Selbst Neuwahlen schienen möglich, als Union und SPD ihren unsinnigen Streit um Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen fast auf die Spitze trieben. Am Ende stand ein lauwarmer Kompromiss, Maaßen landete - wenn auch nicht als hochdotierter Staatssekretär - im Innenministerium von CSU-Chef Horst Seehofer.

Seit gestern scheint sicher, dass man sich auch diesen Streit hätte sparen können. Denn nun wird Maaßen für seine provokanten Äußerungen zu den Vorfällen in Chemnitz, die zum Disput über seine Person geführt hatten, doch nicht belohnt. Er muss seinen Schlapphut nehmen. Bemerkenswert ist aber weniger der Fakt, als vielmehr der Grund: Maaßen soll in seiner Abschiedsrede, die im Bundesamt für Verfassungsschutz bereits die Runde gemacht hat, gegen die Koalition gepoltert und seine Aussagen zu mutmaßlichen "Hetzjagden" in Chemnitz erneut bekräftigt haben.

Es stellt sich die Frage, warum Seehofer dies plötzlich zur Entlassung Maaßens gereicht, wo er noch vor Wochen für dessen Kopf die Koalition geopfert hätte - bei inhaltlich gleicher Sachlage. Noch dringender muss sich aber Maaßen die Frage stellen, weshalb er nicht einfach überglücklich und schweigend seine Stelle in den Niederungen des Innenressorts angetreten hat. So lässt er Seehofer - im Übrigen auch für ihn eine weitere Unannehmlichkeit - keine Wahl.