Acrylamid und Mineralöl
Jede Menge Schadstoffe: Vor allem Bio-Chips fallen im neuen „Öko-Test“ durch

21.09.2023 | Stand 23.09.2023, 19:46 Uhr |

Vor allem in Bio-Chips fanden sie Öko-Tester viele Schadstoffe.  − Foto: dpa

Dass Chips nicht zu den gesündesten Snacks gehören, wissen wir nicht erst seit gestern. Aber dass viele extrem mit Schadstoffen belastet sind? Die Zeitung „Öko-Test“ hat in ihrer Oktoberausgabe Kartoffelchips getestet - mit teils unappetitlichem Ergebnis.



20 Packungen Kartoffelchips mit der Geschmacksrichtung Paprika, also „Classic“, standen auf dem Prüfstand. Dabei kristallisierten sich laut Öko-Test fünf große Probleme heraus.

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Zu viel Acrylamid vor allem in Bio-Chips



In acht untersuchten Chips-Sorten fand das von Öko-Test beauftragte Labor Acrylamid. Tierversuche haben gezeigt, dass der Stoff krebserregend ist. Besondres erschreckend: In den Bio-Chips war der Anteil an Acrylamid besonders hoch. Die Tester erklären das mit der aufgrund der bei Bio verbotenen Keimhämmer nötigen kühlen Lagerung. „Kalte Umgebung führt dazu, dass sich Zucker wie Glukose oder Fruktose in der Knolle anreichern. Diese wiederum können dazu beitragen, dass sich beim Frittieren höhere Gehalte an Acrylamid bildet“, heißt es in der Pressemitteilung.

Andererseits dürften die erschwerten Lagerungsbedingungen keine Entschuldigung sein, dass manche Bio-Chips sogar die derzeit geltenden EU-Richtwerte für Kartoffelchips überschreiten.

Immer noch Mineralölspuren in Kartoffelchips

Seit Jahren bemängeln die Tester, dass in Chips Mineralölspuren zu finden sind. So auch in diesem. Das Labor ist vor allem auf gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge) gestoßen. Diese reichen sich im Körper an und stellen dort die wohl größte Verunreinigung dar. Welche Folgen das hat, ist bisher noch unklar.

Auch hier schneiden die Bio-Chips besonders schlecht ab. In drei Sorten seien die noch riskanteren aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) gefunden werden, die auch im Verdacht stehen Krebs zu verursachen.

Ebenfalls problematisch in Chips: Glycidyl-Fettsäureestern. Die wurden in vier Bio-Produkten nachgewiesen. Sie sind deshalb gefährlich, weil sie im Körper zu Glycidol umgewandelt werden können. Der Stoff gilt ebenfalls als krebserregend und erbgutschädigend.

Auffällig ist laut Öko-Test, dass alle drei genannten Giftstoffe in erhöhter Konzentration vor allem in Bio-Chips zu finden sind. Die betroffenen Hersteller hätten dafür aber keine Erklärung. Die Tester fordern hier eine wesentlich striktere Qualitätskontrolle.

Das giftige Grüne in der Kartoffel

Weiters wird in Kartoffelchips auch das Vorkommen von Solanin und Chaconin kritisiert. Dies käme in den grünen und ausgekeimten Teilen einer Kartoffel vor. Würden diese mitverarbeitet, gelangten die Stoffe so in die Chips. Auch hier müssten die Verarbeitungsprozesse von den Herstellern überprüft werden.

Nach wie vor finden sich in einigen Chipssorten Spuren von Pestiziden, etwa Chlorpropham. Dieses wurde früher für eine längere Lagerung eingesetzt, zwischenzeitlich aber in der EU verboten. Dass Spuren davon immer noch in Chips zu finden sind, liegt vermutlich an den Lagerstätten, die mit dem Pestizid kontaminiert sind.

Fazit des Chips-Testes

Von den sieben getesteten Bio-Chipstüten schafften es nur die Bio-Chips von Dennree (1,59 Euro pro 100 g) zur Note „sehr gut“. Sechs weitere Bio-Produkte enttäuschten die Öko-Tester auf ganzer Linie. Sie fielen mit „ungenügend“ komplett durch.

Von 13 konventionellen Kartoffelchips erhielten sechs die Note „gut“. Doch auch da üben die Tester etwas Kritik: Die gut benoteten Chips würden sich kaum voneinander unterscheiden - höchstens, dass zwei Markenprodukte doppelt so viel wie die anderen vier kosten.

− lai/dpa