Nach der Wahl
Ergriffen: Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl auf dem CDU-Bundesparteitag in Hamburg.
Christian Charisius
Kommentar
So wichtig und wohltuend der Weg im Kandidatencasting bis hin zur Wahl am Freitag in Hamburg war, so ernüchternd liest sich nun das Ergebnis für all die, die auf eine Revolution gehofft hatten. Die Aufbruchstimmung der vergangenen Wochen ist schon fast wieder verflogen. Kontinuität ist angenehm, aber eben auch mutlos.

Während Friedrich Merz die Erneuerung der Partei forscher und radikaler angegangen wäre, will AKK, wie Annegret Kramp-Karrenbauer gerufen wird, den Übergang gemäßigt gestalten. Kontrolle statt Konfrontation. Das ist indes eine gefährliche Taktik. Denn die Anforderungen an AKK sind immens: Die Merkel-Nachfolgerin muss der Partei neues Leben einhauchen, enttäuschte Wähler zurückgewinnen und die Macht in Berlin und den Landesparlamenten sichern. Dazu muss sie eine gespaltene Partei zusammenführen und bestenfalls ihre beiden Widersacher, Friedrich Merz und Jens Spahn, ins Boot holen. Nicht zu vergessen: Die Hälfte der Delegierten hat AKK ihre Stimme verweigert und hätte lieber Merz an der Spitze gesehen. Ein "Weiter so" darf es also nicht geben, wenn AKK - und davon ist auszugehen - auch ein Auge auf die Nachfolge Merkels als Bundeskanzlerin geworfen hat. Bei ihrer Rede hat Kramp-Karrenbauer zumindest schon mal unterstrichen, dass sie keine Merkel-Kopie sein will.

Und dennoch: Ein Signal des Aufbruchs geht von diesem Parteitag nicht aus, obwohl der faire Wahlkampf von Merz, Spahn und Kramp-Karrenbauer gezeigt hat, wie viel Potenzial in der Partei steckt. Mit der Wahl Kramp-Karrenbauers haben die Delegierten nun die sichere Variante gewählt. Für einen Neuanfang mit einem Mann, der einen unbefangenen Blick von außen mitgebracht hätte, hat der Mut der CDU nicht gereicht.

.