Dienstag, 11. Dezember 2018
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Torsten F. Barthel, Experte für Bestattungsrecht, über die Rückführung im Ausland Verstorbener

"Behörden müssten die Urne herausrücken"

Herr
erstellt am 13.01.2013 um 20:58 Uhr
aktualisiert am 13.01.2013 um 21:45 Uhr | x gelesen
Herr Barthel, mein Angehöriger stirbt plötzlich im Urlaub. Wie bringe ich seine Leiche ins Heimatland zurück
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Torsten F. Barthel: Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Es gibt ein internationales Abkommen über die Beförderung von Leichen aus dem Jahr 1937. Da steht drin, dass man einen Leichenpass braucht. Den bekommt man beim örtlichen Gesundheitsamt. Dann kann man die Leiche durch einen Bestattungsunternehmer ausführen lassen. Türkische Verstorbene etwa werden oft in die Türkei überführt, in einem dicht verschlossenen Zinksarg.

 

Beim Export von Urnen gibt es anscheinend größere Schwierigkeiten.

Barthel: Wenn die Einäscherung noch in Deutschland erfolgt, wird es etwas komplizierter. Dann muss man nämlich nachweisen, dass die Bestattung der Urne im Ausland gewährleistet ist. Hat man die Bestätigung eines ausländischen Bestattungsinstituts vorgelegt, kann man die Urne einfach per Post verschicken.

 

Darf man die Urne nicht selbst mitnehmen?

Barthel: In den meisten Bundesländern – außer in Nordrhein-Westfalen – darf die Urne den Hinterbliebenen nicht direkt ausgehändigt werden. Da muss immer ein Bestattungsunternehmer kommen. In NRW hat man ein etwas liberaleres Gesetz: Da darf die Urne den Angehörigen ausgehändigt werden, aber nur, um sie einem Bestatter zu überbringen. Man darf die Urne ein paar Tage daheim behalten, muss sie dann allerdings auch auf einem Friedhof beisetzen.

 

Und wenn man die Urne daheim im Wohnzimmer aufstellen möchte? In den USA zum Beispiel ist das ja erlaubt.

Barthel: Dann wird der Export schwierig, weil die deutschen Behörden ja immer einen Bestattungsnachweis sehen wollen. Andererseits gilt auch das Prinzip, dass das Bestattungsrecht des Landes gilt, in dem der Verstorbene schlussendlich beigesetzt werden soll. Wenn also jemand die Asche in den Schweizer Alpen verstreuen will – was in der Schweiz erlaubt ist, in Deutschland aber nicht – dürfen sich die deutschen Behörden eigentlich nicht dagegen sperren. Auch wenn jemand die Urne seines verstorbenen Angehörigen in den USA auf den Kaminsims stellen will, müssten die deutschen Behörden die Urne herausrücken. Sie machen es aber nicht immer. Das ist weniger ein rechtliches Problem als ein Problem der deutschen Konventionen. Die Behörden schalten einfach oft auf stur.

 

Der Angehörige müsste also klagen?

Barthel: Ja, am besten im Eilverfahren beim Verwaltungsgericht. Und er würde auch gewinnen.

Woher kommt denn eigentlich die deutsche Bestattungspflicht?

Barthel: Das hat mit dem Pietätsempfinden zu tun und mit Seuchenprävention. Von unbestatteten Leichen können ja gesundheitliche Gefahren ausgehen. Von Urnen geht aber keine Gesundheitsgefahr aus, manche afrikanischen Völker essen die Asche sogar. Die Beisetzungspflicht von Urnen wird mit Pietät begründet. Das ist eine deutsche Besonderheit. Sie dürfen die Urne auch nicht im Garten beisetzen oder im eigenen Mausoleum daheim. Manchmal gibt es aber Ausnahmen, für kirchliche Würdenträger zum Beispiel, die in einem Dom beerdigt werden sollen.

 

Die Fragen stellte Julia Romlewski.

 

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