Kane trifft die Latte
Jude macht’s gut: Real-Star Bellingham schenkt England gegen Serbien den Sieg – und wird lautstark besungen

16.06.2024 | Stand 16.06.2024, 23:09 Uhr |

Der Ball im Tor, der Täter dreht ab: Per Flugkopfball erzielte der im ersten Abschnitt überragende Champions-League-Sieger Jude Bellingham den Führungstreffer. Foto: Pizzoli, afp

Beim Auftakterfolg von Turniermitfavorit England gegen die Serben am Sonntagabend in der Arena AufSchalke zeigte sich mal wieder, wie zentral passendes Liedgut ist. Neben einem Fußballklassiker und der britischen Nationalhymne stand beim 1:0 (1:0) in Gelsenkirchen vor allen ein alter Beatles-Hit im Mittelpunkt; zusammen mit dem Mann, für den ihn die englischen Fans singen.

Zunächst einmal erklang knapp 20 Minuten vor Spielbeginn die inoffizielle Euro-96-Hymne im Stadion, letztmals bei einem England-Spiel im Finale der EM 2020 im Wembley-Stadion eingespielt – ein schlechtes Omen vielleicht, denn das verloren die Engländer bekanntlich. Doch „Football’s Coming Home“ wünschen sie sich weiterhin flehentlich.

Erstmals „God Save The King“ bei einer EM



Dann erlebte die Schalker Arena unmittelbar vor Anpfiff ein Novum in der mehr als 60-jährigen EM-Geschichte. Noch nie zuvor wurde beim Kontinentalturnier auf englischer Seite dem König gehuldigt, immer nur der Königin. Gewonnen hatten die Engländer eine EM unter der Queen noch nie, vielleicht ein besseres Omen. Dass die serbischen Fans unter den 50000 Zuschauern die Hymne niederpfeifen wollten, das rächte sich doppelt: bei ihrer eigenen, da die stimmliche Übermacht im Stadion klar auf englischer Seite lag – und entsprechend ging Serbiens Hymne in gellenden Pfiffen fast unter.

Serben pfeifen, England wie aufgestachelt



Und es rächte sich sportlich, da die Engländer wie aufgestachelt ankamen und bald schon ihre beste Chance auf den Titel besingen konnten: mit dem alten Nummer-eins-Hit „Hey Jude“, so schallte es nach 13 Minuten von den Rängen. Zu Ehren von Real-Madrid-Star und Ex-BVB-Mann Bellingham, der England mit seinem Kopfballtorpedo aus fünf Metern mit 65 km/h den Treffer des Tages schenkte. Fast hätte Bayern-Torjäger Harry Kane eine Kopie folgen lassen. Doch die Latte rettete für Serbien (77).

Bei Bellinghams Tor hatte ManCitys Rechtsverteidiger Kyle Walker wohltemperiert den Flügelflitzer Bukayo Saka (FC Arsenal) hinter der serbischen Fünferkette in Szene gesetzt. In Sakas leicht abgefälschte Flanke warf sich Bellingham vehement.

Von Alexander-Arnold flippert der Ball weg



England hatte danach alles unter Kontrolle. Doch im Aufbauspiel schlichen sich Fehler ein. Ausgerechnet von Trent Alexander-Arnold, den mutmaßlich besten Passgeber im Team, wie Teammanager Gareth Southgate vor der Partie extra betonte und dessen Startelfeinsatz erklärte. Doch von dem Liverpool-Star etwa flipperte der Ball vorm eigenen Strafraum weg (20.). Der ehemalige Premier-League-Torjäger Aleksander Mitrovic (Fulham, jetzt Saudi-Arabien) verpasste haarscharf rechts; Serbiens beste Chance. Und nicht der einzige Stockfehler im technisch sonst so feinen englischen Team.

Viel zu flink und wendig waren die Briten aber für die Serben. Vor allem der Haken schlagende Saka. Mit ihm hatte der Salzburger Strahinja Pavlovic seine liebe Mühe, wenn die Fünferkette mal nicht stand. Doch aus seinen Chancen, wie einen Vorstoß Walkers (25.), machte England zu wenig. Juve-Stürmer Dusan Vlahovic verpasste kurz vor dem Halbzeitpfiff eine scharfe Flanke – und zeigte damit die bekannte Schwäche auf, Englands Innenverteidigung.

Pickford rettet spektakulär



Im zweiten Abschnitt nahmen die Serben den Spielfluss mit vielen Nickeligkeiten. Das Publikum hielt sich selbst und auch die Gäste stimmlich auf Betriebstemperatur. Die Engländer bangten nun um Kontrolle. Keeper Jordan Pickford musste gegen Vlahovic spektakulär über die Latte retten (82.). Die brenzligen Momente häuften sich. Doch am Ende konnten sie für Bellingham das Siegerlied anstimmen.

mgb