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100 Jahre Le Mans: Für Audi und Porsche gab es Triumphe und Tragödien beim 24-Stunden-Klassiker

26.05.2023 | Stand 16.09.2023, 21:33 Uhr |

Premiere 1923: Charles Montier und Albert Ouriou pilotieren einen Ford Montier Speciale, werden am Ende 14. Sicher auf Jahre Rekordhalter: Tom Kristensen (rechts). Fotos: Imago, Audi, Porsche, dpa

Am 26. Mai 1923, vor genau 100 Jahren, startete das erste 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dass daraus das wichtigste Langstreckenrennen werden sollte, war damals nicht erkennbar. In dem Jahrhundert hat sich viel ereignet – auch unter Mitwirkung von Audi und Porsche. Wir haben aus der Historie Besonderes herausgepickt.



AUDI


1997 kommt das Go des Vorstands, 1999 dann der erste Start. Mit dem Audi R8C (Coupé, also geschlossen) und dem R8R (Roadster, also offen). Der R8 wird der erfolgreichste Rennwagen in Le Mans, ihm folgen der R10 TDI, der R15 TDI plus, der R18 und der R18 e-tron quattro. Audi gelingen in 18 Jahren 13 Siege – zum Teil mit neuester Technik (*) und manchmal erschreckend dominant. In so kurzer Zeit hat kein anderer Hersteller so oft gewonnen.

*erster Dieselsieg 2006 (R10 TDI), erster Hybridsieg 2012 (R18 e-tron).

PORSCHE


19 Siege. Ein Rekord für die Ewigkeit? Zwischen 1970 und 2017 sind folgende Modelle die schnellsten: 917 K (2 Siege), 936 (3), 935, 956 (4), 962 (3), WSC-95 (2), GT1, 919 Hybrid (3). Der coolste Porsche: die Sau. Schweinchenrosa lackiert ist der 917, die entsprechenden Stellen sind zudem beschriftet. Kurz vor Schluss fällt die Sau 1971 durch Unfall aus.

HORROCRASH


Die größte Katastrophe im internationalen Motorsport ereignet sich im Jahr 1955, am 11. Juni: Direkt vor der Boxenmauer kollidieren bei einem Überholvorgang zwei Fahrzeuge – ein Mercedes und ein Austin. Teile des auseinanderbrechenden Mercedes fliegen brennend in die nahen Zuschauerränge, 83 Zuschauer sterben. Auch der Franzose Pierre Levegh, bei Mercedes Teamkollege von Juan Manuel Fangio und Fahrer des Unfall-Mercedes, stirbt. Er wird aus dem Auto geschleudert.

Der letzte Tote zu beklagen ist im Jahr 2013: Der Däne Allan Simonsen kommt von der Strecke ab, prallt mit seinem Aston Martin gegen die Leitplanke und stirbt im Krankenhaus. In der jüngeren Le-Mans-Geschichte gibt es auch Horror-Unfälle – allesamt aber mit gutem Ausgang: Es wird kein Zuschauer verletzt, kein Fahrer stirbt. Der Brite Mark Webber und der Schotte Peter Dumbreck heben 1999 – im Jahr des Audi-Debüts – ab. Die Mercedes CLR bekommen Unterluft. „Zu nah am Limit konstruiert“ heißt es damals im Fahrerlager. Dumbreck hatte am meisten Glück: Er überschlägt sich in der Luft und landet auf den Reifen. Zwischen den Bäumen. Audi-Pilot Mike Rockenfeller (Neuwied) überlebt einen brutalen, unverschuldeten Einschlag in die Leitplanken 2011 wie durch ein Wunder, und das noch nahezu unverletzt.

REKORDE


Gesamtsiege: 9 (Tom Kristensen/Dänemark), 6 (Jacky Ickx/ Belgien).
Schnellste Rennrunde: 3:14,791 Minuten (2017: Kamui Kobayashi / Japan / Toyota TS 050 Hybrid – Rundenrekord: 251,882 km/h.
Höchstes Tempo: 405 km/h (1988: Roger Dorchy/Frankreich, WM P88 – noch ohne Schikanen auf der Hunaudières-Geraden).
Distanzrekord: 5410,713 km/ 397 Runden (2010 Mike Rockenfeller/Neuwied, Timo Bernhard/Homburg, Romain Dumas/Frankreich, Audi R10 TDI).
Die meisten Pole positions: 5 (Jacky Ickx/Belgien).
Die meisten Starts: 33 (Henri Pescarolo/Frankreich/vier Mal Le Mans-Sieger).
Formel 1-Weltmeister, die auch in Le Mans gewonnen haben: Mike Hawthorn/England (1955), Phil Hill/USA (1958, 1961, 1962), Jochen Rindt/Österreich (1965), Graham Hill/ England (1972), Fernando Alonso/Spanien (2018/19).
Zuschauer-Rekord: 263500 (2015) – bei der MotoGP waren es Mitte Mai dieses Jahres 278805.
Die meisten Teilnehmer im Ziel: etwa 90 Prozent (30 von 33 bei der Premiere 1923).
Die wenigsten Runden eines Siegers: 120 (1924: Frank Clement/England, John Duff/Kanada, Bentley 3 Litre Sport)

Größter Abstand des Siegers zum Zweiten: 1927: 20 Runden (damals hatte die Runde 17,261 Kilometer) – umgerechnet waren es rund zweieinhalb Stunden.

DIE HOTSPOTS


Dunlop-Bogen: das Fotomotiv, kurz nach dem Start:

Tertre Rouge: Hier geht es auf die Hunaudières-Gerade.

Hunaudières: die lange Gerade, die früher über Tempo 400 zuließ.

Mulsanne: 90-Grad-Rechtskurve nach der Hunaudières.

Arnage: 90-Grad-Rechts, langsamste Stelle der Strecke (rund 80 km/h).

Porsche-Kurven: Hommage an den Rekordsieger.