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ZdK-Präsident Thomas Sternberg über Kirche, Laien und Europa

"Sich auf Stärken besinnen"

Herr
erstellt am 23.03.2017 um 21:15 Uhr
aktualisiert am 24.03.2017 um 11:14 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, spricht im Interview über die Kirche, Laien und Europa.
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Herr Sternberg, wie wichtig ist der Kirche eigentlich die Laienarbeit?

Thomas Sternberg: Der Heilige Vater hat dazu Wichtiges gesagt: Die Laien sind schlicht die überwiegende Mehrheit des Volkes Gottes. In ihrem Dienst steht eine kleine Minderheit, die geweihten Amtsträger.Laien kann man deshalb nicht wichtig oder unwichtig nehmen: Sie sind das Gottesvolk.

 

Ist die Kirche immer noch zeitgemäß oder braucht es dringend noch mehr Reformen, als sie Papst Franziskus anstößt?

Sternberg: Das ist eine schwierige Frage. Es muss immer und überall mehr passieren. Ich denke, wir haben in dieser Kirche immer Phasen von Aufbruch und Konsolidierung gehabt. Nun haben wir einen Papst, der vom anderen Ende der Welt kommt, der alles aufwirbelt und aufmischt, aber auch deutlich macht, dass man aus anderen Perspektiven das Gleiche denken kann.

 

Würden Sie denn in so einem Reformprozess die Weihe von verheirateten Männern - den "viri probati" - zu Priestern befürworten?

Sternberg: Die Frage der Zulassung zum Priesteramt ist eine wichtige Frage - nicht, weil ich gerne über den Zölibat diskutiere. Vorrang hat doch die Eucharistiefeier in den Gemeinden als Mitte und Höhepunkt. Dass diese möglich ist, da brauchen wir Priester. Hier muss man eben fragen, wie man dazu kommt. Da sind sicher "viri probati" eine Möglichkeit. Ich finde, da muss man jetzt etwas deutlicher werden: Die Not wird groß.

 

Gehen wir weg von innerkirchlichen Fragen. Europa steht auf den Fundamenten christlichen Glaubens. Bröckeln diese Fundamente allmählich?

Sternberg: Bröckeln nicht. Aber ich glaube, dass Europa schon seit Langem in einem Selbstverständigungsprozess ist, der notwendig, aber auch schmerzhaft ist. Durch Kolonialismus und Imperialismus ist irgendwann die ganze Welt europäisch geworden. Jetzt fragt sich Europa: Was macht uns denn eigentlich aus? Wer sind wir? Diese Frage muss gestellt werden. Aber sie muss anders gestellt werden als im Sinn eines klammernden Festhaltens an Restbeständen, die zu bewahren sind. Man muss eher die Gedanken des Papstes bei der Karlspreis-Verleihung aufgreifen: Er habe immer die Fähigkeit zu Dialog, Integration und Kreativität an Europa bewundert. Sich auf diese Stärken zu besinnen, das macht Europa aus. Ich bin sicher, dass dieser europäische Gedanke nicht am Ende ist, sondern vielleicht erst am Anfang steht.

 

Sie vertrauen also auch weiterhin auf die Solidarität innerhalb der europäischen Gemeinschaft?

Sternberg: Die ist ganz ohne Frage wichtig. Auch das genauere Hinsehen, wo unsere gemeinsamen freudvollen und leidvollen Erfahrungen in der Geschichte liegen. Diese Geschichte dieses Europas ist wesentlich verbunden mit dem christlichen Gedanken. Es gilt, sich wieder stärker darauf zu besinnen, zum Beispiel auf die große Bedeutung der Sozialgeschichte und der Sozialverantwortung, die in Europa geboren worden ist. Das wieder starkzumachen, das steht auch uns Christen an. Darum haben wir uns als Zentralkomitee der Deutschen Katholiken gerade die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Freunden, vor allem die Stärkung der deutsch-polnischen Freundschaft, ganz oben auf unsere Agenda gesetzt.
 

Die Fragen stellte Marco Schneider.
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