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Echo-Verleihung von Streit um Rapper Kollegah und Farid Bang überlagert

erstellt am 13.04.2018 um 11:29 Uhr
aktualisiert am 23.04.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Die Antisemitismusvorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Der Tote-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern vor der versammelten Musikbranche in Berlin die Leviten, was Kollegah als "relativ stillos" empfand.
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Die Antisemitismusvorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Der Tote-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern vor der versammelten Musikbranche in Berlin die Leviten, was Kollegah als "relativ stillos" empfand. Kollegah und Farid Bang
Die Antisemitismusvorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Der Tote-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern vor der versammelten Musikbranche in Berlin die Leviten, was Kollegah als "relativ stillos" empfand.
© 2018 AFP

Die Antisemitismusvorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Der Tote-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern am Donnerstagabend vor der versammelten Musikbranche in Berlin die Leviten - Kollegah wies dies später als "relativ stillos" zurück. In Abwesenheit holte Weltstar Ed Sheeran derweil die wichtigsten Echos für den Hit des Jahres und das Album des Jahres.

Die vom Fernsehsender Vox live ausgestrahlte Verleihung sahen knapp 1,8 Millionen Menschen, gut eine halbe Million mehr als im Jahr davor. Besonders in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer war die Show erfolgreich.

Im Vorfeld der Echo-Verleihung hatten die Nominierungen für Kollegah und Farid Bang bereits Proteste ausgelöst. Diesen wird Antisemitismus vorgeworfen. In einer Liedzeile ihres besonders umstrittenen Lieds "0815" heißt es etwa: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen". Kollegah wies die Antisemitismusvorwürfe wiederholt als Kampagne zurück.

Campino griff die beiden in seiner eigenen Dankesrede für die Auszeichnung seiner Band für den Preis in der Kategorie Rock national dennoch scharf an. "Im Prinzip halte ich Provokation für gut und richtig", sagte er. Für ihn sei aber die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe Texte oder die Diskriminierung von Religionen gehe, sagte der Punkrocker unter Applaus des Publikums der Festgala. Er hoffe, dass die Diskussion über Kollegah und Farid Bang wieder zu einem anderen Bewusstsein führe, "was als Provokation noch erträglich ist und was nicht".

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, nannte die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang "eine Schande". "Der Bundesverband Musikindustrie und die Jury haben bei ihrer Entscheidung das historische Erbe Deutschlands völlig ausgeblendet", erklärte er. "Dass die Verantwortlichen der Musikindustrie für solche Texte unter dem Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit einen Freifahrtschein erteilen, ist ein Skandal."

Auch die frühere Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch kritisierte die Auszeichnung. Es sei "ein verheerendes Zeichen", den wichtigsten deutschen Musikpreis an "vermeintliche Künstler" zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch.

Trotz der Diskussion über ihre Texte gewannen die beiden Rapper den Preis in der Kategorie Hip-Hop Urban National. Kollegah warf Campino vor, sich "als moralische Instanz" aufgespielt zu haben. Dies gebühre eigentlich "einem so großen Musiker wie Campino nicht".

Insgesamt gab es für den wichtigsten deutschen Musikpreis 90 Nominierte für 22 Auszeichnungen. Die mit "No Roots" bekannt gewordene Alice Merton gewann die Kategorie Künstlerin Pop National, Milky Chance ("Blossom") als Band Pop National. Als beste Band international wurden Imagine Dragons ("Evolve") ausgezeichnet.

Der erkrankt abwesende deutsche Superstar Robin Schulz gewann einen Echo in der Kategorie Dance National. Damit konnte Schulz bereits das vierte Jahr in Folge eine der Auszeichnungen gewinnen. Zum vierten Mal einen Echo gewann die Band Santiano in der Kategorie Volkstümliche Musik. Alles in den Schatten stellt allerdings dabei weiter Helene Fischer, die die Kategorie Schlager gewann und damit ihren bereits 17. Echo gewann - kein Künstler ist erfolgreicher.

Als Künstler Pop national gewann Mark Forster das erste Mal die Auszeichnung. Als Künstlerin international ausgezeichnet wurde Pink, diese war aber ebenso wie Ed Sheeran nicht anwesend. Newcomer national wurde Wincent Weiss, als Newcomer international gewann der 2017 mit dem Sommerhit "Despacito" erfolgreiche Luis Fonsi.

Ed Sheeran gewann außer für den Hit und das Album des Jahres auch in der Kategorie Künstler international. Dagegen ging der wie Ed Sheeran viermal nominierte Bausa ("Was du Liebe nennst") leer aus.

Berlin (AFP)
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