Umso überraschender die Vorstellung des Deutschland-Taktes - das Bundesverkehrsministerium präsentiert einen Plan zur Verdoppelung der Züge und der Fahrgastzahlen: Plötzlich soll die Bahn von einer Randerscheinung im Verkehrsmix ins Zentrum rücken. Was Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) da skizzierte, war umwälzend: Ein großräumiger Ausbau der Schieneninfrastruktur. Schon in zwölf Jahren sollten wesentliche Teile des Projektes umgesetzt sein.

Das Problem: Über die Finanzierung wurde nicht gesprochen. Auf Nachfrage gibt sich das Bundesverkehrsministerium eher zugeknöpft: Der Deutschland-Takt sei in erster Linie als Konzept zu verstehen. Jetzt müsse in die Detailplanung vor allem mit den Regionen gegangen werden und dann müsse man weiter entscheiden. Übersetzt bedeutet das: Scheuer sucht Geldgeber für das Projekt. Die allerdings wird er in den Regionen kaum finden. Schon heute ist die Finanzierung des Schienenverkehrs fast ausschließlich Sache des Bundes. Zwar erwirtschaftet DB Netz über die Trassennutzungsgebühr - die "Schienenmaut" - gutes Geld. Dennoch schießt der Bund jedes Jahr Milliarden für den Erhalt und den vorsichtigen Ausbau des Schienennetzes zu. Die Gelder für den Regionalverkehr kommen ebenfalls aus Berlin. Die Länder geben allenfalls überschaubare Beträge dazu. Woher sollen da plötzlich die zusätzlichen Milliarden für die Umsetzung des Deutschland-Taktes kommen? Zumal noch nicht einmal ansatzweise klar ist, von welchen Summen überhaupt ausgegangen werden muss.

Letztlich hat Scheuer eine Revolution des Verkehrssystems in Deutschland skizziert, denn ein solcher Schub für den Bahnverkehr hätte zugleich eine dramatische Entlastung der Straßen und der Umwelt bedeutet. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus: Der Deutschland-Takt ist nichts anderes als ein schöner Traum.