Donnerstag, 18. Oktober 2018
Lade Login-Box.

Bericht über Streit zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat schlägt hohe Wellen

Schichtstreichung bei Audi vorerst vom Tisch?

Ingolstadt
erstellt am 11.10.2018 um 19:44 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 11:54 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Selten hat ein Thema die Audi-Belegschaft wohl so in Aufruhr versetzt, wie die geplante Streichung einer Schicht auf der A4/A5-Linie ab November. Unser veröffentlichter Bericht über den Streit zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat wurde im Internet in kürzester Zeit mehrere Zehntausend Mal gelesen.
Textgröße
Drucken
Montage eines Audi A5 in Ingolstadt: Momentan kämpfen die Mitarbeiter im Werk mit unflexiblen Fertigungslinien.
Montage eines Audi A5 in Ingolstadt: Momentan kämpfen die Mitarbeiter im Werk mit unflexiblen Fertigungslinien.
Audi
Ingolstadt
Die Reaktionen in den Sozialen Netzwerken und per E-Mail zeigen, dass die Hau-Ruck-Aktion, in der die Streichung den Mitarbeitern mitgeteilt wurde, unter vielen Audianern Entsetzen auslöste. Im Nachhinein stellte das Unternehmen das Ganze als "Missverständnis" in der internen Kommunikation dar. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen.

Geplante Schichtstreichung bei Audi

 

Wie ein Mitarbeiter unserer Zeitung schilderte, wurde die Schichtauflösung von Führungskräften an die Gruppenleiter der Montage kommuniziert. Später habe es ein Gruppengespräch gegeben, in dem das Aus für die "Schicht 2" dann den Mitarbeitern verkündet wurde - sie sei zu teuer und unrentabel.

Vor allem tritt durch den aktuellen Streit ein gravierendes Problem am Audi-Standort Ingolstadt zu Tage: Die mangelnde Flexibilisierung der Produktionslinien. Aktuell können können auf den beiden A4/A5-Linien eben nur jene Modelle gefertigt werden - die anderen beiden Ingolstädter Fahrzeuge Q2 und A3 rollen von einem anderen Band. Das führt bei hohen Bestell-Schwankungen zu Problemen. Im Moment kommt es zu der skurillen Situation, dass auf der A3/Q2-Linie Sonderschichten geschoben werden, während auf den A4/A5-Linien die Produktion im Schongang läuft. Deshalb arbeitet man im Werk daran, dass sämtliche Modelle auf allen Bändern gebaut werden können. Ab Januar wird beispielsweise die A3 Limousine nicht mehr in Györ sondern in Ingolstadt gebaut - auf der bislang den Modellen A4 und A5 vorbehaltenen Linie.

Möglicherweise ist die geplante Schichtstreichung - zumindest fürs Erste - auch schnell wieder vom Tisch. Am frühen Freitagmorgen gibt es eine Betriebsversammlung in der Dauernachtschicht, in der nach Informationen unserer Zeitung der Ingolstädter Werkleiter Albert Mayer und der stellvertretende Audi-Betriebsratschef, Jörg Schlagbauer, sprechen. Nach dem Aufschrei ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Audi bei der Streichung einen Rückzieher macht.

Es wäre nicht das erste Mal: Im Oktober 2016 hatte Werkleiter Albert Mayer das Aus für eine der drei Nachtschicht-Linien verkündet - einen Monat später wurde die Entscheidung rückgängig gemacht.
 
Sebastian Oppenheimer
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!