Dienstag, 18. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Bewegender Staatsakt mit Merkel, Gauck und Kissinger für den verstorbenen früheren Bundeskanzler in Hamburg

"Lieber Helmut Schmidt, Sie werden uns fehlen"

Hamburg
erstellt am 23.11.2015 um 21:02 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:21 Uhr | x gelesen
Hamburg (DK) „Ich verneige mich in tiefem Respekt vor einem großen Staatsmann, vor einem großen Deutschen und Europäer“, sagt Angela Merkel. „Lieber Helmut Schmidt, Sie werden uns fehlen.“ Der letzte Gruß der Kanzlerin an einen von ihr so geschätzten Vorgänger. Dann wird es still in der Hamburger St.-Michaeliskirche.
Textgröße
Drucken
 



Hamburg: "Lieber Helmut Schmidt, Sie werden uns fehlen"
Foto: DK
Hamburg

Es ist ein bewegender Abschied von Helmut Schmidt. Alle sind sie gekommen, um dem verstorbenen Altkanzler die letzte Ehre zu erweisen, die Führungsetage des Staates und der EU, Freunde und Weggefährten aus aller Welt. Die Spitzen von Staat und Politik sowie Staatsgäste aus ganz Europa verneigen sich vor dem Sarg. Ein Staatsakt mit 1800 geladenen Gästen, danach die militärische Zeremonie zum Abschied – nur ganz wenigen wird diese besondere Ehre zuteil.

Bundespräsident Joachim Gauck führt Schmidts Tochter Susanne an ihren Platz. Staatsakt in der St.-Michaelis-Kirche, dem „Michel“, wie die Hamburger ihr Wahrzeichen liebevoll nennen. So hatte es sich Helmut Schmidt gewünscht.

Vor dem Marmoraltar ist der in die schwarz-rot-goldene Bundesflagge gehüllte Sarg aufgestellt: Üppige Sonnenblumen davor, prächtige weiße Lilien und Hortensien an den Seiten. Die Spätherbstsonne leuchtet die Wände warm aus und lässt den goldenen Stuck der imposanten Barockkirche am Elbufer glänzen. Das Philharmonische Staatsorchester der Hansestadt unter seinem Dirigenten Kent Nagano spielt Bach, den Lieblingskomponisten des Altkanzlers.
 


Rund um den „Michel“ herrscht die höchste Sicherheitsstufe. Ganze Straßenzüge sind abgesperrt, Scharfschützen wachen auf den Dächern, die Gäste müssen sich strengen Sicherheitskontrollen unterziehen. Die Terror-Bedrohung wirft auch hier ihre Schatten.

Schmidt sei „eine Klasse für sich“, schwärmt die Kanzlerin in ihrer Rede. Sein politisches Handeln sei von Verantwortung und Standhaftigkeit geprägt gewesen, deshalb habe man ihm vertraut. Schmidt hinterlasse tiefe Spuren. „Er brannte für die Demokratie“, würdigt die Regierungschefin den früheren SPD-Politiker. „Wenn Helmut Schmidt überzeugt war, das Richtige zu tun, dann tat er es“, sagt die Kanzlerin, so als sei dies auch ihre Devise.

Vom Krisenmanager bei der Hamburger Sturmflut 1962 über den deutschen Herbst 1977, den Terror der RAF und die Befreiung der Geiseln der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Mogadischu bis zum Ringen um den Nato-Doppelbeschluss – Merkel und auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeichneten das Bild des Machers, des Pragmatikers, der gezeigt habe, „wie anständige und verantwortliche Politik aussieht“, so Scholz.

Auch Henry Kissinger ist gekommen, 60 Jahre lang verband den früheren US-Außenminister und Schmidt eine enge Freundschaft, die „ein unaufhörliches Streben nach Wahrheit und Weisheit“ gewesen sei. Die lange Freundschaft sei „ein Pfeiler“ in seinem Leben, auch wenn man bis zuletzt – typisch Schmidt – nicht zum vertrauten Du übergegangen sei. Kissinger beschreibt Schmidt als Pragmatiker, der dennoch auch Mut und Visionen verkörpert, die schicksalhaften Herausforderungen seiner Generation gemeistert habe, auch wenn er dies nicht für sich reklamiert hatte. „Eine Welt ohne ihn ist leer“, trauert der Weggefährte.

„Als wäre ein guter Freund gegangen“, beschreibt Pastor Alexander Röder das Gefühl, das während der Trauerfeier herrscht, das aber wohl auch viele Hamburger teilen, die an den Straßen der Hansestadt warten, um ihrem Altkanzler einen letzten Gruß mit auf den Weg zu geben, als sich die Wagenkolonne auf den Weg zur letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Ohlsdorf macht. Dort wird er eingeäschert und im Familiengrab neben seiner Frau Loki bestattet.

Von Andreas Herholz
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!