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Heute soll Angela Merkel zum vierten Mal vom Bundestag zur Kanzlerin gewählt werden

Auf den Spuren Kohls und Adenauers

Berlin
erstellt am 13.03.2018 um 20:56 Uhr
aktualisiert am 13.03.2018 um 21:14 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) Um 12 Uhr soll Angela Merkel heute vor dem Bundesadler im Reichstagsgebäude die Hand heben und nach ihrer Wahl zum vierten Mal den Eid sprechen. Die Kanzlerin ist am Ziel. Hatte es zuletzt noch so ausgesehen, als sei Merkels politisches Ende nahe, hat sie es noch einmal geschafft, ein neues schwarz-rotes Bündnis zu schmieden.
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Er sei "ganz sicher", dass sie zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt werde, rechnet Unionsfraktionschef Volker Kauder mit einem klaren Votum.

Merkels Krönung - in ihrem Büro im Reichstag pflegt die Kanzlerin nach der Wahl mit ihren engsten Vertrauten anzustoßen, bevor das Prozedere der Regierungsbildung weitergeht. Doch die Kanzlerinnenwahl sehen nicht wenige auch in den Reihen der Union als Beginn der letzten Etappe ihrer politischen Karriere. Von Merkel-Dämmerung war da bereits die Rede, nachdem der Versuch, ein Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen zu schmieden, gescheitert war. Fast sechs Monate Sondierung und Verhandlung - so lange hat es in der Bundesrepublik noch nie bis zu einer Regierungsbildung gedauert. Dass Merkel 2021 womöglich noch ein fünftes Mal antreten könnte, davon gehen indes nur die wenigsten aus.

Hat Merkel schon einen Ausstiegsplan im Hinterkopf? Ist der Rückzug 2019 oder 2020 in der Legislaturperiode beschlossene Sache? Angela Dorothea Merkel regiert seit mehr als zwölf Jahren das Land. Gerhard Schröder, Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und schließlich Martin Schulz - vier SPD-Männer zogen den Kürzeren gegen sie. In der CDU blieb ein Rivale nach dem anderen auf der Strecke. Merkel war es, die in der Spendenaffäre mit dem "Trennungsbrief" den Bruch mit Helmut Kohl vollzog und am 10. April 2000 als Parteichefin sein Erbe antrat. Ob Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz oder Roland Koch - die Liste der Merkel-Opfer ließe sich noch verlängern.

Dabei musste auch Merkel viel aushalten. 2002 stieß sie auf Gegenwind, als es um die Kanzlerkandidatur der Union ging. Merkel musste am Ende CSU-Mann Edmund Stoiber den Vortritt lassen, war als "Zonenwachtel" verspottet worden. Stoiber verlor gegen Schröder. Der Weg für Merkel war frei. Sie gewann 2005 knapp gegen den Amtsinhaber, rettete sich in die große Koalition. Am 22. November 2005 war Merkel im Kanzleramt angekommen.

Inzwischen hat sie nicht nur ihren direkten Vorgänger bei der Amtszeit überholt. Nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl regierten einst länger. Will Merkel es Kohl nachmachen, ihrem politischen Ziehvater, der 16 Jahre regierte? Nicht mehr ganz so unangefochten steht Merkel immer noch an der CDU-Spitze. Nach ihr kommt bei den Christdemokraten erst einmal nichts. Doch in der neuen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sehen viele in der Partei eine mögliche Nachfolgerin.

Merkel moderiere nur, führe zu wenig. Ihr fehlten Leidenschaft und Visionen, kritisiert nicht nur der politische Gegner. Merkels Kurs der Erneuerung der CDU, ihre Strategie, die Partei mehr in die Mitte zu rücken, ist parteiintern nicht unumstritten. Sie habe die Sozialdemokratisierung der CDU betrieben, so der Vorwurf. Doch schien ihr der Erfolg lange Recht zu geben. Familienministerin, Umweltministerin, Generalsekretärin, Parteichefin, Partei- und Fraktionsvorsitzende, Oppositionsführerin, Regierungschefin - ein rasanter Weg in nur fünfzehn Jahren.

Gleich zu Beginn ihrer vierten Amtszeit steht die Kanzlerin aber unter Druck, muss liefern. Entlastungen und mehr Unterstützung für Familien, Begrenzung der Migration und ein Masterplan für mehr Sicherheit. Jede Menge Arbeit für Merkel und ihre vierte Bundesregierung. Doch heute wird sicher erst einmal gefeiert.

Von Andreas Herholz
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