Reaktionen nach Klassiker-Pleite
Alarmstufe Rot beim FC Bayern: Spieler und Funktionäre frustriert

31.03.2024 | Stand 04.04.2024, 18:35 Uhr |

„Die Einstellung ist unerklärlich. Es hat von der ersten bis zur letzten Minute an allem gefehlt“, schimpfte Bayerns Verteidiger Joshua Kimmich und nahm seine Mitspieler vor dem Saisonendspurt in die Pflicht. − Foto: Alexandra Beier/afp

Der Frust beim FC Bayern nach der Klassiker-Pleite war riesig. Laut Trainer Thomas Tuchel gebe es „keine Hoffnung mehr. Glückwunsch nach Leverkusen“, verkündete er nach der Niederlage. Es droht ein bitteres Ende einer bislang schon verkorksten Saison.



Thomas Tuchel gratulierte Bayer Leverkusen zur Meisterschaft, Joshua Kimmich stellte die Charakterfrage und blickte mit großer Sorge in Richtung FC Arsenal. „Wenn wir so eine Einstellung an den Tag legen, wird es gegen jeden Gegner schwer – auch nächste Woche in Heidenheim und speziell in der Champions League“, sagte der Nationalspieler nach der Klassiker-Pleite gegen Borussia Dortmund.

Erneut Alarmstufe Rot



Nicht nur bei Kimmich war das Entsetzen nach dem ernüchternden 0:2 (0:1) der Münchner gegen den BVB riesig. Nach einer ohnehin schon verkorksten Saison herrschte vor den Viertelfinal-Duellen in der Königsklasse gegen die Gunners (9. und 17. April) Alarmstufe Rot beim FC Bayern – zum wiederholten Male in diesem Jahr.

„Die Einstellung ist unerklärlich. Es hat von der ersten bis zur letzten Minute an allem gefehlt“, schimpfte Kimmich und nahm seine Mitspieler vor dem Saisonendspurt in die Pflicht. Die zwei freien Ostertage bis Dienstag sollte „jeder auch wirklich nutzen, sich Gedanken zu machen und sich selbst zu hinterfragen, ob das heute alles war“, forderte der Münchner Ersatzkapitän eindringlich. Im Prestigeduell gegen Dortmund habe er nämlich das Gefühl gehabt, „dass das ein Freundschaftsspiel war“.

„Zu wenig Energie, zu wenig Wille“



Auch Sportvorstand Max Eberl war fassungslos. „Das war mein erster German Classico, und dafür war es mir einfach zu wenig. Zu wenig Energie, zu wenig Wille“, monierte er. Thomas Tuchel nahm Eberl von seiner Kritik aus: „Man kann natürlich den nächsten Trainer rauswerfen und sagen: Wieder der nächste Trainer und wieder der nächste Trainer. Also es sind da schon noch die Jungs auf dem Platz, die ihre Leistung bringen müssen.“ Man wisse zwar, ergänzte der 50-Jährige, „welche Qualität die Jungs haben, aber wir sollten schon Bayern München so vertreten, wie es sich gehört“.

Doch dies gelang gegen den BVB nie. Die Borussia hatte beim ersten Erfolgserlebnis in München nach fast zehn Jahren weitgehend leichtes Spiel, um durch Karim Adeyemi (10.) und Julian Ryerson (83.) zu einem wichtigen Sieg im Kampf um die Champions-League-Plätze zu kommen. „Man hat es in unseren Augen nicht gesehen“, kritisierte deshalb auch Thomas Müller die einmal mehr fehlende Leidenschaft der Bayern. „Zuversichtlich“, fügte er an, mache ihn deshalb „im Moment gar nichts“.

Meisterschaft so gut wie dahin



Die letzte vage Titelhoffnung gibt es ausgerechnet in der Champions League, in der Liga ist der Zug bei 13 Punkten Rückstand auf Leverkusen endgültig abgefahren. „Selbstverständlich“ sei die Meisterschaft entschieden, sagte Tuchel bei Sky. Es gebe „keine Hoffnung mehr, nein, nein, nein. Wie viele Punkte sind’s jetzt? Glückwunsch nach Leverkusen.“

Seine eigene Mannschaft gibt Tuchel dagegen weiter Rätsel auf. „Es ist offensichtlich extrem schwer für uns, mit dem richtigen Biss und Leidenschaft Spiele anzugehen.“ Aber warum dies immer wieder passiert, konnte er nicht beantworten.

Trainerfrage weiterhin ungeklärt



Ab Sommer ist dies nicht mehr Tuchels Thema. Doch wer sein Nachfolger wird, ist weiterhin offen. Die Trainerfindung läuft auf Hochtouren. Eberl reagierte auf die andauernden Nachfragen am Samstag zumindest mit Humor: „Ich habe tatsächlich Freunden von mir geschrieben: ,Ihr sucht am Sonntag Eier, und ich suche den Trainer.‘“

Grundsätzlich will er sich nicht in die Karten schauen lassen. „Ich weiß, dass das die ganze Öffentlichkeit interessiert. Aber ich habe noch nie einen Namen kommentiert“, sagte Eberl angesprochen auf Gerüchte um eine Rückkehr von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Er habe ja „auch gehört, dass Antonio Conte mir schon Listen schickt von Spielern. Da sieht man, wie pervers und wie kurios das alles ist.“

− sid