Auswahl, die DKB überzeugt mit 2000 Stück.

Welcher Index eignet sich für Anfänger? Für den Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge empfehlen die Verbraucherzentralen globale ETFs, „die sich auf große, marktbreite Indizes beziehen, in denen viele Aktien aus vielen Ländern und unterschiedlichen Branchen enthalten sind“. Beispiele hierfür sind der MSCI World Index oder die um Schwellenländer erweiterten Indizes MSCI All Country World (ACWI) und FTSE All-World. Obwohl diese Indizes tausende von Aktien beinhalten, sind auch sie nicht frei von Risiken. So besteht beim zu zwei Dritteln von US-Aktien dominierten MSCI World Index nicht unerhebliche Verlustgefahr, sollten US-Aktien crashen. Alternativ empfehlen die Verbraucherzentralen Index-Kombinationen, zum Beispiel aus Stoxx Europe 600, S&P 500 und MSCI Emerging Markets.

Wie wählt man einen ETF aus? Neben dem Index spielen die Fondskosten, die Fondsgröße und die Ertragsverwendung eine wichtige Rolle bei der Wahl. Grundsätzlich gilt: Geringe Jahresgebühren begünstigen die Nettorendite. ETFs auf beliebte Indizes wie dem Dax oder dem MSCI World Index kosten oft nur 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Dadurch gehen jährlich nur wenige Zehntel des Sparkapitals verloren. ETFs mit gemischten oder ausgefallenen Indexzusammenstellungen können dagegen drei- oder viermal so teuer sein. Kostet ein ETF zum Beispiel 0,5 Prozent pro Jahr, geht immerhin ein halbes Prozent der erzielten Jahresrendite wieder verloren.

Wichtig ist, dass der ETF nicht zu klein ist, andernfalls besteht die Gefahr, dass er wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen oder mit einem anderen Indexfonds verschmolzen wird. Liegt das Fondsvermögen im dreistelligen Millionenbereich, ist man auf der sicheren Seite. Bei der Ertragsverwendung kommt es darauf an, welches Sparziel man verfolgt. Für den Vermögensaufbau empfehlen sich ETFs, die ihre Erträge (Zinsen, Dividenden) automatisch wieder anlegen. Dadurch kommt der Zinseszinseffekt voll zum Tragen. Ausschüttende ETFs eignen sich für ein regelmäßiges Zusatzeinkommen.

Wie viel Geld sollte man in ETFs investieren? Das kommt darauf an, ob man einmalig eine größere Summe anlegen will oder regelmäßig einen kleinen Betrag. Manche Banken erlauben monatliche Sparraten ab einem Euro – doch damit gelingt kein Kapitalaufbau. Eine Daumenregel besagt, dass etwa zehn Prozent des Nettoeinkommens in den Sparplan fließen sollten, bei 2000 Euro also 200 Euro. Bei geringem Einkommen genügen aber auch 50 oder 100 Euro pro Monat. Wichtig: Investieren Sie nur Geld, das Sie nicht für den Lebensunterhalt benötigen und das langfristig entbehrlich ist.

Welche Rendite erzielen ETFs? ETFs auf globale Indizes, wie sie die Verbraucherzentralen empfehlen, bieten hohe Renditechancen. So erzielte der MSCI World Index – inklusive Nettodividenden – in den vergangenen 50 Jahren (bis Dezember 2023) eine Durchschnittsrendite von 9,2 Prozent pro Jahr. Die aktuelle Zehnjahresrendite liegt nach Angaben des Indexanbieters mit 9,16 Prozent fast gleichauf (Stand: 30. April 2024). Der breiter aufgestellte All Country World-Index kommt im Zehnjahresvergleich auf 8,53 Prozent Rendite. Zum Vergleich: Eine Einmalanlage in den deutschen Leitindex Dax erzielte in den vergangenen 50 Jahren laut Deutschem Aktieninstitut eine Durchschnittsrendite von 8,5 Prozent pro Jahr (Stand Ende 2023). Die Zehnjahresrendite lag Ende Dezember 2023 bei 7,4 Prozent.

ETF-Sparen rentiert sich: Wer monatlich 100 Euro spart, hat bei einer Rendite von 9,0 Prozent binnen zehn Jahren gut 19000 Euro zusammen (ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern), bei nur 12000 Euro Einzahlung. Nach 20 Jahren sind bei gleicher Rendite und monatlicher Einzahlung rund 64000 Euro möglich. Anleger müssen allerdings mit Anlagekosten und Steuern rechnen. Auf die erzielten Gewinne fallen 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an.

bia



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