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THI-Studenten haben eine App für Mitfahrgelegenheiten entwickelt – speziell für kurze Strecken im städtischen Raum

Mit wenigen Klicks ans Ziel

erstellt am 02.02.2016 um 21:46 Uhr
aktualisiert am 30.06.2016 um 15:03 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Grundgedanke ist nicht neu: Warum alleine fahren, wenn man noch jemanden mitnehmen kann? Schließlich lassen sich so die Fahrtkosten teilen. Längst gibt es Webseiten und Apps mittels derer Fahrer und Mitfahrer zueinanderfinden können. Eine Projektgruppe der Business School der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) hat nun eine etwas andere Variante ausgetüftelt: Fünf Masterstudenten des Studiengangs Automotive & Mobility Management bei Professor Harry Wagner haben eine Mitfahrgelegenheits-App speziell für Kurzstrecken im städtischen Raum entwickelt. Der Name: „Safe Hitchhiking“.
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Komplexer Algorithmus: Masterstudent Tobias Wagner (links) und Harry Wagner, Professor für Automotive & Mobility Management, zeigen eine Präsentation der »Safe Hitchhiking«-App.
Oppenheimer
Einer der Masterstudenten ist Tobias Wagner – der mit seinem Professor übrigens nicht verwandt oder verschwägert ist. „In urbanen Gegenden gibt es viel zu viele Autos“, sagt der 22-Jährige. Die App soll da Abhilfe schaffen. Natürlich ist den Studenten nicht entgangen, dass es einen Grund gibt, warum so eine Anwendung bis jetzt nicht auf erfolgreich auf dem Markt ist: Bei kurzen Strecken über wenige Kilometer ist die finanzielle Ersparnis eher zu vernachlässigen. Masterstudent Wagner weiß jedoch, dass man die Leute am einfachsten überzeugen kann, wenn es sich für sie im Geldbeutel auszahlt.

Trotzdem: Die Studenten sehen durchaus eine Chance, auch auf anderen Wegen ihre App erfolgreich lancieren zu können. Vielleicht, so glauben sie, lassen sich die Leute durch den Umweltgedanken überzeugen. So könnte man den eigenen Spritbeitrag beispielsweise direkt für ein Umweltprojekt spenden. Eine andere Möglichkeit wäre ein so genannter Gamifikation-Ansatz – sprich: Der Nutzer wird mit Punkten beziehungsweise Gutscheinen belohnt, wenn er soundso viele Kilometer einspart. Das ginge natürlich nur mit einer Art Sponsor als Partner.

Auch vom grundlegenden Bedien-Ansatz ist die App der Studenten anders als bisher Bekanntes. Statt sich nur zwischen Fahrer und Mitfahrer zu entscheiden, gibt es hier drei Auswahlmöglichkeiten: a) man hat kein Auto, b) man hat ein Auto, will aber nicht unbedingt fahren, c) man hat ein Auto und muss aus irgendwelchen Gründen ohnehin eine bestimmte Strecke fahren. Dazu braucht es vom Nutzer noch ein paar weitere Angaben: natürlich den aktuellen Standort (wird automatisch ermittelt) und den Zielort, außerdem müssen Fahrer angeben wie viele Sitzplätze ihr Auto hat und ob sie Raucher oder Nichtraucher sind. Für die Konzeption der App hatten die Studenten einen Industriepartner, der beratend zur Seite stand: den IT-Dienstleister Comtrade mit Sitz in Ljubljana in Slowenien.

Auch den immer wichtiger werdenden Aspekt der Sicherheit haben die Studenten eingebunden. Man kann sich als Fahrer mit dem Personalausweis registrieren lassen – und allein reisende Frauen könnten beispielsweise nur nach solch registrierten Fahrern suchen. Zudem soll die App besonders schnell und intuitiv zu bedienen sein, sodass der Aufwand die Daten ins Handy einzugeben nicht zu groß ist – das würde viele Nutzer abschrecken.

Wer am Ende fährt, und welche Route gewählt wird, entscheidet die App. Dahinter steckt ein komplexer Algorithmus. Er könnte etwa auch raten, alleine zu fahren, wenn die Mitfahrer auf einer ökologisch unsinnigen Route liegen würden.

Der Prototyp für die App ist nun fertig. Ob sie jemals tatsächlich programmiert wird und in die App-Stores von Google oder Apple wandert, ist dagegen noch nicht klar. Schließlich ist das alles mit einer Menge Kosten verbunden. Mitentwickler Tobias Wagner hofft, dass sich vielleicht eine Stadt als Unterstützer für so eine App findet. Warum nicht Ingolstadt? Denn wenn der Plan hinter der App aufgeht, würde der Verkehr in der Audi-Stadt deutlich weniger werden. Und das würde nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven vieler Fahrer schonen.
Von Sebastian Oppenheimer
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