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Geschützte Paradiese

erstellt am 23.05.2018 um 17:26 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 11:37 Uhr | x gelesen
Einen Nationalpark Donau-Auen wird die Region wohl nicht bekommen – aber es geht auch eine Nummer kleiner. Die Gegend rund um Ingolstadt ist reich an außergewöhnlichen und beeindruckenden Naturschutzgebieten. Zum Europäischen Tag des Parks haben wir einen Blick auf diese Biotope geworfen.
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Naturschutz


Der Europäische Tag der Parks, der 1999 ins Leben gerufen wurde, wird jedes Jahr am 24. Mai begangen. Er dient dem Ziel, vorhandene Schutzgebiete in Form von Nationalparks, Biosphärenreservaten und  Naturparks bekannter zu machen und die Öffentlichkeit für deren  Wichtigkeit zu sensibilisieren.
In Bayern sind nach Angaben des Bayerischen Umweltministeriums 2,25 Prozent der Fläche geschützt, in Oberbayern sind es 4,50 Prozent − der höchste Wert aller Regierungsbezirke. Im oberbayerischen Berchtesgadener Land liegt auch einer der beiden bayerischen Nationalparks  mit seinen mehr als 20 000 Hektar Fläche. Zum Vergleich:  Das größte Naturschutzgebiet in der Region  ist die Weltenburger Enge mit knapp 560 Hekar Fläche.
Der  Europäische Tag des Parks geht auf den 24. Mai 1909 zurück, als Schweden neun Nationalparks als erste Schutzgebiete in Europa auswies.
 

ARNSBERGER LEITE

 
Arnsberger Leite
Grimm
Tierische Helfer: Ganzjährig bewahren Schafe und Ziegen die Landschaft der Arnsberger Leite  bei Kipfenberg im Kreis Eichstätt. Die gewaltigen Steilhänge mit den Trockenrasenhängen sind eine der Höhepunkte im Altmühltal. Die Tiere sind geländegängig und haben kein Problem, zwischen und auf den Felsen herumzuklettern. Die Tiere sind dafür da, dauerhaft die Verbuschung dieses wertvollen Naturschutzgebietes zu verhindern − nicht einmal vor den stacheligen Wacholderbüschen schrecken sie zurück.
Die Arnsberger Leite umfasst einen langgezogenen gleichmäßigen Steilhang mit imposant aufragenden Dolomitfelsen und einen abrupten Übergang ins Flache.  Auf ihr wachsen  sogar  Arten, die sonst hauptsächlich im Südosten Europas oder südlich der Alpen verbreitet sind. Hier brütet  der Uhu, hier blüht die Orchidee.
Eine  nur für Kletterer zugängliche  Höhle inmitten der Felswand wurde von der frühen Bronzezeit bis in die Römerzeit von Menschen benutzt; zu den merkwürdigsten Funden gehörten menschliche Schädelbruchstücke –  die wohl auf Menschenopfer hindeuten.
 

NÖTTINGER VIEHWEIDE


Nöttinger Viehweide
Zurek
Die Nöttinger Viehweide bei Geisenfeld im Kreis Pfaffenhofen liegt am  Ausgang des Ilmtals.  Die Heide- und Graslandschaft ist durch jahrhundertelange Beweidung mit Schafen, Schweinen und Rindern entstanden.  Mit ihren bizarr wirkenden, freistehen Altbäumen hebt sich die Nöttinger Viehweide – seit 1943  Naturschutzgebiet –  von der Nutzlandschaft der Umgebung ab. Das Totholz bietet einen idealen Lebensraum für zahlreiche Käferarten. Der sich anschließende Wald beherbegt allein sieben teils seltene Spechtarten. Typisch für das Gebiet sind heute Wacholderbüsche, Heidekraut- und Borstgrasrasen  und Baumgruppen. Es kommen unter anderem Arnika, Bärlauch, Moschuskraut und Orchideen vor. Durch die großen Freiflächen ist ein Kleinklima entstanden, das geprägt ist von extremen Temperaturwechseln zwischen Tag und Nacht. 
 

WELTENBURGER ENGE

 
Weltenburger Enge
Tourismusverband Kelheim
Zu den bekanntesten Naturschutzgebieten  der Region zählt die Weltenburger Enge mit dem Donaudurchbruch  im Landkreis Kelheim. Vor rund 200 000 Jahren grub sich ein Nebenarm der Urdonau durch das Kalkgestein und schuf so das heutige Flussbett der Donau. Auf einer Strecke von rund fünf Kilometern strömt der Fluss zwischen den bis zu 70 Meter aufragenden Kalkfelswänden hindurch, in denen zahlreiche kleinere Höhlen liegen. Das Gebiet wurde bereits 1840 unter Ludwig I. als Naturdenkmal ausgewiesen. Geologisch gehört die Enge zum Oberjura –  der fossilreichsten Formation Deutschlands, die vor etwa 150 Millionen Jahren abgelagert wurde, als das Gebiet noch ein flaches Meer war. Als einzigem Naturschutzgebiet in Bayern wurde 1978 der Weltenburger Enge  vom Europarat das Europadiplom verliehen.
 

SCHLOSS PRUNN

 
Schloss Prunn
Schwägerl
Das Naturschutzgebiet Schloss Prunn liegt unweit von Riedenburg im Landkreis Kelheim. Ein Großteil Süddeutschlands war vor 150 Millionen Jahren von einem flachen, warmen Meer bedeckt. Der Küste vorgelagert wuchsen mächtige Korallenriffe, die ein bis heute erhaltenes hartes Kalkgestein bildeten. Ein imposantes Beispiel für dieses uralte Meeresprodukt ist die Felszinne – die darauf thronende Burg wurde erstmals 1037 urkundlich erwähnt.   Seit 1946 ist sie im  Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung. Der von Natur aus weitgehend waldfreie Fels ist seit Jahrtausenden Rückzugsgebiet für konkurrenzschwache, aber trockenheitsertragende Pflanzen. Zusammen bilden sie seltene und schützenswerte Pflanzengemeinschaften, wie den Steppenheidewald und verschiedenste Trockenrasen, auf denen zahlreiche Insekten leben. 
 

ZWÖLF APOSTEL

 
Zwölf Apostel
Redl
Entlang des Altmühl-Panoramaweges  erstrecken sich die Dolomitfelsen mächtig in die Höhe.  Den  Untergrund der Zwölf Apostel zwischen Solnhofen und Eßlingen  bilden die dickbankigen Schichtkalke des Treuchtlinger Marmors. Die Vegetation des Schutzgebietes gliedert sich in zwei Komplexe. Auf dem Plattenkalk finden sich weitläufige Halbtrockenrasen. Im oberen Bereich der Türme liegt  echter Trockenrasen. Ursprünglich waren die Flächen  überwiegend von Rotbuchen- und Eichenmischwäldern bedeckt. Seit dem frühen Mittelalter trieb der Mensch Schafe und Ziegen in diese Wälder. Das Weidevieh verbiss die Jungbäume und der Mensch fällte die Bäume als Brenn- und Bauholz. So breiteten sich  licht- und wärmeliebende Pflanzen sowie Tiere aus. Sogar der besonders schön gezeichnete und vorher stark gefährdete Apollofalter ließ sich hier wieder nieder. 
 

ROTHSEE

 
Rothsee
Tschapka
Der Rothsee, ein Stausee der Kleinen Roth im Landkreis Roth, kann gleich mit zwei Naturschutzgebieten aufwarten: Sowohl die Stauwurzel als auch das Nordwestufer der Rothsee-Hauptsperre sind von besonderer Bedeutung. Beim Beginn der Bauarbeiten in den 1970ern versumpfte das Gebiet teilweise. Dort entstanden kleinere Inseln – als Vogelschutzzonen bieten sie  wasserliebenden Bodenbrütern ein perfektes  Refugium.  Zahlreiche Wildkaninchen-Kolonien lieben das Gebiet wegen seines sandigen Bodens. Hier können sie gut ihre Gänge bauen und finden ein  reichhaltiges Nahrungsangebot vor. Die Kaninchen, Brutvögel und Fische wiederum  bieten die Nahrungsgrundlage für stabile Populationen von Greifvögeln und Füchsen.  Aber der Rothsee ist nicht nur für  Flora und Fauna ein Idyll  − sondern auch bei  Surfern und Seglern beliebt. 
 

MAUERNER HÖHLEN

 
Mauerner Höhlen
Frank
Die Mauerner Höhlen sind ein am Eingang des Wellheimer Urdonautals bei Rennertshofen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gelegenes Karsthöhlensystem. Sie sind für die Menschheitsgeschichte Mitteleuropas von wissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Bedeutung:  Bei Ausgrabungen wurde  eine kleine Sensation zu Tage gefördert: eine etwa  27 000 Jahre alte kleinen Venusstatuette aus Kalkstein, die „Rote von Mauern“. In den Sedimenten  des aus fünf Einzelhöhlen bestehenden Systems fand man außerdem  Knochenreste und Spuren von Mammut, Höhlenbär, Wollnashorn, Rentier und weiteren 20 verschiedenen Tieren. Die Kalkmagerhänge im südlichen Frankenjura sind unersetzliche Flächen für zahlreich gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen.




 
Verena Belzer
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