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Über Gregor Gysis Rolle in der DDR wird noch immer gestritten Weggefährtin Eva Bulling-Schröter bezeichnet ihn als intelligent und witzig

Die Ikone der Linken wird 70 Jahre alt

Berlin
erstellt am 15.01.2018 um 20:51 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 21:33 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) Er war einst unter den Gründern der gesamtdeutschen Linken, ist prominentester Sympathieträger seiner Partei und ein pointensicherer Redner. Seit Jahrzehnten prägt Gregor Gysi die politische Debatte in Deutschland mit. Heute wird der langjährige Frontmann der Linken 70 Jahre alt. Zum Geburtstag gibt es jede Menge Lob - auch parteiübergreifend. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sagt, Gysi habe immer draufhauen können, "aber nie mit dem Säbel, sondern immer mit dem Florett". Der Linke sei nur in der falschen Partei. Für Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) ist Gysi ein "Popstar in der Politik". Beide äußern sich in einem Dokumentarfilm, in dem der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) Stationen des Rinderzüchters, Juristen und Ex-Chefs der Linksfraktion zeigt.
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Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, fordert mit Blick auf eine mögliche große Koalition aus Union und SPD im Bund eine Neuregelung der parlamentarischen Rechte der Opposition. Gysi befürchtet Sterben des Parlamentslebens
© 2013 AFP
Berlin

Heute ist Gysi Chef der Europäischen Linken, als einfacher Abgeordneter sitzt er zudem weiter im Bundestag - oben links auf einem selbstgewählten Platz. Von da habe er den besten Überblick, sagt er grinsend. Auch nach zwei Herzinfarkten kann Gysi nicht von der Politik lassen. Doch bei den Linken im Bund fanden seine Plädoyers für Kompromisse zugunsten einer rot-rot-grünen Koalition zuletzt im Bundestagswahlkampf wenig Gehör. Als ostdeutscher Anwalt verteidigte Gysi DDR-Dissidenten, nach dem Mauerfall war er Vorsitzender der aus der Staatspartei hervorgegangenen SED-PDS, gemeinsam mit Oskar Lafontaine bahnte er dann den Weg zur Linken, die im Jahr 2007 letztlich aus der ostdeutschen Linkspartei und der westdeutschen WASG entstand.

Gregor Gysi wuchs in einem für DDR-Verhältnisse eher ungewöhnlichen Elternhaus auf, Künstler und Schriftsteller gingen ein und aus. Vater Klaus war unter Walter Ulbricht Kulturminister, später Botschafter in Rom und dann Staatssekretär für Kirchenfragen. Über seine Mutter sagt Gysi in der Dokumentation des MDR: Ihr Stil sei immer adelig gewesen. Sie hätten zu Hause Bridge und Monopoly gespielt - "da habe ich den Kapitalismus kennengelernt".

Lothar de Maizière, Anwaltskollege aus Ostzeiten, Vater des aktuellen Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) und erster frei gewählter DDR-Ministerpräsident, sagt mit sanfter Ironie über Gysi: "Was seine Eitelkeit befriedigt, lässt er raus." Das könne einem schon mal mächtig auf den Keks gehen. Und der aktuelle Linksfraktionschef Dietmar Bartsch gibt augenzwinkernd zu Protokoll, sein Vorgänger im Amt schaffe es keine 20 Meter weit, ohne angesprochen zu werden.

Lange schwelte der Vorwurf, Gysi könnte Mandanten an die Stasi verraten haben. In etlichen Prozessen wehrte er sich dagegen. Er habe nie wissentlich oder willentlich für die Staatssicherheit gearbeitet, betonte er immer wieder. "Ich nehme die Schweigepflicht ernst - das war mir auch in der DDR wichtig, eine bestimmte Grenze hätte ich nie überschritten", sagt Gysi. Als junger Anwalt mit SED-Mitgliedschaft hatte Gysi auch Robert Havemann verteidigt, der wegen seiner DDR-Kritik mit Berufsverbot und Hausarrest belegt war. Es sei ihm zwar kein Freispruch gelungen, aber der Arrest sei aufgehoben worden.

Den hohen Unterhaltungswert Gregor Gysis hebt auch seine langjährige politische Weggefährtin Eva Bulling-Schröter aus Ingolstadt hervor. "Ich halte Gregor für einen der intelligentesten und witzigsten Politiker", sagt die frühere Bundestagsabgeordnete, die bei der kommenden Landtagswahl für einen Sitz in München kandidiert. "Er kann politische Themen so darstellen, dass jeder es versteht." Wichtig sei auch seine Rolle als Chef der europäischen Linken. "Ich wünsche ihm, dass er noch lange Freude an der Politik hat."

Von Jutta Schützund Basil Wegener
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