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Die Redakteurin Eva Dix hat das Buch "Am Ende des Tages" von Robert Hültner in die Einfache Sprache übersetzt

"Das fesche Mannsbild habe ich stehen gelassen"

Ingolstadt
erstellt am 07.12.2017 um 21:35 Uhr
aktualisiert am 25.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Diei Redakteurin Eva Dix spricht im Interview mit dem Donaukurier über das Handwerk des Übersetzens und den bayerischen Dialekt.
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Frau: "Das fesche Mannsbild habe ich stehengelassen"
Eva Dix ist freie Redakteurin und übersetzt Texte in Einfache oder Leichte Sprache. - Foto: privat
Ingolstadt

Frau Dix Sie, wie gehen Sie bei einer Krimi-Übersetzung in die Einfache Sprache vor?

Eva Dix: Ich lese das Buch erst einmal durch und mache mir Notizen, was ich später bei der Übersetzung kürzen kann. Wenn ich mich dann an die Übertragung mache, versuche ich, Details, Nebenschauplätze und lange Beschreibungen wegzulassen. Das Buch von Robert Hültner hat 316 Seiten, ich musste ungefähr auf 120 Seiten kommen.

 

Was kennzeichnet die Einfache Sprache?

Dix: Die Sätze müssen deutlich kürzer sein: Sie sollten 10 bis 13 Wörter und höchstens ein Komma haben. Der Wortschatz muss einfach sein. Um ein paar Beispiele zu nennen: Im Original kommt das Wort Bub vor, aber die gebräuchliche Form, die jeder kennt, ist Junge. Oder abgezehrt ist einfach dünn. Reifhartes Gras wird zu gefrorenem Gras. Lange zusammengesetzte Worte trennt man mit Binde-Strich.

 

Wie verfahren Sie denn überhaupt mit dem bayerischen Dialekt, der typisch für Robert Hültner ist?

Dix: Diesen schönen Sprachduktus, der mir persönlich sehr gut gefällt, kann ich leider nicht übernehmen. Weil er nicht allgemeinverständlich ist. Um das zu entschlüsseln, braucht man, wenn man nicht aus Bayern kommt, schon viel Sprachkompetenz. Nur hie und da habe ich Begriffe stehengelassen, zum Beispiel: fesches Mannsbild oder Depp. Aber diese Begriffe habe ich in die Wörterliste hinten im Buch aufgenommen und erklärt.

 

Sie müssen also vieles vereinfachen. Wie bewahren Sie trotzdem den Charme des Buches?

Dix: Ich weiß gar nicht, ob ich die Frage so gut beantworten kann. Ich versuche natürlich, die Stimmung des Buches einzufangen und zu transportieren. Wir haben auch ein Vorwort eingefügt, um die Zeit der Weimarer Republik greifbarer zu machen, in der das Buch spielt. Ob ich am Ende den Stil getroffen habe, beurteilen eher die Leser.

 

Und was sagt Robert Hültner zu Ihrer Übersetzung?

Dix: Als Robert Hültner vom Bezirk Oberbayern gefragt wurde, hatte er ja sofort zugestimmt zu dieser Übertragung. Er hatte aber anfangs befürchtet, man könne dieses Buch nicht in Einfache Sprache übertragen, weil es zu komplex ist. Zu meiner großen Freude war er sehr zufrieden mit der Übersetzung. Er fand, ich habe das, was er ausdrücken wollte, gut getroffen - trotz der Reduktion.

 

Meinen Sie, dass künftig auch schwer verständliche Literatur für jeden zugänglich wird?

Dix: Es gibt ja den Verlag "Spaß am Lesen" aus Münster, der schon seit einigen Jahren sehr aktiv ist. "Tristan und Isolde", "Romeo und Julia" oder "Das Tagebuch der Anne Frank" - alle diese Bücher sind schon übertragen worden. Von anspruchsvoller Belletristik bis hin zu Unterhaltungsliteratur gibt es da schon einiges in Einfacher Sprache.

 

Die Fragen stellte Suzanne Schattenhofer.

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