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22.09.2013 23:10 Uhr | x gelesen
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Historische Schmach


Bild: Historische Schmach. Berlin Berlin (DK) Drei Wörter in Gelb und Blau: „Nur mit uns.“ Gleich zwölfmal war der FDP-Wahlkampfslogan im Congress Center am Berliner Alexanderplatz oben auf der Bühne zu lesen. Die Wähler sahen das anders: „Nicht mit denen“, lautete die demütigende Botschaft gestern Abend.

Berlin (DK) Drei Wörter in Gelb und Blau: „Nur mit uns.“ Gleich zwölfmal war der FDP-Wahlkampfslogan im Congress Center am Berliner Alexanderplatz oben auf der Bühne zu lesen. Die Wähler sahen das anders: „Nicht mit denen“, lautete die demütigende Botschaft gestern Abend.


Berlin: Historische Schmach
Versteinerte Gesichter: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle (links) und Parteichef Philipp Rösler gestern Abend - Foto: Stollarz/AFP
Berlin
Nach den Hochrechnungen fuhr die FDP mit etwa viereinhalb Prozent nicht nur ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten ein. Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte ist sie im Bundestag nicht mehr dabei. Für eine Partei, die fast ein halbes Jahrhundert immer mit in der Regierung war und die deutsche Außenpolitik maßgeblich prägte, eine historische Schmach.

Bei den ersten TV-Prognosen gab es im Saal nur ein leises, lang gezogenes „Ooooooh“ – wie bei einem schweren Schlag in die Magengrube. Zur Grabesstimmung passte, dass der Ton der TV-Übertragung abgeschaltet blieb. Die FDP-Spitze um Parteichef Philipp Rösler und Spitzenkandidat Rainer Brüderle verfolgte die Schockzahlen in einem Raum im Untergeschoss. Für die politische Karriere des ungleichen Duos bedeutet das Ergebnis praktisch schon den Knockout.

Nur etwas mehr als eine Dreiviertelstunde dauerte es dann, bis sich die beiden auf der Bühne zeigten. „Das ist eine schwere Stunde für die FDP. Als Spitzenkandidat übernehme ich dafür Verantwortung“, sagte Fraktionschef Brüderle, der lang anhaltenden Applaus bekam. Hinter ihm auf der Bühne standen viele Minister, Rösler mit seiner Frau Wiebke. Der Vizekanzler sagte: „Es ist die bitterste, die traurigste Stunde in der Geschichte der Freien Demokratischen Partei.“

Brüderle und Rösler werden beim Neuaufbau der FDP keine Rolle mehr spielen. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf Christian Lindner. Der 34-jährige Ex-Generalsekretär zeigte sich am Abend als erster der FDP-Promis: „Wir haben offensichtlich die Erwartungen nicht erfüllt. Auch im Stil hat die FDP nicht überzeugt.“ Die Partei müsse sich jetzt grundsätzliche Gedanken machen. „Die Situation ist sehr ernst. Deutschland braucht eine liberale Partei, wie sie die FDP traditionell einmal war.“

Wie geht es weiter? Der Verlust einer finanziell gut ausgestatteten Bundestagsfraktion trifft die klamme Partei hart. Die Landesverbände müssen nun dafür sorgen, dass die FDP nicht völlig von der politischen Bildfläche verschwindet. Wenn sie auch in Hessen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, wäre sie nur noch in der Hälfte der 16 Landtage.

 


Von Rasmus Buchsteiner
 
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