Die Mannschaft: außer Form, verliert sogar gegen Österreich. Der Teamgeist und der Schulterschluss mit den Fans: bröckelt nach der Erdogan-Affäre um Ilkay Gündogan und Mesut Özil gewaltig. Das WM-Quartier: ein trostloser Plattenbau im Nirgendwo, in dem der Lagerkoller unausweichlich ist. Und dann ist da noch die Statistik: Die WM-Turniere 1938, 1958, 1978 und 1998 gehören zu den schlechtesten der DFB-Geschichte - nach dem Gesetz der Serie geht also auch die WM 2018 in die Hose.

Stopp! Hinauf mit den hängenden Mundwinkeln! Was ist denn wirklich passiert? Zweifellos war Özils und Gündogans Teilnahme am Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten inklusive gemeinsamer Fotos eine ziemlich dämliche Idee. Özils beharrliches Schweigen macht die PR-Aktion für Erdogans autokratisches Regime nicht erträglicher, auch das Krisenmanagement des DFB hätte durchdachter verlaufen können. Doch anstatt die beiden vermeintlich unpatriotischen Fußballer nun wochenlang zu verdammen und ihren Ausschluss aus der Nationalelf zu fordern, könnte die Affäre für Politik, Medien und Gesellschaft auch der Startschuss für eine Debatte über die Zerrissenheit vieler Deutscher mit Migrationshintergrund sein - dann hätte sie vielleicht sogar etwas Sinnstiftendes und Kathartisches gehabt.

Die sportlichen Sorgen sind bei genauerem Hinsehen ohnehin marginal: Vermurkste Testspiele gehören bei der DFB-Auswahl fast schon zum guten Ton, sie ist schließlich nicht umsonst als "Turniermannschaft" gefürchtet. Außerdem hat Bundestrainer Joachim Löw keine Verletzten zu beklagen - sogar Torwart Manuel Neuer ist rechtzeitig fit geworden! Nicht zuletzt geht Deutschland als Titelverteidiger ins Rennen. Mit einer Mannschaft, um die Löw fast alle anderen Teilnehmer beneiden. Die Chancen stehen nicht so schlecht, dass Deutschland in vier Wochen mehr als nur Pessimismus-Weltmeister ist.