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12.07.2013 20:07 Uhr | x gelesen
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Zwischen Reichstag und Wickeltisch


Bild: Zwischen Reichstag und Wickeltisch. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Seit am 25. Februar Söhnchen Jonathan auf die Welt kam, ist sie ganz schön im Stress. Politik und Mutterrolle müssen gut organisiert sein. Kein Wunder, dass die Grünen-Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede jetzt ein weiteres politisches Feld für sich entdeckt hat: Familienpolitik.

Ingolstadt (DK) Seit am 25. Februar Söhnchen Jonathan auf die Welt kam, ist sie ganz schön im Stress. Politik und Mutterrolle müssen gut organisiert sein. Kein Wunder, dass die Grünen-Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede jetzt ein weiteres politisches Feld für sich entdeckt hat: Familienpolitik.


Ingolstadt: Zwischen Reichstag und Wickeltisch
 Agnes Krumwiede kandidiert erneut für Bundestag.
Ingolstadt
Obwohl sich die Pianistin als kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in erster Linie der Kulturpolitik verschrieben hat, sind ihr momentan Termine wie jüngst in Eichstätt lieber. Zu einem Mutter-Kind-Frühstück konnte Agnes Krumwiede ihren Jonathan mitnehmen. Ein Leben als Bundestagsabgeordnete ist nicht unbedingt familienfreundlich. Elternzeit? Fehlanzeige. Selbst in den zehn Wochen Mutterschutz hat die 36-Jährige fast die ganze Zeit gearbeitet. „Ohne meine Eltern ginge es nicht“, sagt die Ingolstädterin. Denn auch Agnes Krumwiedes Partner und Jonathans Papa ist in der Politik: Stephan Kühn (33) ist verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Der Soziologe aus Dresden ist Spitzenkandidat in Sachsen. So pendelt er zwischen Berlin, Sachsen und Ingolstadt hin und her. In Berlin teilen sich die beiden eine Wohnung. „Er ist ein toller Papa“, sagt Krumwiede. Auch, wenn er jetzt im Wahlkampf oft in Sachsen sei, kümmere er sich um Jonathan, sooft es irgendwie geht. Schließlich soll der Kleine von Mama und Papa erzogen werden.

Doch zurück zur Politik. Die erste Legislaturperiode im Deutschen Bundestag hat Agnes Krumwiede nun fast hinter sich gebracht. Das „enorme Tempo“ und „der Wahnsinnsstress“ haben sie nicht abgeschreckt. „Mehr als fünf Stunden Schlaf täglich sind während der Sitzungswochen nicht drin.“ Doch ihre erste Legislaturperiode hat sie auch als eine sehr außergewöhnliche, geradezu spektakuläre erlebt. Da war zum einen Merkels Kehrtwende in der Atompolitik nach dem Reaktorunglück in Fukushima, aber auch rasante Personalwechsel und die, wie sich Krumwiede ausdrückt, „Entzauberung einiger Minister“. Und: Niemals zuvor fanden in kurzer Zeit zwei Wahlen eines Bundespräsidenten statt. Für einen Bundestagsneuling war dies alles natürlich sehr aufschlussreich. Das politische Parkett erfordert Disziplin und Konzentration. Hier sei ihr ihr Klavierstudium sehr zugutegekommen, sagt Krumwiede. 2010 wurde sie vom Bundesverband Klaviere zur „Klavierspielerin des Jahres“ gewählt. Diese Auszeichnung gefällt ihr deutlich besser als der Titel „Miss Bundestag“, den ihr die „Bild“-Zeitung kurz nach ihrer Wahl verliehen hat. Der Umgang mit den Medien war eine der ersten Lektionen, die Agnes Krumwiede als Neuling im bundespolitischen Zirkus lernen musste. Denn eigentlich wollte sie nur eines: dass ihre politischen Aussagen wahrgenommen werden.

Auch, dass sie durch ihr Büro in Berlin plötzlich zur Arbeitgeberin geworden ist, fiel ihr anfangs schwer. Drei Mitarbeiter beschäftigt Krumwiede in ihrem Berliner Büro, zwei im Ingolstädter Wahlkreisbüro. Dazu kommt noch eine studentische Hilfskraft. Auf die Arbeit ihrer Mitarbeiter muss sie sich verlassen können. „Wenn das kleinste Detail vergessen wird, dann bin ich dran. Ich stehe mit meinem Gesicht vor der laufenden Parlamentskamera.“ Mit viel Disziplin bereitet sie sich deshalb auf ihre politische Arbeit vor – studiert Anträge und Sitzungsvorlagen, und kann überhaupt nicht verstehen, dass sich manche Politiker ihre Reden schreiben lassen. „Das käme für mich nie infrage.“ Für sie ist wichtig, dass jeder Politiker seine eigene Sprache hat.

Und, dass ein Politiker zu dem, was er macht, einen direkten Bezug hat. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Agnes Krumwiede als Künstlerin vordringlich der Kulturpolitik widmet. Zu ihren Wahlkampfthemen gehört nicht zuletzt die Forderung nach einem Maßnahmenpaket zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage von Künstlern. Viele hätten im Alter schlimme existenzielle Probleme. Aber auch Urheberrecht, Datenschutz, Familienpolitik und Rechtsextremismus gehören zu ihren Spezialthemen. Eine ihrer Forderungen in dieser Legislaturperiode hat Agnes Krumwiede auf ganz besondere Weise durchsetzen können: dass im eine Milliarde schweren Kulturetat 50 000 Euro für mittellose Tänzer bereitgestellt werden. Sie spielte dafür bei einer Veranstaltung auf Wunsch eines führenden CDU-Mitgliedes auf dem Klavier eine Mozart-Sonate. Auch so kann Politik funktionieren. Zumindest manchmal.


Von Ruth Stückle

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