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Bildungsminister Ludwig Spaenle über Flexijahr, Gemeinschaftsschule und anderes

"Die G8-Debatte ist überholt"

Ingolstadt
erstellt am 23.01.2014 um 21:41 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:24 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Immer wieder kritisieren Lehrer, Schüler und Eltern das achtjährige Gymnasium. Mit dem bayerischen Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) sprachen wir während seines Antrittsbesuchs an der Technischen Hochschule Ingolstadt über mögliche Reformen, das Flexijahr sowie das SPD-Konzept Gemeinschaftsschule.
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Herr Spaenle, die Kritik an der G8-Reform reißt nicht ab. In Hessen führte die Regierung bereits die Wahlfreiheit zwischen dem achtjährigen und neunjährigen Gymnasium wieder ein. Wird Bayern folgen?

Ludwig Spaenle: Ich halte die Debatte über acht oder neun Jahre Gymnasium für völlig überholt. Wir wollen den Schülern eine individuelle Lernzeit geben. Der einzelne Schüler kann für sich selbst entscheiden, ob er acht oder neun Jahre lang in die Schule geht. Beim Flexijahr können Schüler für sich selbst entscheiden, ob sie in der achten, neunten oder zehnten Klasse ein Extrajahr einlegen wollen.

 

Laut dem Philologenverband löst das Flexijahr jedoch nicht das Grundproblem, nämlich den Zeitmangel in der Mittelstufe, und weckt deshalb bei den Schülern bisher wenig Interesse.

Ingolstadt: "Die G8-Debatte ist überholt"
Hauser
Ingolstadt

Spaenle: Es ist erstaunlich, dass der Philologenverband Zahlen hat, die noch nicht einmal ich kenne. Frühestens nach dem ersten Schulhalbjahr können wir überhaupt wissen, wie viele sich für das Flexijahr melden, weil bis dahin die Anmeldung läuft. Wichtig ist: In Bayern darf jeder Schüler selbst entscheiden, ob er etwa die zehnte Klasse noch einmal wiederholt.

 

Hier wird kritisiert, dass die Schüler sich in der zehnten Klasse, wo das Flexijahr am sinnvollsten ist, dagegen entscheiden, weil sie dann nicht mehr wiederholen könnten.

Spaenle: Die Kultusministerkonferenz hat schon lange eine Vereinbarung getroffen. Die Folge, dass die Schüler dann nach einem Flexijahr in der Zehnten nicht mehr wiederholen können, legen wir in unserem Gesamtkonzept dar. Da gibt es auch völlig neue Modelle: Junge Leute können etwa ein halbes Jahr im Ausland verbringen, um ein zweites Halbjahr speziell für die Vorbereitung der Kursphase zu nutzen. Dieses Beispiel gibt es etwa im Raum Augsburg. Das ist ein neuer Ansatz. Insofern plädiere ich dafür, den Schulen die Zeit zu geben. Wenn wir dann später sehen, dass etwas verbessert werden soll, können wir das dann tun.

 

Sollte das Flexijahr in einem Jahr unbeliebt sein, sind also neue Reformen denkbar?

Spaenle: Ich weiß nicht, anhand welcher Zahl man festmachen sollte, dass das Flexibilisierungsjahr ein Erfolg ist oder nicht. Für mich ist es ein geeignetes Konzept, das allen Schülern zur Verfügung steht und auch anhand ihrer Erfahrungen weiterentwickelt werden soll. Auch der Philologenverband wird in einem Jahr wieder neue Überlegungen vorstellen. Für Anregungen bin ich natürlich offen. Allerdings halte ich von einer generellen Debatte über die Frage G8 oder G9 wenig. Die Schulen brauchen auch Raum und verlässliche Rahmenbedingungen.

 

Allerdings brauchen Schulen auch Schüler. In der Region wollen die Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg ihre Schulstandorte mit dem SPD-Konzept der Gemeinschaftsschule retten. Hat der Modellversuch eine Chance?

Spaenle: Die CSU ist mit einer ganz klaren Agenda in die Wahlen gegangen. Die Forschung bestätigte, dass die Gesamtschulen in Deutschland die schlechtesten Ergebnisse liefern: Leistungsstärkere wurden zu wenig gefordert, Leistungsschwächere zu wenig gefördert – und nichts anderes ist die Gemeinschaftsschule. Die Initiatoren sprechen außerdem selbst von einer Mindestschülerzahl für eine Gemeinschaftsschule von 200. Dafür müsste man dann wieder einige bestehende Schulen schließen. Wir gehen den Weg der Schulverbünde, in denen die Mittelschulen kooperieren. So konnten wir die Schulschließungen dramatisch zurückfahren.

 

Der Verein Bildung und Limes hat im August 2013 dennoch einen Antrag für den Modellversuch einer Gemeinschaftsschule gestellt. Wann gibt es eine Entscheidung?

Spaenle: Das werden wir in aller Ruhe beraten. Allerdings hat Denkendorf eine Mittelschule, die wir bewusst nicht geschlossen haben und wo jetzt wieder Klassen starten konnten.

 

Das klingt eher nach einem Nein.

Spaenle: Ich werde dazu jetzt keine Aussage machen. Meine Grundeinstellung zur Gemeinschaftsschule ist bekannt.

 

Das Gespräch führte

Desirée Brenner.

Donaukurier
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