Dass er kein strahlender Sieger der Landtagswahl vom 14. Oktober ist, eher einer, der das Schlimmste verhütet hat, weiß der selbstbewusste Franke selbst am allerbesten. Entsprechend war ihm gestern bei seinem ersten Auftritt als alter und neuer Ministerpräsident Erleichterung anzumerken, dazu mehr als nur ein Quäntchen jener Demut, die Söder schon am Wahlabend beschworen hatte.

Von Stil und Anstand sprach er nach seiner Wiederwahl im Landtag, von Verständnis für die Argumente des anderen - und das alles in ruhigem, fast sanftem Tonfall und mit bedachtsam gewählten Worten. Keine Frage: Markus Söder gibt nach den harten Monaten des Wahlkampfes den Versöhner, den Brückenbauer, den Landesvater. Immerhin ist er jetzt nicht mehr - um in der Fußballtrainer-Analogie zu bleiben - der "Feuerwehrmann", der den Abstieg verhindern soll. Er steht nun am Anfang seiner ersten kompletten Saison als Verantwortlicher. Dass die für die bayerische Staatsregierung mindestens so fordernd wird wie die vergangene, scheint angesichts der Fülle von Herausforderungen klar.

So gesehen ist Söders Rede samt Appell zur Gemeinsamkeit - so wohlfeil so etwas bei derlei Gelegenheiten auch sein mag - ein solider Start in die neue Legislaturperiode. Auch wenn man kein Prophet sein muss, um zu unken: Vieles wird - neue Koalition hin, neue Fraktionen im Maximilianeum her - gewiss beim Alten bleiben. Nicht umsonst avancierten "Stabilität" und "Verlässlichkeit" nach der Wahl zu Söders Lieblingsvokabeln. Ob das - flankiert von einem womöglich neuen Führungsstil - reichen wird, die Wählerinnen und Wähler wieder für die CSU zu begeistern? Für den Moment gilt: Die neue Saison hat begonnen, Markus Söder und sein Team dürfen jetzt zeigen, was sie können.