Der US-Präsident, der die Medien sonst scheut wie der Teufel das Weihwasser, gibt sich bei einer Pressekonferenz übertrieben gut gelaunt, scherzt und schäkert. Er verkauft sein gerade beendetes Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un als "großartigen Tag für die Geschichte" und überbringt eine "Botschaft von Hoffnung und Frieden".

In der Tat wurde die Menschheit gestern Zeuge eines historischen Ereignisses. Der 13 Sekunden währende Händedruck von Singapur könnte die Welt nachhaltig verändern - könnte. Letztlich trägt Trump ganz schön dick auf. Angesichts seiner einseitigen Aufkündigung des Atomdeals samt wachsender Bedrohung durch den Iran, des Ausstiegs aus dem Pariser Klimaabkommen und der Handelsstreitigkeiten mit Europa ist die außenpolitische Bilanz des US-Präsidenten insgesamt miserabel. Und eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer.

Dass Donald Trump die Fortschritte in der Korea-Krise nicht ohne Eigenlob auskostet, verwundert daher nicht. Die Ergebnisse, die er und sein Widersacher aus Pjöngjang vorgelegt haben, regen aber durchaus zum Staunen an. Die Zeit der Worte ist beendet. Kim verpflichtet sich nun schriftlich, auf die "vollständige Denuklearisierung hinzuarbeiten". Außerdem will man eine dauerhafte Friedenslösung zwischen den verfeindeten koreanischen Staaten - was das Ende des de facto noch immer anhaltenden Kriegszustandes bedeuten könnte.

Doch bevor nun wieder Rufe aufkommen, der US-Präsident solle irgendwann mit dem Friedensnobelpreis dekoriert werden, lohnt ein genauer Blick auf die Rahmenbedingungen:
Der gestrige Gipfel ist keineswegs Resultat einer freundschaftlichen Annäherung zwischen Trump und Kim gewesen. Er fußte vielmehr auf knallharten Sanktionen, die das Leben von Millionen bettelarmer Nordkoreaner noch unerträglicher gemacht haben. Kim und seinem Führungszirkel steht das Wasser innenpolitisch bis zum Hals. Er muss sich öffnen, um nicht das blutige Schicksal so vieler anderer Machthaber zu teilen. Zudem lassen Trumps oft ungehobelte Äußerungen und aggressiven Tweets leicht vergessen, dass auch Chinas diplomatische Mühen einen immensen Anteil an Kims erstaunlicher Wandlung haben.

Und da beginnen die Probleme. Der von Trump und Kim unterzeichnete Kontrakt ist vage formuliert. Weitere Verhandlungen über die Zukunft Koreas und das Verhältnis des Nordens zu den USA werden folgen müssen. Da wird Peking ein gehöriges Wörtchen mitreden wollen. Denn die Annäherung zwischen Washington und Pjöngjang bedeutet für China auch einen gewissen Verlust an Einfluss in der Region. Für das Reich der Mitte ist das nicht hinnehmbar.
Außerdem muss man sich bewusst machen, dass weder Trump noch Kim dafür bekannt sind, eisern zu ihrem Wort zu stehen. Und so stimmt auch dank Trump die Richtung in der Korea-Krise, die Zeit für Euphorie ist aber noch nicht gekommen.