Bundesliga
Entsetzen über Böllerwurf: „Nicht zu fassender Unsinn“

11.11.2023 | Stand 13.11.2023, 5:23 Uhr |

FC Augsburg - TSG 1899 Hoffenheim - Ein Hoffenheim Fan muss nach einem Böller behandelt werden. - Foto: Harry Langer/dpa

Ein Knallkörper sorgt für einen großen Schrecken im Augsburger Stadion. Es gibt zum Glück keine Schwerverletzten. Der Schiedsrichter reagiert besonnen, das Spiel kann beendet werden.

Über das Spiel wurde nur noch am Rande gesprochen. Im Mittelpunkt der Nachlese des 1:1 in der Fußball-Bundesliga zwischen einem nach der Pause aufdrehenden FC Augsburg und den Auswärtsspezialisten der TSG Hoffenheim stand ein Böllerwurf aus dem Gäste-Fanblock. Laut Polizeiangaben am Samstagabend seien bislang elf verletzte Personen bekannt - und zwei Tatverdächtige.

„Beide Männer stehen im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein“, teilte die Polizei mit. Beide seien festgenommen worden. „Ein nicht zu fassender Unsinn“, kommentierte TSG-Sportchef Alexander Rosen: „Das hat in einem Fußballstadion nichts zu suchen.“

Schiedsrichter Felix Brych hatte die Partie wegen des Vorfalls in der 57. Minute für rund fünf Minuten unterbrochen. „Ich habe noch nie einen so lauten Knall in einem Fußballstadion gehört“, sagte der auch international sehr erfahrene Unparteiische. Der 48-Jährige wurde nach dem Schlusspfiff von allen Seiten für sein besonnenes Verhalten in höchsten Tönen gelobt.

„Ich habe klar gesagt, wenn so etwas nochmal passiert, müssen wir das Spielfeld verlassen“, sagte Brych über die Minuten nach dem Vorfall. Er verwies auf den sogenannten Dreistufenplan des DFB, der als finale Reaktion einen Spielabbruch vorsieht. Als erste Stufe hatte Brych die Spieler im Mittelkreis zum Gespräch versammelt. Der Feuerwerkskörper war aus dem Fanblock geworfen worden und nahe der Eckfahne lautstark explodiert. „Das muss man hart bestrafen“, sagte FCA-Sportdirektor Marinko Jurendić mit Blick auf den Täter.

Immerhin konnte die Partie vor 28.260 Zuschauern regulär zu Ende gespielt werden. Eine grandiose Solo-Aktion von Ermedin Demirovic hatte vor dem Böllerwurf dafür gesorgt, dass die Augsburger unter dem neuen Trainer Jess Thorup auch gegen die in den ersten fünf Saisonspielen auswärts jeweils siegreiche TSG ungeschlagen blieben. Der FCA-Kapitän versetzte mit einer Energieleistung bei seinem sechsten Saisontor zum Endstand zunächst drei Gegenspieler auf engstem Raum und schlenzte den Ball dann aus spitzem Winkel von der Strafraumgrenze ins lange Eck (53. Minute).

„Zwei Siege, zwei Unentschieden, acht Punkte - als neuer Trainer bin ich zufrieden“, sagte Thorup. Die Hoffenheimer hatten durch Wout Weghorsts Tor in der 23. Minute geführt. Hoffenheims Trainer Pellegrino Matarazzo war enttäuscht, weil seine Mannschaft vor der Pause dominiert hatte.

Augsburg war im zweiten Durchgang dem Sieg deutlich näher. Angreifer Demirovic scheiterte auf Zuspiel des eingewechselten Arne Engels in der 81. Minute am nicht nur in der Szene stark reagierenden Hoffenheimer Torwart Oliver Baumann. Mittelfeldspieler Niklas Dorsch verzog beim Abschluss nach einem Sololauf (84.). „Wenn wir die Chancen ein bisschen besser ausspielen, müssen wir das Spiel gewinnen“, haderte Demirovic ein wenig. Bei allen im Stadion überwog aber die Erleichterung, dass der Knallkörper wohl nichts ganz Schlimmes angerichtet hat.

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