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Witwe von Friedensnobelpreis-Träger Liu Xiaobo auf dem Weg nach Deutschland

erstellt am 10.07.2018 um 11:01 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Nach acht Jahren unter Hausarrest hat die Dichterin Liu Xia, Witwe des chinesischen Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo, China verlassen und befindet sich auf dem Weg Deutschland. Über Helsinki soll sie nach Berlin fliegen.
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Nach acht Jahren unter Hausarrest hat die Dichterin Liu Xia, Witwe des chinesischen Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo, China verlassen und befindet sich offenbar auf dem Weg Deutschland. Über Helsinki soll sie nach Berlin fliegen. Liu Xia (rechts) und ihr Mann Liu Xiaobo im Jahr 2002
Nach acht Jahren unter Hausarrest hat die Dichterin Liu Xia, Witwe des chinesischen Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo, China verlassen und befindet sich offenbar auf dem Weg Deutschland. Über Helsinki soll sie nach Berlin fliegen.
© 2018 AFP

Nach acht Jahren Hausarrest haben Chinas Behörden die Dichterin Liu Xia, Witwe des Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo, nach Deutschland ausreisen lassen. Die 57-Jährige habe die Volksrepublik "auf eigenen Wunsch" zur medizinischen Behandlung verlassen, teilte das Außenministerium in Peking am Dienstag mit. Nach Angaben eines Freundes bestieg sie am Vormittag (Ortszeit) ein Flugzeug Richtung Helsinki. Am späten Nachmittag wurde sie in Berlin erwartet.

Der Ausreise nach Berlin ging eine lange Leidenszeit voraus: Liu Xia stand seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Mann im Jahr 2010 unter Hausarrest. Freunden zufolge leidet sie unter schweren Depressionen.

Der im Berliner Exil lebende chinesische Schriftsteller Liao Yiwu kündigte an, Liu in der deutschen Hauptstadt in Empfang nehmen. Liao schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Ich bin so so so glücklich! Endlich, endlich kommt Xia heute!!"

Die deutsche Botschaft hatte ihr im April Hilfe für eine Aufnahme in der Bundesrepublik angeboten. Die Ausreise der Dichterin fällt mit dem Besuch von Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Berlin zusammen. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums sagte, es gebe keinen Zusammenhang mit dem Treffen Lis mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Li war zu den Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen nach Berlin gereist.

Noch am Montag hatte in Lius Wohnung nichts auf einen baldigen Aufbruch hingedeutet, wie AFP bei einem Besuch bei der Dichterin feststellte. Ein förmliches Interview mit AFP wollte sie dabei nicht führen - aus Angst um ihren Bruder Liu Hui, wie sie sagte. Dieser befindet sich nach wie vor in China.

Lange Zeit hatte Peking die Aufhebung des Arrests abgelehnt, obwohl die Dichterin nie eines Vergehens angeklagt wurde. Liu war gesundheitlich angeschlagen und hatte 2014 nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation einen Herzanfall erlitten, nachdem bei ihr eine Depression diagnostiziert worden war.

Der Tod ihres Mannes im Juli vergangenen Jahres setzte ihr erheblich zu. Anfang Mai äußerte die Dichterin in einem von Liao veröffentlichten Gesprächsmitschnitt den Wunsch zu sterben.

Kurz vor Lius Abflug in Peking sagt ihr Freund Ye Du der Nachrichtenagentur AFP, die Dichterin habe unter einer "sehr schweren" Depression gelitten. Die beiden hätten regelmäßig miteinander telefoniert.

Die USA und die Europäische Union hatten die Pekinger Führung wiederholt aufgefordert, die Dichterin freizulassen und ihr die Ausreise zu ermöglichen, wenn sie dies wünsche. Auch Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen verurteilten den Hausarrest gegen Liu. Im Mai hatten dutzende Schriftsteller aus der ganzen Welt an China appelliert, Lius Ausreise zu ermöglichen.

Ihr Mann Liu Xiaobo war Mitglied der Demokratiebewegung auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989 und Mitverfasser der Charta 08 für demokratische Reformen. Er wurde 2008 inhaftiert und 2009 wegen "Subversion" zu elf Jahren Haft verurteilt.

Im Juli 2017 starb er an den Folgen eines Leberkrebses. Bis zuletzt verweigerten ihm die chinesischen Behörden eine medizinische Behandlung im Ausland. Am Freitag ist in Berlin eine Gedenkkundgebung für Liu Xiaobo geplant.

Die Grünen-Menschenrechtsexpertin Margarete Bause begrüßte die Ausreise, erinnerte aber auch an zahlreiche andere Gefangene in China. "Lius Freilassung muss ein Ansporn sein, weiterhin mit Nachdruck für all diejenigen einzutreten, die weniger prominent oder bekannt sind", erklärte Bause.

Peking (AFP)
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