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22.09.2013 23:10 Uhr | x gelesen
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Auf dem Höhepunkt der Macht


Bild: Auf dem Höhepunkt der Macht. Berlin Berlin (DK) Da steht sie und genießt. Daumen und Zeigefinger zur Raute geformt, ein Lächeln auf dem Gesicht. Bei der Union herrscht Freudentaumel. Angela Merkel ist ganz oben. Es ist die Stunde ihres Triumphs. Plötzlich scheint sogar eine absolute Mehrheit möglich zu sein. 42 Prozent und mehr – ein Wahlergebnis wie aus einer anderen Zeit.

Berlin (DK) Da steht sie und genießt. Daumen und Zeigefinger zur Raute geformt, ein Lächeln auf dem Gesicht. Bei der Union herrscht Freudentaumel. Angela Merkel ist ganz oben. Es ist die Stunde ihres Triumphs. Plötzlich scheint sogar eine absolute Mehrheit möglich zu sein. 42 Prozent und mehr – ein Wahlergebnis wie aus einer anderen Zeit.


Bundestagswahl 2013
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) verabschiedet sich von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (l) und Jürgen Trittin, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, nach der sogenannten "Elefantenrunde" im ZDF-Fernsehstudio in Berlin.
Christian Charisius (dpa)
Berlin

Jubel brandet auf, als der schwarze Balken auf der Leinwand immer höher schnellt. Es ist eine Stimmung wie in der Fankurve eines Fußballstadions. Der CDU-Nachwuchs feiert. „Angie, Angie, Angie!“, skandieren die jungen Frauen und Männer in den orangefarbenen Hemden des „Team Deutschlands“. Die CDU ist völlig aus dem Häuschen. Dass die FDP ein Debakel erlebt, wahrscheinlich nicht wieder in den Bundestag kommt und als Koalitionspartner ausfällt, scheint Merkel jetzt nicht besonders zu schmerzen.

Wo ist sie? Wann kommt sie? Die Siegerin lässt nicht lange auf sich warten. Um 18.43 Uhr kommt Angela Merkel auf die Bühne. „Das ist ein Super-Ergebnis“, freut sich die alte und neue Kanzlerin. „Wir haben wirklich gekämpft.“ Dank an Wähler und Mitarbeiter, Dank auch an ihren Mann, Joachim Sauer, der am Rande steht und strahlt. „Er muss auch manches ertragen“, sagt Merkel. Sauer lächelte, fast ein bisschen verlegen. Der Beifall steigert sich zum Orkan, doch auf die Bühne, ins Rampenlicht, tritt der 64-Jährige nicht. Das passt zu dem renommierten Chemiker, der seit vielen Jahren an der Seite von Merkel steht – und doch immer seinen eigenen Weg gegangen ist. Als seine Frau 2005 und 2009 zur Kanzlerin gewählt wurde, war er nicht einmal im Bundestag dabei.


 

Der Wahlabend im Liveblog zum nachlesen


„Verantwortungsvoll und sorgsam“ werde man mit dem Ergebnis umgehen, sagt Merkel. Große Koalition oder gar eine absolute Mehrheit? „Wir warten erst mal das Wahlergebnis ab“, rät die CDU-Chefin. Sie lässt sich alle Optionen offen. „Aber feiern dürfen wir heute schon, denn wir haben das toll gemacht.“ Blaues Jackett, schwarz-grüne Halskette – ein Zeichen für künftige Koalitionen?

Fotostrecke: Bundestagswahl 2013
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Fotostrecke: Wahlstudio Eichstätt Bundestag
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Reicht es zur absoluten Mehrheit? Es beginnt eine Zitterpartie ganz anderer Art. Mit wem will sie eine Regierung bilden? Würde sie auch mit nur einer Stimme Mehrheit allein regieren? Fragen, denen die Kanzlerin ausweicht. „Ich möchte heute Abend all diese Dinge nicht beantworten. Ich möchte das Ergebnis abwarten. Da wird sich noch ein bisschen was ändern am Abend“, mahnt sie zur Geduld. Doch hinter den Kulissen wird intensiv gerechnet, spekuliert, werden verschiedene Optionen durchgespielt. Die Sondierungen und der Koalitionspoker haben begonnen. Einige CDU-Spitzen wollen auch eine schwarz-grüne Regierung nicht ausschließen.

Wahlkampf FDP Baden-Württemberg
FDP- Spitzenkandidat Rainer Brüderle (l) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sowie dessen Frau Wiebke bei der FDP-Wahlparty.
Franziska Kraufmann (dpa)
Berlin

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin,gratuliert in der Berliner TV-Runde der Kanzlerin als erster. „Herzlichen Glückwunsch, das war ein großer Wahlsieg“, sagt er und Merkel lächelt. Schwarz-grüne Lockerungsübungen oder nur die übliche Etikette? SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigt sich weniger kooperativ. „Der Ball ist im Spielfeld von Frau Merkel“, sagt er und rät seiner Partei, nicht in eine große Koalition, sondern in die Opposition zu gehen. Die SPD habe keinerlei Anlass, sich auf „Koalitionsspielchen“ einzulassen.

Natürlich bedauere sie, wenn die FDP nicht in den Bundestag kommen werde, sagt Merkel, hält sich aber nicht lange mit dem Absturz der Liberalen auf. „Ich freu mich heute Abend erst einmal“, sagt sie. Es war Merkels Wahlkampf, ihre Kampagne. Angela Merkel und danach lange nichts. Jetzt ist es vor allem ihr Erfolg, den sie eher still genießt. Kann sie Wahlen gewinnen, hieß es bei den letzten beiden Bundestagswahlen 2002 und 2009 noch. Und auch nach den enttäuschenden 33,8 Prozent vor vier Jahren, dem drittschlechtesten Ergebnis in der Parteigeschichte, rumorte es auch in den eigenen Reihen. Das ist jetzt vergessen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schwärmt: „Das ist einfach überragend. Das ist fantastisch.“ Und Merkel verspricht, auf jeden Fall eine volle weitere Legislaturperiode im Amt zu bleiben.

Fest steht, dass sie sich eine neue Familienministerin suchen muss. Kristina Schröder (CDU) zieht sich zurück. „Ich möchte künftig mehr Zeit für meine Familie haben, vor allem für meine Tochter Lotte.“ Merkel wisse das schon seit Jahresbeginn. Genug Zeit also, um über Ersatz nachzudenken.

 


Von Andreas Herholz
 
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