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25 Jahre Haft für Schlepper von 71 qualvoll erstickten Flüchtlingen

erstellt am 14.06.2018 um 14:20 Uhr
aktualisiert am 20.06.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Knapp drei Jahre nach dem qualvollen Tod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen in Österreich hat ein ungarisches Gericht die Schlepper zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft will Berufung einlegen.
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Fast drei Jahre nach dem Fund von 71 erstickten Flüchtlingen in einem Lastwagen in Österreich hat ein Gericht in Ungarn die Schlepper zu langen Haftstrafen verurteilt. Die vier Hauptangeklagten müssen für 25 Jahre ins Gefängnis. Sarg eines erstickten Flüchtlings
Fast drei Jahre nach dem Fund von 71 erstickten Flüchtlingen in einem Lastwagen in Österreich hat ein Gericht in Ungarn die Schlepper zu langen Haftstrafen verurteilt. Die vier Hauptangeklagten müssen für 25 Jahre ins Gefängnis.
© 2018 AFP

Knapp drei Jahre nach dem qualvollen Tod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen in Österreich hat ein ungarisches Gericht die Schlepper zu langen Haftstrafen verurteilt. Die vier Hauptverdächtigen, darunter der 31-jährige Kopf der Schleuserbande, müssen für 25 Jahre ins Gefängnis, urteilte das Schwurgericht in Kecskemét am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert und will Berufung gegen das Urteil einlegen.

Der Anführer der Schlepper stammt aus Afghanistan und war einst selbst als Flüchtling nach Europa gekommen. Hauptangeklagte waren neben dem 31-Jährigen zwei Komplizen und der Fahrer des Lastwagens. Bei ihnen handelt es sich um Bulgaren. Zehn weitere Angeklagte, von denen drei noch immer auf der Flucht sind, wurden zu Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verurteilt. Sie stammen mehrheitlich aus Bulgarien.

Staatsanwalt Gabor Schmidt kündigte noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil an. "Das Urteil spiegelt die Bedingungen des Verbrechens nicht ausreichend wieder", sagte Schmidt. Er warf den Schleusern "Mord mit erschwerenden Umständen" und "besondere Grausamkeit" vor.

Der Kopf der Schlepperbande hatte bis zum Ende des Prozesses beteuert, er habe "niemanden töten wollen." Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft konnte es daran aber keinen Zweifel geben: Die ungarische Polizei hatte ein Telefongespräch des 31-Jährigen mitgeschnitten, in dem er seinen Männer untersagte, die Türen des Lastwagens zu öffnen - obwohl die Flüchtlinge in dem Wagen nach Luft schrien.

Der Fund der Leichen an einer Autobahn im österreichischen Burgenland hatte im August 2015 international für Entsetzen gesorgt. Die Toten - 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder - stammten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Sie waren von den Schleppern an der serbisch-ungarischen Grenze in den Kühlwagen gepfercht worden. Über Ungarn sollten sie nach Österreich geschleust werden. Noch auf ungarischem Staatsgebiet erstickten die Flüchtlinge qualvoll. Hinter der österreichischen Grenze stellten die Schlepper den Lkw in einer Pannenbucht an der A4 bei Parndorf ab und flüchteten.

Insgesamt sollen die Schleuser zwischen Februar und August 2015 mehr als 1200 Flüchtlinge nach Österreich gebracht haben, von denen sie jeweils 1000 bis 1500 Euro kassierten.

Der Fund des "Todes-Lkw" war eines der Alarmzeichen der damals heraufziehenden Flüchtlingskrise. Nur vier Tage nach der grauenvollen Entdeckung sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr berühmtes "Wir schaffen das" aus, in der Nacht auf den 5. September 2015 öffneten Österreich und Deutschland angesichts der Notlage zehntausender Flüchtlinge auf der sogenannten Balkanroute kurzzeitig ihre Grenzen.

Kecskemét (AFP)
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