" In der Nacht zu Mittwoch schwitzte Berlin in der wärmsten Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. In Tegel und Tempelhof wurden Tiefsttemperaturen von 24,4 Grad, in Kreuzberg von 25,3 Grad gemessen. Nicht nur die Menschen stöhnen. Auch Wild- und Haustiere leiden. Einem Hund konnten sie auch in der Tierklinik nicht mehr helfen - er starb an Hitzschlag.

Die richtige Strategie gegen die Hitze heißt Abkühlung. Deshalb bilden sich seit Wochen vor den 27 Berliner Freibädern, darunter zehn Strandbäder, lange Schlangen. Die Geduldsprobe in der brütenden Hitze zerrt an den Nerven: Die Sommerbäder Pankow und Humboldthain mussten in dieser Woche den Einlass aus Sicherheitsgründen stoppen. Vor den Türen der geschlossenen Bäder musste die Polizei anrücken, um Randale zu verhindern. Es kam zu Rempeleien und Wortgefechten zwischen erhitzten Gemütern. Einige versuchten sogar, über den Zaun der Bäder zu steigen. Sie erhielten statt einer Abkühlung Anzeigen wegen Hausfriedensbruch.

Für die landeseigenen Berliner Bäderbetriebe ist dieser Sommer rekordverdächtig. Bereits über 1,31 Millionen Gäste besuchten bis Ende Juli die Freibäder. In der gesamten Saison 2017 waren es nur 1,09 Millionen Besucher. Die Bäderbetriebe betreiben die 27 Freibäder. Das größte und älteste Bad ist natürlich das 1907 eröffnete Strandbad Wannsee mit 130000 Quadratmetern Wasserfläche und 1,28 Kilometer Sandstrand. 1951 sang Conny Froboess "Pack' die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie 'raus nach Wannsee". Weit über die Grenzen von Berlin hinaus wurde dieses Lied berühmt.

Die Berliner sind sehr stolz auf ihre Bäderkultur. Insgesamt gibt es in der Hauptstadt 62 Frei- und Hallenbäder. Aber wie fast überall in der Berliner Infrastruktur hat sich auch bei den Bädern ein gigantischer Sanierungsstau von 230 Millionen Euro aufgebaut. Pro Jahr werden in Berlin zwei bis drei Bäder geschlossen und saniert. Nur reicht der Landeszuschuss von zehn Millionen Euro pro Jahr bei Weitem nicht aus, den Sanierungsstau abzubauen.

Wer die Nerven bei der Hitze noch nicht restlos verloren hat, ist sie spätestens nach einem Besuch in den Kfz-Zulassungsstellen in Lichtenberg und Kreuzberg los. Privatleute haben eine Wartezeit von fünf bis sechs Wochen. Und die Terminbuchung online gibt vor November keinen einzigen Termin mehr frei. Glück hat der Berliner nur, wenn er über die Behördentelefonnummer 115 einen gerade abgesagten Termin buchen kann.
Denn das Geschäft mit den Terminen boomt. Pro Tag werden 80 bis 100 sogenannte "Fake E-Mails" im Online-System gelöscht, darunter E-Mails von nicht seriösen Zulassungsdiensten, die durch das Blocken von Terminen das Angebot verknappen wollen, um Privatkunden zu zwingen, ihre überteuerten Dienste in Anspruch zu nehmen.

Auch die Autohändler haben Wartezeiten von zwei bis drei Wochen. Für manche ist das existenzbedrohend. Sie müssen beim Hersteller finanziell in Vorleistung gehen. Die Bank jedoch zahlt bei Mitfinanzierung erst, wenn der Kfz-Brief vorliegt. Endlich hat die Innenverwaltung auf das Chaos reagiert und 40 zusätzliche Stellen zu den 223 Mitarbeitern im Publikumsbereich der Zulassungsstellen zugesagt. Ende September soll der Antragsberg soweit abgearbeitet sein, dass Händler eine Wartezeit von zwei bis drei Tagen haben. Privatleute müssen weiter lange warten.

In Ingolstadt übrigens beträgt die Wartezeit bei der Zulassungsstelle im Durchschnitt 14 Minuten. Händler oder Zulassungsdienste geben ihre Unterlagen in der Früh ab und holen sie mittags bearbeitet wieder ab.

Neid? Ach nee, denn wir ziehen unseren Trumpf gegen die Hitze: Wer mal wieder frieren will, geht in die Eisbar "Angiyok" in Mitte. Bei minus zehn Grad Celsius ist es dort so frostig, dass wärmende Capes an die Gäste ausgegeben werden. Dazu noch Handschuhe, denn die Drinks werden in ausgehöhlten Eisklötzen serviert. Bei einem Arctic Mojito kann man so richtig abkühlen. Na dann Prost!