Dienstag, 20. November 2018
Lade Login-Box.

Markus Orthaber aus Wolnzach war in Guatemala, als der Vulkan ausbrach

"Es sieht aus wie in Pompeji"

erstellt am 14.06.2018 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 21.06.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Eigentlich wollte er Spanisch lernen: Markus Orthaber aus Wolnzach ist seit Januar in Guatemala. Jetzt sammelt er Spenden für Opfer des Vulkanausbruchs und organisiert Hilfstransporte.
Textgröße
Drucken


[Link zum Youtube-Video]
 
Eine dicke Ascheschicht, die alles bedeckt, alles Leben erstickt im Umkreis des Vulkans. Der schreckliche Anblick erinnert ihn an Bilder aus Geschichtsbüchern der Schulzeit: "Da schaut es aus wie im antiken Pompeji", berichtet Markus Orthaber aus Oberlauterbach, einem Ortsteil von Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen). Der 40-Jährige hält sich seit Januar in Guatemala auf, um Spanisch zu lernen.

Unter Vulkanasche begraben ist dieses Küchengeschirr in einem Haus in der Katastrophenregion. Rechts ein Foto mit einem der Hilfstransporte, die Markus Orthaber mitorganisiert.
Unter Vulkanasche begraben ist dieses Küchengeschirr in einem Haus in der Katastrophenregion. Rechts ein Foto mit einem der Hilfstransporte, die Markus Orthaber mitorganisiert.
Abd/dpa
Er war rund 80 Kilometer entfernt, als der Volcan de Fuego am 3. Juni ausbrach und mehrere Dörfer komplett zerstörte. Viel mitbekommen hat Markus Orthaber davon nicht - außer den Rauch- und Aschewolken, die sich immer höher in den Himmel türmten. Angesichts der dramatischen Situation für die Menschen hatte Orthaber wie viele andere nur eines im Sinn: Er wollte helfen. Zwei Tage nach der Katastrophe saß er im ersten Transport mit Hilfsgütern.

Seine kleine, spontan über Facebook ins Leben gerufene Spendenaktion hat sich mittlerweile erfreulich entwickelt - auch dank der Unterstützung aus der Heimat: Mehr als 2000 Euro kamen schon zusammen. "Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet", freut sich Orthaber, der von Beruf Kaufmann ist und sich in Zentralamerika eine Auszeit nehmen will. "Inzwischen arbeiten wir mit den NGOs vor Ort zusammen, um die Hilfe zu koordinieren. Wir sind mittlerweile sehr gut vernetzt und strukturiert."
 
 Markus Orthaber
privat



Vom Fenster aus sieht er die Rauchwolken: "Der Ort, in dem ich wohne, heißt San Pedro und liegt am Lago Atitlan. Das ist nur ungefähr 80 Kilometer vom Feuervulkan entfernt - aber es sind drei Stunden Fahrtzeit", erklärt der Oberlauterbacher. Betroffene Gebiete seien El Rodeo, Alotenango, Escuintla, San Miguel los Lotes, Antigua in Guatemala.

Die Naturkatastrophe hat bisher 110 Todesopfer gefordert, mindestens 250 Menschen werden noch vermisst. "Aber für sie besteht kaum Hoffnung", sagt Orthaber, der bei den Hilfstransporten stets auch Kontakt mit den Rettern vor Ort hat. 12500 Menschen wurden evakuiert, rund 1,5 Millionen seien von dem Vulkanausbruch betroffen. Tausende verloren Hab und Gut, Haus und Hof - und am schlimmsten: Freunde und Verwandte. "Das Gebiet wird vermutlich dauerhaft unbewohnbar sein", so Orthaber. Anfangs brauchten die Menschen einfach nur Trinkwasser, Lebensmittel und Kleidung. Daran herrscht nun kein Mangel mehr. "Es ist unglaublich, wie das ganze Land zusammenhilft", sagt der 40-Jährige, der jedoch kritisiert: "Von der Regierung kommt fast gar nichts." Dringend benötigt würden Arzneimittel - etwa für Verbrennungen - sowie medizinische Ausrüstung wie Spritzen oder Kanülen. "Inzwischen hat in Guatemala die Regenzeit eingesetzt: Die Menschen in den Notunterkünften brauchen Schlafsäcke und Regenplanen." Mancherorts vemenge sich die Asche mit dem Regen zu gefährlichen Schlammlawinen.

Vor allem aber bräuchten die Helfer selbst Hilfe, betont Markus Orthaber. "Die Feuerwehrmänner tragen Stiefel mit geschmolzenen Sohlen. Sie benötigen dringend neue Ausrüstung. Außerdem sind diese Leute teils verletzt, total erschöpft und traumatisiert. Wir bemühen uns gerade, dass sie psychologische Hilfe bekommen." Der Deutsche erzählt von einer dramatischen Szenerie: "Da saß eine Familie gerade beim Essen am Tisch, als die Aschewolke sie tötete. Die Retter fanden die Opfer genauso vor - wie damals in Pompeji."
 
Einer der Hilfstransporte, die Markus Orthaber mitorganisiert hat.
Orthaber


Der Feuervulkan, der Tod und Schrecken gebracht hat, war bisher ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. "Vor drei Monaten war ich selber dort beim Vulkantrekking. Jede halbe Stunde gab es eine kleine Eruption - das war überhaupt nicht dramatisch, sondern ganz normal."

Jetzt ist nichts mehr normal. Markus Orthaber wollte eigentlich schon längst weiterreisen nach El Salvador. "Aber ich bleibe erst einmal hier und unterstütze die Hilfsaktionen." Sein letzter Post in seiner Guatemala-Facebook-Gruppe: "Also liebe Leute: Keep on donating!" Spendet weiter!
 
Suzanne Schattenhofer
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!